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Mit Wohlfühlfaktor besser arbeiten und denken

Lesen Sie, warum ein Umfeld, in dem wir uns wohlfühlen, unser Denken und unsere Kreativität fördert – und wie wir es aktiv gestalten können.

Fangfrage: Was haben eigentlich Ihr Arbeitsplatz und Ihr Denkvermögen miteinander zu tun? Na? Wissen Sie’s?

Dann will ich Ihnen von einem kleinen Experiment erzählen.

Zwei Versuchsgruppen sollten ein Denksporträtsel lösen. Das Rätsel selbst war gar nicht mal so schwer. Es galt nur, den richtigen Dreh zu finden, wie man die Sache angehen könnte. Danach wäre der Rest schon wie von selbst gekommen.

Versuchsgruppe A wurde in einen „optisch reduzierten“ Raum gesteckt. Weiße Wände und weißer Boden – weiße Tische und weiße Stühle – keine Fenster und keine Bilder – und natürlich auch keine Schmankerl wie etwa eine gepflegte Tasse Kaffee.

Sie können sich die Szene vorstellen?

Gruppe A brauchte zur Lösung des Rätsels knapp vier Stunden.

Die Vergleichsgruppe, Versuchsgruppe B, wurde „in Urlaub geschickt“. Die Gruppe tagte im obersten Stockwerk eines Nobelhotels mit Blick aufs Meer. Panoramafenster, versteht sich. Dazu schicke Bilder an den Wänden, bequeme Möbel, Kunstgegenstände, jede Menge Getränke und was Leckeres zu essen.

Gruppe B brauchte zur Lösung des Rätsels neunzehn Minuten.

Ein anderes Beispiel:

Erinnern Sie sich noch an die Start-ups zu New Economy Zeiten?

Pizzaservice und Spiele waren die Normalität. Massage, Einkaufsservice und Kinderbetreuung gehörten zum guten Ton. In Kreativschmieden, Werbeagenturen und Co. hat sich diese Sitte im übrigen oft bis heute gehalten.

Warum das Ganze?

(Natürlich auch, um gefragte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Aber das ist hier nicht der Punkt.)

Weil ein Umfeld mit Wohlfühlcharakter unser Denken fördert. Je

  • intensiver unsere Sinne angesprochen werden
  • angenehmer sich unsere Umgebung präsentiert
  • lockerer und gelöster die Stimmung ist
  • mehr Teamgeist und Gemeinsamkeit vorherrschen
  • weniger Druck, Beunruhigung und Sorge auf uns lasten

desto besser für unser Denkvermögen.

Wenn Sie also effektiver denken, leichter lernen und vielleicht sogar zu kreativen Ideen finden wollen, dann: Sorgen Sie für Ihren Wohlfühlfaktor. An Ihrem Arbeitsplatz. In Ihrem Büro.

Tipp 1: Sorgen Sie für Vertrautheit und Nähe.

Erzählen Sie als erstes Ihrem Chef, dass Großraumbüros oder, schlimmer noch, die Unsitte „mobiler Arbeitsplätze“ zwar effizient und ökonomisch sein mögen, aber mit Sicherheit nicht eben förderlich für unser Denken.

Menschen brauchen Bezugspunkte. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrautheit ist sehr groß. Um effektiv zu denken oder gar unsere Kreativität zu entfalten, brauchen wir zunächst einmal Gewohnheit und Nähe. Erst dann sind wir frei, auch gedanklich frei, darüber hinaus gehen zu können.

Mit anderen Worten: Abwechslung ist anregend und gut. Orientierungslosigkeit und ständiges Chaos dagegen sind stressauslösend und belastend.

Tipp 2: Schaffen Sie sich eine Zuflucht.

Schaffen Sie sich einen Ort, der nur Ihnen gehört. Einen Raum, mit dem Sie sich identifizieren. Einen individuellen Arbeitsplatz mit

  • Möbeln, die auf Sie abgestimmt sind
  • Pflanzen und anderem Entspannendem
  • Bildern, Fenstern und anderem Anregendem
  • Gegenständen, die ihm eine persönliche Note verleihen.

Tipp 3: Halten Sie Maß bei Information und Kommunikation.

Das Prinzip der offenen (Büro-) Tür kann für Anregung und neue Ideen sorgen. Es kann Sie aber auch daran hindern, sich konzentriert Ihren eigenen Aufgaben und Gedanken zu widmen.

Informations- und Kommunikationsgeräte wie Computer, Telefon, Fax und Co. können für Sie Ihre Verbindung zur (Außen-) Welt sein. Sie können Sie aber auch mit ihrer ständigen Forderung nach Aufmerksamkeit in den Wahnsinn treiben.

Wie überall, ist auch hier das richtige Maß gefragt. Entscheiden Sie, was für Sie noch anregend ist und was zum Stressauslöser wird. Und dann handeln Sie konsequent: Schotten Sie sich für eine gewisse Zeit des Tages vollkommen von allem ab. Machen Sie die Tür zu und hängen Sie ein Nicht-Stören-Schild davor. Leiten Sie Ihr Telefon um und schalten Sie Ihren Rechner aus. Entspannen Sie sich und hängen Sie Ihren Gedanken nach. Konzentrieren Sie sich und lernen Sie für die nächste Prüfung. Was auch immer.

Tipp 4: Entwickeln Sie Ihren eigenen Stil.

  • Finden Sie heraus, wo Sie am besten arbeiten. Wenn Sie nicht gern am Schreibtisch arbeiten, dann lassen Sie es so oft wie möglich sein. Legen Sie sich mit einem Notizblock aufs Sofa, wandern Sie mit Laptop in den Park oder setzen Sie sich mit Stift und Papier ins nächste Café.
  • Finden Sie heraus, wann Sie am besten arbeiten. Vielleicht sind Sie ein Morgenmuffel, der dann bestenfalls zu Routinearbeiten fähig ist. Dann reservieren Sie sich den Nachmittag oder Abend für Ihre mentalen Höhenflüge. Oder umgekehrt, versteht sich.
  • Finden Sie heraus, womit Sie am besten arbeiten. Vielleicht bevorzugen Sie Bleistift und Papier, vielleicht Tastatur und Maus oder gar Feder und Tinte. Versuchen Sie, so viel wie irgend möglich mit den Mitteln Ihrer Wahl zu arbeiten.

Natürlich ist uns unsere Umgebung oft vorgegeben. Aber ebenso oft sind wir einfach nur zu bequem und unsere Wahlmöglichkeiten größer, als wir glauben. Deshalb: Schränken Sie sich nicht selbst ein. Nehmen Sie Einfluss und gestalten Sie aktiv den Raum um sich herum. Ihr Denken wird es Ihnen danken. :-)

© 2006 Heike Thormann, Erstveröffentlichung Mai 2006

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