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Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – jeder Mensch hat seine eigene Zeitperspektive. Und dieser Zeittyp bestimmt, wie wir handeln und welche Entscheidungen wir treffen. Doch jede Perspektive ist – wie alle Sichtweisen – begrenzt. Wir können unser Leben verbessern, wenn wir unsere Wahrnehmung der Zeit erweitern. So geht’s.

Trotz aller Gemeinsamkeiten sind wir Menschen verschieden. Schon die Geschlechter trennt erheblich mehr als nur „der kleine Unterschied“. Wir denken anders, wir fühlen anders, wir haben andere Werte und Prioritäten. Zudem hat jeder andere Erfahrungen gemacht, die sein Leben prägen. Und nun auch noch das: Wir nehmen die Zeit anders wahr, und jeder lebt sozusagen sein eigenes Zeitmodell.

Nehmen wir ein Beispiel: Haben Sie sich schon mal gefragt, warum manche die Vergangenheit glorifizieren, während andere achselzuckend zur Tagesordnung übergehen, und wieder andere sich kaum an ihre Vergangenheit erinnern können?

Dahinter stecken nicht nur Verdrängungen („ich will davon nichts mehr wissen“) oder die sprichwörtliche „früher war alles besser“-Mentalität vieler älterer Leute.

Nein, jeder von uns hat seine eigene Wahrnehmung von Zeit. Jeder gehört zu einem bestimmten „Zeittyp“ und lebt sein Leben mit einer bestimmten „Zeitperspektive“.

Oder jedenfalls ist das die Erkenntnis der amerikanischen Psychologen und Zeitforscher Philip Zimbardo und John Boyd, die diese in ihrem Buch „Die neue Psychologie der Zeit: Und wie sie Ihr Leben verändern wird“ (Partner-Link, kleine Umsatzbeteiligung für mich) vorstellen.

Danach gehören die meisten von uns zu einem von drei dominierenden Zeittypen: Dem Vergangenheits-Typ, dem Gegenwarts-Typ und dem Zukunfts-Typ. Achtung: Die Zeittypen dominieren. Das heißt, ein Typ überwiegt. Sie müssen nicht in ihrer „Rein-Form“ auftreten.

(Und zumindest ich selbst verteile mich zu relativ ähnlichen Anteilen auf gleich zwei Typen.)

Sogar ganze Gesellschaften und Kulturen sollen die eine oder andere Zeitperspektive bevorzugen.

Die einzelnen Zeittypen

Menschen mit einer starken Vergangenheits-Perspektive können sich oft buchstäblich ganze „Filme“ aus ihrem Leben gedanklich vor Augen führen. (Mir geht es jedenfalls so.) Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen, sie „lebt“ in einem weiter. Wie eine zweite „Zeitleiste“ zu der, in der man sich „eigentlich“ gerade befindet.

Gegenwarts-Typen leben vor allem im Hier und Heute. Sie genießen den Moment und machen sich relativ wenig Gedanken um das Morgen. Der klassische Hedonist gehört in diese Gruppe.

Zukunftsorientierte Menschen haben ihren Geist in die Zukunft gerichtet. Sie haben eine bestimmte Vorstellung davon, wie ihr Leben sein soll, und steuern entsprechende Ziele an. Viele können – ähnlich wie ich – sehr gut langfristige Vorhaben umsetzen und bewältigen. Die modernen Industriegesellschaften folgen oft einem solchen „Zukunfts-Geist.“

Jede Zeitperspektive hat ihre Vorteile und Nachteile

Jede Zeitperspektive unterteilt sich noch einmal in eine eher positive und eine eher negative Variante.

So kann der Vergangenheits-Typ Kraft, Halt und Geborgenheit aus seiner Vergangenheit schöpfen. Wer um seine Wurzeln weiß und weiß, wie er zu dem geworden ist, was er ist, bekommt ein besseres Gefühl für sich selbst, seine Persönlichkeit und seinen Charakter. Traditionen helfen, sich zum Beispiel mit seiner Familie oder einer größeren Kultur verbunden zu fühlen. Schöne Erinnerungen geben Kraft für den weiteren Weg.

Doch es gibt auch Vergangenheits-Typen, die ihre Vergangenheit bewusst ausklammern. Sie erinnern sich nicht mehr, es bleibt nur ein großer Filmriss. Oder sie neigen dazu, zu grübeln und in alten Wunden zu bohren. Negative Erinnerungen lähmen oft für die Zukunft.

Gegenwarts-Menschen gehen im Hier und Jetzt auf. Sie probieren vieles aus und stürzen sich Hals über Kopf in das Leben. Sie suchen den Nervenkitzel, Reiz und Schönheit, und sie wissen das Leben in vollen Zügen zu genießen. Eine „Spaßbremse“ oder „zögernden Bedenkenträger“ wird man sie wohl nur selten schimpfen. 😉

Doch solche „Sinnen-Menschen“ können sich auch oft ein Bein stellen. Sie lassen sich leicht ablenken und es fällt ihnen schwer, Ziele zu verfolgen oder für das Morgen zu planen. Jede Form von Selbstmanagement kann zu einer Herausforderung für sie werden. 😉

Zukunfts-Typen beziehen Mut und Energie aus den schönen Bildern und Erwartungen, die sie für ihre Zukunft hegen. Auch ferne Ziele schrecken sie nicht, sie machen sich beherzt und optimistisch auf den Weg. Ihre positive Zukunftserwartung hilft ihnen, von sicheren Wegen abzukommen und Neues zu wagen.

Andererseits können zukunftsorientierte Menschen auch Angst vor der Zukunft haben, voller Sorgen und Zweifel in diese blicken.

Erweitern Sie Ihre Zeitperspektive und verbessern Sie damit Ihr Leben

Das Vertrackte an der Zeitperspektive ist, dass sie – wie jede andere Perspektive auch – unsere Wahrnehmung filtert und begrenzt. Genießerische Gegenwartsmenschen wundern sich über die scheinbar besessenen, zielstrebigen Zukunftstypen. 😉 Vergangenheitsmenschen fällt es schwer, loszulassen und sich auf die Zukunft zu freuen. Und den strammen Zukunftstypen könnte es nicht schaden, den Tag schätzen und leben zu lernen.

Jeder könnte vom anderen und der Perspektive des anderen lernen – wenn er erkennen würde, dass es überhaupt noch weitere Perspektiven und damit Möglichkeiten des Handelns gibt.

Ich bezweifle zwar, dass man seine Zeitperspektive quasi auf Wunsch wählen kann. Etwa nach dem Motto: Heute brauche ich ein bisschen mehr Zielorientierung, also verwandle ich mich mal in einen Zukunftstypen. 😉

Doch so, wie unsere Zeitperspektiven zumindest zum Teil erlernt und erworben sind, so kann man sie auch trainieren und erweitern.

Der erste Schritt wäre wohl, seine eigene Zeitperspektive zu erkennen. Wie ist es bei Ihnen? Fällt es Ihnen schwer, für die Zukunft zu planen? (Gegenwart) Machen Sie sich ständig Sorgen? (Zukunft, negativ) Sind vergangene Ereignisse in Ihnen noch sehr präsent? (Vergangenheit) Und so fort.

Der nächste Schritt wäre, sich klar zu machen, dass die eigene Sichtweise nur eine unter mehreren ist. Sie ist keine universale Wahrheit, sie ist so beliebig wie jede Form von Wahrnehmung.

Und der dritte Schritt wäre, Teile der anderen Perspektiven für sich zu übernehmen. Der sorgenvolle Zukunftsmensch könnte also beispielsweise nach Quellen der Kraft in seiner Vergangenheit suchen. Der Vergangenheitstyp könnte versuchen, vergangene Ereignisse wie eine Kette in die Zukunft zu „extrapolieren“ (fortzusetzen, wörtlich etwa hochrechnen) und sich so der Zukunft zu nähern. Beide könnten natürlich mehr vom Gegenwarts-Menschen lernen und seiner Fähigkeit, den Tag zu genießen. Und so fort.

Ich finde diesen Ansatz sehr interessant. Er hilft, sich selbst und andere besser zu verstehen. Und er hilft, sein Leben besser in Balance zu bringen: Mit Wurzeln in der Vergangenheit, einem bewussten Leben hier und heute, und voll Hoffnung für die Zukunft. Mmh?

PS: Mein Kurs „Schreiben Sie die Geschichte Ihres Lebens“ ist so eine Mischung. Er lässt Sie an Ihren Wurzeln arbeiten und mit dem Wissen um sich selbst Ihr zukünftiges Leben planen.

Ihnen viel Erfolg dabei, Ihr Leben „zeitlich“ besser in Balance zu bringen. 😉

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.03.11

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