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Anselm Grün, Bleib deinen Träumen auf der Spur. Buch der Sehnsucht.

Für den Benediktinermönch Anselm Grün haben viele Menschen heute eher oberflächliche, materielle Sehnsüchte. Oder sie sind vom Leben enttäuscht und haben resigniert. Doch ohne wirkliche Sehnsucht und ohne echte Träume bleibt das Leben sinnlos. Deshalb macht sich der populäre Autor auf die Suche nach der Sehnsucht – und lädt zum Nachdenken und Mitdenken ein.

Anselm Grün ist ein Vielschreiber und, nach dem Klappentext, „einer der meistgelesenen spirituellen Autoren unserer Zeit“. Dabei ist er im „Hauptberuf“ nicht Autor, sondern Mönch und wirtschaftlicher Leiter der Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Zudem arbeitet er als geistlicher Berater und Kursleiter für Meditation, Fasten und Kontemplation.

Ich habe noch nicht viele Bücher seiner umfangreichen Publikationsliste gelesen. Doch ich mag grundsätzlich die Mischung aus Psychologie, Philosophie und Spirituellem, die Autoren wie Grün auszeichnet. Nach ersten positiven Erfahrungen mit anderen Autoren dieser Art habe ich auch bei ihm beherzt zugegriffen.

Bei diesem Buch habe ich zunächst einmal wieder ein Problem mit dem Titel. Ich weiß, zugkräftige und marktgängige Titel sind wichtig. Doch wenn diese zu viel versprechen oder den Inhalt eines Buches nicht richtig widergeben, erweist sich mancher Verlag damit unter Umständen einen Bärendienst.

Der Originaltitel des Buches lautet so wie der jetzige Untertitel, nämlich: Buch der Sehnsucht. Und genau darum geht es auch.

Der Autor widmet sich in vielen kurzen, meist nur ein bis zwei Seiten langen Texten dem Thema Sehnsucht. Und er beleuchtet diese aus verschiedenen Perspektiven.

Mal bezieht Grün andere theologische Autoren oder Bibelstellen, andere Religionen, Philosophen, Dichter und Ähnliches ein. Er bringt einzelne Zitate oder Denkansätze aus ihren Schriften. Er erläutert und kommentiert diese. Und teils bringt er auch einzelne Beispiele aus seinem eigenen Leben, um Zitate und Kommentare zu veranschaulichen.

Andere Male setzt sich Grün sprachwissenschaftlich mit dem Begriff „Sehnsucht“ auseinander. Welche Bedeutung steckt in ihm oder kann in ihm stecken? Woher kommt das Wort? Wie setzen andere Kulturen und Länder einen Sachverhalt wie „Sehnsucht“ sprachlich um?

Viele Male bringt Anselm Grün die Sehnsucht mit verschiedenen Bereichen zusammen. Wo und wann verspüren Menschen Sehnsucht? Wie äußert sich das? Welche Formen kann sie annehmen?

Also zum Beispiel Themen wie Liebe oder Angst, die Sehnsucht von Kindern, die Sehnsucht nach einer (tatsächlichen oder religiösen) Heimat, nach Zugehörigkeit und Geborgenheit, aber auch nach Neuem, die nicht ungefährliche Harmoniesucht oder die Sehnsucht nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung, aber auch Lebensträume und Leidenschaften.

Auch diese unterschiedlichen Formen von Sehnsucht kommentiert Grün. Und er spart nicht mit seiner eigenen Meinung, bezieht immer wieder persönlich Stellung.

Als sein Fazit könnte man wohl festhalten, dass viele Menschen heute eher oberflächliche, materielle Sehnsüchte haben. Oder sie verkneifen sich ihre Sehnsüchte. Oder sie sind von den Verletzungen des Lebens bitter geworden und enttäuscht. Doch ohne Sehnsucht, ohne Träume wird das Leben sinnlos.

Und damit schließt sich der Kreis zurück zum Buchtitel und der Aufforderung, seinen Träumen auf der Spur zu bleiben. Nur – bitte nicht falsch verstehen – dieses Buch ist eher eine „Abhandlung“. Was auch immer man unter „bleib deinen Träumen auf der Spur“ zu verstehen meint … ich glaube nicht, dass man als Leser ohne weiteres an eine analytisch-philosophisch-sprachwissenschaftliche Beschäftigung mit dem Begriff Sehnsucht denkt. Doch das ist, wie gesagt, mein persönliches Problem mit so manchem Buchtitel. 😉

Natürlich lässt Anselm Grün auch immer wieder eine spirituelle Note einfließen. Das versteht sich vor seinem Hintergrund von selbst. Es macht für viele auch sicher einen Teil des Reizes seiner Bücher aus.

Etwas schwerer tue ich mich, wenn er viele Erörterungen immer wieder zu Gott hinführt, von der rein menschlichen Ebene wegkommt. Also etwa „das ist deshalb so, damit wir Gott …“ Oder: „Gott will, dass …“ Falls es anderen auch so geht, sollte jeder seine eigenen Formulierungen suchen, seine eigenen spirituellen Ausdrucksformen.

Ein schönes, kleines Buch, wenn auch nicht immer einfach und eingängig zu lesen. Es lädt zum Mitdenken ein. Mir gefällt zudem die warmherzige, mitfühlende Art des Autors. Er ist alles andere als „weltfremd“, wie man es vielleicht angesichts seines Hintergrunds vermuten mag. Im Gegenteil, es atmet an vielen Stellen seine tiefe Kenntnis um das Wesen der Menschen, ihre Stärken und Schwächen. Und es schließt immer versöhnlich.

Fazit: Wer sich auf die Spur der Sehnsucht begibt, erfährt, warum er seinen Träumen auf der Spur bleiben soll. Vielleicht könnte man den Kern des Buches so zusammenfassen. 😉

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 06.04.12

Anselm Grün, Bleib deinen Träumen auf der Spur. Buch der Sehnsucht. Freiburg 2011 (11. Auflage von 2004), 221 Seiten

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