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Geist und Körper sind eine Einheit. Auch im Yoga soll es zu einer Verschmelzung von beidem kommen. So sollen Atemtechniken, Körperhaltungen und Meditation mentale Zustände, Gefühle und Gedanken beeinflussen oder anregen können. Eine bekannte Yoga-Lehrerin und eine Neurobiologin haben sich zusammengetan, um diesen Verknüpfungen nachzuspüren.

Als Trainerin für Kreativität und Mentaltechniken, und als noch junge Yoga-Schülerin hat mich der Titel dieses Buches auf Anhieb fasziniert. Gibt es Schnittstellen zwischen „bloßen“ Körperübungen zu unserem Geist? Und wenn ja, wie sehen sie aus und wie wirken sie? Dass der Geist auf den Körper wirkt, ist ja bekannt. Doch kann der Körper auch den Geist beeinflussen?

Auch das Autoren-Duo klingt vielversprechend: Eine bekannte Yoga-Lehrerin und –Ausbilderin, und eine Neuro-Biologin haben sich zusammengetan, um diesen Verbindungen zwischen Körper (hier: Yoga) und Geist auf die Spur zu kommen.

Doch so begeistert, wie ich gestartet bin, so mühsam habe ich mich teils durch das Buch „gebissen“.

Ein Problem ist die unterschwellig offenbar vorausgesetzte Zielgruppe: Wer – wie ich – von Yoga noch nicht die allermeiste Ahnung hat, kann bei den vielen fachlichen Bezügen unter anderem zu den indischen Wurzeln des Yoga leicht überfordert sein. Ich hätte unterschieden, ob sich das Buch an („Otto-Normal“-) Yoga-Anwender richtet, oder an Yoga-Experten.

Das Gleiche gilt im Grunde über viele Strecken für den neurobiologischen Teil. Auch hier frage ich mich: Meinen die Autoren jetzt mich als interessierten Anwender? Oder sprechen sie eher ein Fachpublikum an?

Und auch Inhalt und Sprache finde ich oft eher trocken, sehr „fachspezifisch“. Nur hin und wieder lockern persönliche Beispiele den Text auf. Erst im letzten Teil des Buches wird es ein wenig „anwendungsfreundlicher“, wenn die Autoren schildern, wie einzelne Körperhaltungen unseren Geist formen.

Kurz: Ich finde das Thema an sich sehr spannend, und die Autorinnen sind mit Sicherheit kompetent und beschlagen. Doch man hätte meines Erachtens mehr daraus machen können. So scheint es sich mir ein wenig zwischen „Nachweis eigener Forschungsergebnisse für Fachkollegen“ und ein paar Anwender-Tipps hin und her zu bewegen.

Doch zum Inhalt:

Teil 1: Was ist Bewusstsein, und was ist Wahrnehmung

Der Begriff der Wahrnehmung im Yoga. Die Aktivitäten des Geistes. Achtsamkeit und Wahrnehmung aus Sicht der Neurowissenschaften. Erinnerung und Gedächtnis.

Teil 2: Wer ist das Ich, das Yoga übt?

Yoga als Möglichkeit, den eigenen Geist zu erkunden. Unterscheidung von Ich und Selbst im Yoga. Ich-Selbst-Identität aus Sicht der Gehirnforschung.

Teil 3: Wie die Techniken des Yoga auf unser Gehirn wirken

Mit bestimmten Yoga-Haltungen (Asanas) den Körper besser wahrnehmen. Die Wissenschaft vom Atem (Pranayama): Seinen Atem steuern und damit seine Gefühle beeinflussen. Durch Meditation auf Gehirn einwirken (Stress abbauen, klarer denken und so fort) und über bestimmten Geisteszustand meditieren (Güte, Mitgefühl etc.)

Teil 4: Resonanzen und Übergänge

Der Yogi und sein Umfeld. Seine Gedanken als beliebiges Konstrukt erkennen und damit hinterfragen können. Was ist angeboren und was ist erlernt. Und anderes mehr.

Ein ausführliches Literaturverzeichnis schließt das Buch ab.

Fazit: Wenn Sie Yoga-Experte sind, Neurologe sind oder bereit sind, sich durch mitunter mühsame Stellen hindurchzubeißen, dann ist das Ihr Buch. Sonst wird es schwieriger.

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.01.2011

Anna Trökes, Bettina Knothe, Yoga-Gehirn. Wie und warum Yoga auf unser Bewusstsein wirkt, Frankfurt am Main 2009 (2. Auflage), 312 Seiten

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