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Wortschatz trainieren

Sprache und Denken hängen eng zusammen. Je reicher Ihr Wortschatz, desto besser können Sie sich nicht nur ausdrücken oder als Schriftsteller betätigen. Je mehr Worte Sie kennen, desto besser können Sie auch denken. Brechen Sie mit ein paar Tipps aus dem täglichen Sprach-Einerlei aus. Steigern Sie Ihren Wortschatz und schärfen Sie Ihre Feder und Ihr Denken.

Je größer Ihr Wortschatz, desto besser und leichter werden Sie schreiben

Unsere Sprache ist reich an ihnen – an Worten. In die Hunderttausende geht ihre Zahl.

Nur: Statistiken zufolge kennt ein „gebildeter“ Mensch davon im Durchschnitt lediglich etwa 60.000. Schlimmer: Aktiv im Gebrauch hat er oder sie gerade mal noch etwa 5000. Die anderen 55.000 schlummern als so genannter passiver Wortschatz friedlich vor sich hin. Wir kennen sie zwar, können aber nicht ohne Weiteres auf sie zugreifen. Sie fallen uns nicht ein.

(Die Zahlen können je nach Quelle abweichen.)

Das ist nicht nur ein Hindernis für Sie, wenn Sie die Feder schwingen und schreibend mit Worten jonglieren wollen. Schließlich: Je mehr Worte Sie aktiv kennen und gebrauchen, desto besser können Sie sich auch ausdrücken und desto leichter fällt Ihnen das Schreiben.

Nein, die Sache geht noch tiefer.

Denn Sprache und Denken hängen eng zusammen. Wir können nur das denken, wofür wir auch Worte haben. Jedes Wort steht für ein mentales Bild, eine gedankliche Vorstellung. Wenn Sie das Wort „Baum“ nicht kennen, können Sie es sich auch nicht vorstellen.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Je mehr Worte wir aktiv kennen, desto besser können wir

  • denken und verstehen
  • wahrnehmen und beschreiben
  • ausdrücken und mitteilen
  • vorstellen und erinnern.

In diesem Sinne: Schärfen Sie Ihre Feder und Ihr Denken. Steigern Sie Ihren Wortschatz. Lernen Sie neue Worte kennen und wecken Sie vor allem Ihre schlafenden 55.000.

Nutzen Sie die folgenden Tipps für eine erste Einführung. Wie Sie Ihren Stil verbessern, zeigt Ihnen auch mein Kurs „Mit Sprache spielen und Herzen berühren. Fesseln Sie Ihre Leser mit der Welt der Worte.“

1. Lesen Sie.

Preisfrage: Wo wimmelt es nur so auf geballtem Raum von Buchstaben und Worten? Richtig. Der Buchwurm Lexi aus der Kinderserie, deren Name mir gerade nicht einfällt (war es „Hallo Spencer“?), war nicht der einzige, der ihnen über den Weg lief. Jedes Buch ist eine wahre Fundgrube für Ihren Wortschatz, und je mehr Sie lesen, desto schneller wird er wachsen.

Achten Sie dabei darauf, ein bisschen mit Zeiten, Autoren und Genres zu spielen. Sie alle haben ihre eigene „Sprache“ und können Ihren Wortschatz mit Ausdrücken von Labsal oder Schwerkraft-Generatoren bis hin zu „ey, cool, Mann“ bereichern.

2. Wiederholen Sie.

In Klassenarbeiten ist es zwar weniger beliebt – die Texte und Werke von Autoren zu kommentieren und zusammenzufassen. Für Ihren Wortschatz ist es aber ein gutes Training.

Wiederholen Sie in einem ersten Schritt einzelne Stellen, die Sie gerade gelesen haben. Lesen Sie sie sich selbst oder anderen laut vor. Damit prägen Sie sich nur halb vertraute Worte besser ein bzw. aktivieren Sie Ihren schlafenden, passiven Wortschatz.

Fassen Sie das Gelesene anschließend in einem zweiten Schritt zusammen. Erzählen Sie zum Beispiel sich selbst oder anderen, worum es genau geht. So können Sie Inhalte und Worte besser verarbeiten und herausfinden, ob Sie wirklich alles verstanden haben.

Ihnen völlig fremde oder auch besonders gelungene Formulierungen können dann zum Beispiel …

3. Schreiben Sie auf.

… auf Karteikarten oder in Vokabelhefte wandern. So machen Sie nicht nur Ihre Fundstücke dingfest und können sie jederzeit wiederholen.

Durch das Aufschreiben sprechen Sie auch mehrere Sinneskanäle gleichzeitig an, verarbeiten wieder durch aktives Tun und können sich das Ganze damit leichter merken.

Nebenbei: Wird Ihnen die Bedeutung der neuen Vokabel nicht „von selbst“ durch den Inhalt des Textes klar? Dann ist es Zeit für einige praktische Helferlein.

4. Schlagen Sie nach.

Manche schwören auf Brockhaus oder Duden, manche auf die Thesaurus-Funktion von Textverarbeitungsprogrammen, um sich ein Wort erklären zu lassen oder nach ähnlichen Begriffen zu fahnden. Und ja, beides ist eine gute Methode, Ihrem Wissen bei einem akuten „Notstand“ etwas nachzuhelfen. 😉

Sie können aber auch gleich in Synonym-Datenbanken oder Wörterbüchern stöbern und sich inspirieren lassen.

Einzige Einschränkung: Bleiben Sie auf dem Teppich. Wenn Sie Ihre Ausbeute auch einsetzen wollen, dann greifen Sie nicht zu Ausdrücken, die keiner aus Ihrer Umgebung kennt, oder die nicht zu Ihrem normalen Sprachgebrauch passen.

„Alte Lateiner“ mögen zwar gern mit beeindruckenden Zitaten um sich werfen, aber meistens wollen wir doch vom Gegenüber verstanden werden. 😉

5. Wandeln Sie ab.

Eine Methode, die mir aus so manchem Science-Fiction-Buch in Erinnerung geblieben ist: Begriffe abzuwandeln und zu verändern, um ihnen einen möglichst fremden, „zukünftigen“ Anstrich zu geben. So wurde zum Beispiel aus der üblichen Krankenstation an Bord von Raumschiffen ein „Lebenszentrum“.

(Nebenbei: Auch eine schöne positive Umformung. Ich bin sicher nicht die einzige, die sich schon allein vom Wortklang her in einem Lebenszentrum wohler fühlen würde.)

Dieses Prinzip können Sie auch auf Ihren normalen Sprachgebrauch übertragen. Ersetzen Sie Begriffe diesmal ganz bewusst durch ähnliche (synonyme) Worte oder versuchen Sie, diese näher zu bestimmen und auszugestalten.

Dann wird aus einem Chef vielleicht ein Big Boss, aus einem Baum eine Eiche, aus einem Otto-Normal-Dach ein Reetdach oder ein mit Schindeln verkleidetes Dach.

Tipp: Nutzen Sie auch kreative Schreibtechniken wie zum Beispiel ABC-Listen, um nähere Einzelheiten aus Ihren Begriffen herauszukitzeln. Dann könnte Ihnen beispielsweise einfallen, dass Wasser aquamarin, blau, cold sein, sich im Atlantik, der Badewanne, einem Chemiewerk befinden kann, und so weiter, und so fort, das ganze Alphabet durch.

6. Übersetzen Sie.

Kratzen Sie Ihre Fremdsprachen-Kenntnisse zusammen und übersetzen Sie einzelne Passagen ins Deutsche. Das muss auch nicht 100prozentig richtig sein. Der Witz an der Sache ist eher, dass Sie hier „gezwungen“ werden, eine fremde Sprache mit Ihren eigenen Worten wiederzugeben. Und natürlich auch an Formulierungen und Grammatik zu feilen.

Wortschatz-Training pur sozusagen.

7. Reden Sie.

Logisch, auch ein Weg, Ihren Wortschatz zu trainieren. Kommunizieren Sie, reden Sie, schnacken Sie – egal, ob in einer fremden Zunge oder in Ihrem heimischem Dialekt.

Im Gegenteil, was für das Lesen gilt, gilt auch hier: Je unterschiedlicher die Zungen, desto besser. Denn auch hier hat jede Gruppe ihre eigenen Gewohnheiten und ihren eigenen „Slang“. Je mehr Varianten Sie mitbekommen, desto reicher Ihre Sprache.

Reden – und zuhören – ist allerdings ein bisschen mühsamer als Lesen, um Ihren Sprachgebrauch zu verbessern. Denn vieles, was wir schwarz auf weiß sehen oder nachschlagen können, geht uns im Eifer des Gesprächs verloren.

Fragen Sie deshalb im Zweifelsfall immer nach und lassen Sie sich unbekannte Begriffe erklären. Haben Sie auch keine Angst davor, sich zu blamieren. Nur so können Sie lernen.

8. Beschreiben Sie.

Trainieren Sie Ihre Sinne und damit auch Ihren Wortschatz. Gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt und versuchen Sie alles, was Sie wahrnehmen, zu beschreiben und mit den passenden Worten wiederzugeben.

Bleiben Sie also nicht beim Otto-Normal-Haus stehen, sondern registrieren Sie die hölzernen Verschläge vor den Fenstern („Fensterladen“), das Gestell an der Wand, an dem eine Pflanze nach oben wächst („Blumengitter“), den Mauervorsprung („Erker“) und Ähnliches mehr.

Tipp: Wenn Sie allein nicht weiterwissen und Ihnen die Namen und Worte nicht einfallen, machen Sie diese Übung gemeinsam mit anderen. So können Sie sich gegenseitig auf die Sprünge helfen und einmal Erlerntes (oder Gelesenes ;-)) reaktivieren.

9. Spielen Sie.

Und noch eine Übung, die Sie teils allein, aber auch gemeinsam mit anderen machen können: Spielen Sie.

Spiele wie Scrabble, bei denen Sie aus Buchstaben immer neue Worte bilden, haben es zumindest mir schon früher angetan. Und seit einigen Jahren gibt es auch Computerspiele, die in die gleiche Richtung gehen.

Nicht die schlechteste Methode, aus dem täglichen Sprach-Einerlei auszubrechen und Ihren Wortschatz für Feder und Denken zu steigern. *schmunzel*

Viel Spaß dabei.

© 2008 Heike Thormann. Erstveröffentlichung 30.04.2008

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