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Schriftsteller wird man durch Lesen – und vor allem durch Schreiben. Und dazu bietet dieses Buch mit seiner Fülle an Schreibübungen reichlich Gelegenheit. Jeder angehende oder schon praktizierende Roman-Autor, und vielleicht sogar mancher Sachbuch-Autor findet hier viele Techniken und Anregungen, um sein Handwerk zu verbessern.

Die Schreibratgeber zum Beispiel von Natalie Goldberg und Julia Cameron liefern Übungen und Tipps sowohl rund ums Schreib-Knowhow als auch, sagen wir, Tipps, um das Leben und den Alltag eines Schriftstellers zu bestehen.

Dieser zweite Teil fehlt bei Bernays und Painter. Ihre Schreibübungen wollen vor allem eines: Sie wollen dem Leser zeigen, wie man als Schriftsteller schreibt und denkt.

Das bedeutet, hier geht es zum einen um Technik, Technik, Technik. Von „Anfänge setzen“ bis „mit der (Erzähl-) Zeit umgehen“ ist so ziemlich alles vertreten.

Und es geht darum, wie ein Schriftsteller zu denken. Was könnte der Grund für ein Lächeln des Protagonisten sein? Wie fühlt man sich als Kind, als Greis oder in der Haut des anderen Geschlechts? Welche Möglichkeiten gibt es noch, ein bestimmtes Ereignis zu deuten?

Beides gehört gerade zum Schreiben von Belletristik und „schöngeistiger Literatur“ dazu: Das schriftstellerische Handwerk wie auch das Gespür für den Menschen und seine Seele, das ewige Thema aller Romane.

Dazu haben die beiden Autorinnen, langjährige Schreibdozentinnen an Colleges und Universitäten, tief in ihre Sammlung von Übungen gegriffen. Zudem haben sie eine ganze Reihe von Schriftsteller-Kollegen gebeten, einzelne Themen mit „Gastbeiträgen“ zu begleiten.

Doch zum Inhalt:

Die Autorinnen halten unter anderem zu folgenden Themen Übungen parat.

Anfänge schreiben: In der Mitte anfangen, mit einem vorgegebenen Satz beginnen, wie man eine Geschichte beginnt

Notizbücher, Tagebücher und Erinnerungen schreiben: Sich selbst und seinen Hintergrund (sein Leben, seine Biografie) als Schriftsteller besser erkennen, mit Herzblut schreiben, seine Erinnerungen ausgraben

Charakterisierung: Die Figuren charakterisieren, ihre Motive, Biografie und so fort erfassen, sie benennen, ihnen ein Milieu und soziales Umfeld mitgeben

Dialog: die Würze der Rede oder echt klingen, Dialoge mit Handlung durchsetzen, wie erzähle ich ein Gespräch – mit Dialog oder in indirekter Rede?

Der Plot: Der Dreischritt, das Skelett, von der Situation zum Plot, was wäre wenn – wie man Geschichten entwickelt und beendet

Auflösung und letzte Bedeutung: Titel und Schlüsselworte, Tipps zur Überarbeitung

Erfindung und Verwandlung: Das Innenleben literarischer Figuren, ferne Orte, aus Erfahrungen schöpfen oder Szenen in seinen Gedanken Gestalt annehmen lassen

Techniken: Szenische Dynamik, Probleme von Zeit und Tempo, abstrakte Begriffe mit Leben füllen, Satzbau variieren, Adverbien und Adjektive streichen, und so fort

Von den Großen lernen: Sich Inspiration aus anderen Quellen holen, durch Nachahmung lernen, sich die Figuren anderer „ausleihen“, durch Lesen lernen

Das folgende Literaturverzeichnis nennt leider nur die deutschen Übersetzungen der im Text verwendeten Zitate und Beispiele. Eine Kurzvorstellung der „Gast-Autoren“ rundet das Buch ab.

Die Übungen selbst folgen immer dem gleichen Schema:

Zunächst gibt es eine kurze Einführung in das Thema, ein bisschen Hintergrund-Wissen, um Sinn und Zweck der Übung zu verstehen. Danach folgt die Übung. Ein kurzer Hinweis zu den Lernzielen erklärt dem Leser, was er mit der Übung erreichen soll. Und ein paar Beispiele von Kursteilnehmern und / oder praktizierenden Autoren dienen zur Veranschaulichung.

Wobei ich zugeben muss, dass mir die „kurzen, knackigen Beispiele“ sehr sympathisch sind. Bei Ursula K. LeGuin, die ich sonst auch sehr schätze, muss man sich einfach durch zu viel Beispiel-Text wühlen. 😉

Dieses Buch lebt von seinen Übungen. Es hat keinen Sinn, es gemütlich auf dem Sofa lesen zu wollen. Wer den Stift nicht in die Hand nimmt und es selbst versucht, wird daran wohl weniger Freude haben.

Doch wer die Ausdauer mitbringt, dieses Buch wirklich durchzuarbeiten, verfügt über eine solide Basis für seine ersten Gehversuche als Schriftsteller.

Fazit: Alle Fiction Writer, die ihr Handwerk verbessern wollen, und alle, die erst noch davon träumen, einen Roman zu schreiben, können von diesem Buch profitieren. Und in Teilen sogar alle, die eher im Sachtext-Bereich unterwegs sind.

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 21.02.11

Anne Bernays, Pamela Painter, Was wäre, wenn. Schreibübungen für Schriftsteller. Berlin 2003 (am. Original von 1990), 220 Seiten

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