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Artikel: Zeitmanagement für Selbstlerner


von Heike Thormann

Selbstlernkurse haben einen großen Vorteil: Die freie Einteilbarkeit der Zeit. Dieser Vorteil kann aber auch schnell zum Fallstrick werden. Dann nämlich, wenn man nicht daran gewöhnt ist, eigenverantwortlich umzugehen mit seiner Zeit. 

Zeit ist eine tückische Größe.

Kaum hat man sie, ist sie auch schon wieder weg. Oder jedenfalls meint man das. Kaum jemand, der nicht über Zeitprobleme klagt. Kaum jemand, der nicht zu wenig davon hat.

Dabei hat der Tag für alle gleich viel Zeit: 24 Stunden. Und das jeden Tag von Neuem. Man sollte also meinen, dass man sich drauf einstellen kann, auf die zur Verfügung stehende Zeit. Schließlich ist es nicht so, dass sie einen aus heiterem Himmel überfällt.

Trotzdem, das Problem bleibt. Der Tag hat zu wenig Stunden, die Menschen zu wenig Zeit. Ganze Heerscharen von Büchern, Seminaren und Co. wollen dem Abhilfe verschaffen, wollen den Menschen beibringen, wie sie mehr machen können aus ihrer Zeit.

Dabei ist das Ganze oft weniger eine Frage von zu wenig Zeit als vielmehr von zu viel Inhalt für besagte Zeit. Und Zeitmanagement bedeutet weniger, seine Zeit zu managen als vielmehr, seine Inhalte zu managen. Denn, wie gesagt, Zeit haben wir alle – immer gleich. Bei den Inhalten fangen die Unterschiede an.

Warum ich Ihnen das jetzt erzähle?

Weil ich auch als Kursleiterin in meinen Seminaren immer wieder sehe, dass meine Teilnehmer mit einer Hürde kämpfen, die gar keine sein muss: Mit der Zeit. Besonders haarig kann es dann bei Selbstlernkursen werden.

Dabei ist gerade beim autodidaktischen Lernen der sichere Umgang mit der Zeit so wichtig wie in keiner anderen Lernform. Niemand macht Ihnen hier Vorschriften, wann und wie lange Sie lernen. Aber es  nimmt Sie auch niemand bei der Hand und zeigt Ihnen, wann und wie lange Sie lernen. Der große Vorteil bei Selbstlernkursen, die freie Einteilbarkeit der Zeit, kann auch seine größte Schwäche sein. Dann nämlich, wenn Sie eines nicht beherrschen: Ihren Umgang mit der Zeit.

Doch trösten Sie sich. So schwierig ist die Sache gar nicht. Es gibt einige Tricks und Kniffe, die Ihnen das Leben leichter machen können:


Tipp 1: Stellen Sie Ihren Lerntyp fest.  Kein Mensch ist wie der andere. Wir alle haben unsere Vorlieben und Abneigungen, unsere Stärken und Schwächen. Spielen Sie den Vorteil des eigenverantwortlichen Lernens, die freie Wahlmöglichkeit, voll aus und überlegen Sie:
  • Wo kann ich am besten lernen? (Am Schreibtisch, in der Badewanne, im Park ...)

  • Wann kann ich am besten lernen? (Morgens, um Mitternacht, am Wochenende ...)

  • Wie kann ich am besten lernen? (Abgeschottet und in Ruhe oder unter Menschen zwischen Tür und Angel ...)
Und dann handeln Sie entsprechend. Wenn Sie feste Gewohnheiten zum Lernen brauchen, dann entwickeln Sie sie. Und wenn Sie relativ flexibel sind und auch in Zeitlücken lernen können, dann nutzen Sie sie. Erst, wenn Sie wissen, wo, wann und wie Sie am besten lernen, können Sie Ihre (Lern-) Zeit planen. Ansonsten hat die Sache wenig Sinn. :-)


Tipp 2: Schreiben Sie Ihre aktuelle Zeiteinteilung auf. Schreiben Sie auf, wieviele Stunden Sie in der Woche für Beruf, Uni, Schule, andere Weiterbildungen, Haushalt, Kinder, Hobbys usw. aufwenden. Und dann überlegen Sie:
  • Was kann ich davon zugunsten meiner Weiterbildung streichen, kürzen oder verschieben?

  • Wieviel Zeit kann ich so wann für meine Weiterbildung erübrigen? (Achtung: Vergessen Sie bitte Ihren Lerntyp nicht. Wenn Sie feststellen, dass Sie nur morgens Zeit zum Lernen haben, aber ein echter Morgenmuffel sind, dann haben Sie ein Problem.)

  • Stellen Sie einen Arbeitsplan auf, in dem Sie Ihre „freigeschaufelten Lernzeiten“ festhalten. Überlegen Sie, wie Sie besser lernen können: Lieber für kurze Zeit länger am Stück oder jeden Abend eine halbe Stunde und das über Wochen. Bauen Sie entsprechende Zeitfenster in Ihren Plan ein.

Wichtig bei Ihrer ganzen Planerei ist:
  • Planen Sie nicht im stillen Kämmerlein. Beziehen Sie alle Betroffenen mit ein. Sprechen Sie Ihre Lernpläne mit Kindern, Ehehälften, Freunden und Arbeitgebern ab. Ansonsten hängt schnell der Haussegen schief und Konflikte sind vorprogrammiert.

  • Verplanen Sie keinesfalls Ihre ganze Freizeit. Niemand kann nonstop Arbeiten oder Lernen. Versuchen Sie es erst gar nicht. Ihre Erfolgsquote wird ansonsten nicht die beste sein. ;-)

Tipp 3: Halten Sie sich an Ihre Pläne. Nicht sklavisch, nein. Das sicher nicht. Aber auch nicht großzügig Pi mal Daumen. Sie lachen? Glauben Sie mir: Hier sitzt der eigentliche Pferdefuß. Da kann jemand den besten Lernplan entworfen haben: Wenn er nicht die Disziplin besitzt, diesen auch umzusetzen, war die Arbeit für die Katz.
  • Gewöhnen Sie sich eine gewisse Regelmäßigkeit an. (Andernfalls, das kann ich Ihnen jetzt schon sagen, wird es schwer werden, „Durchhänger“ zu überwinden und am Ball zu bleiben.)

  • Lassen Sie alle wissen, dass Sie jetzt lernen und nicht gestört werden wollen. (Schließen Sie sich in Ihrem Arbeitszimmer ein oder stellen Sie ein rotes Schild auf Ihren Rechner. Wie auch immer ...)

  • Halten Sie durch. Konsequent. (Wenn Sie wollen, können Sie ja mit kleinen Tricks wie Belohnungen nach getaner Lernzeit arbeiten. Malen Sie sich Ihren Lernerfolg in deutlichen Farben aus und lassen Sie sich nicht beirren.)

Machen Sie sich nicht zum Sklaven Ihrer Zeit. Beherrschen Sie sie. Dann haben Sie auch gute Karten, dass Ihr Kurs ein voller Erfolg wird. :-)

© 2006 Heike Thormann, Erstveröffentlichung


Artikeltipp

Laden Sie sich auch den entsprechenden Zeitplaner für Selbstlerner (PDF) runter. Mit diesem Formular können Sie sich Ihre idealen Lernzeiten erarbeiten.

Mehr zum Kreativen Zeitmanagement gibt's in meinem gleichnamigen Artikel.

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