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Bernd Weidenmann, Handbuch Kreativität

Bernd Weidenmann ist ein erfahrener Trainer und bildet selbst neue Trainer aus. In diesem Handbuch hat er sein Wissen über Kreativität, Kreativitätsmethoden und wie man Kreativitätsseminare hält, zusammenfließen lassen. Herausgekommen ist eine schöne Mischung, die einen guten Überblick über das Thema gibt.

Bernd Weidenmann ist in Trainer-Kreisen gut bekannt. Er ist Professor für pädagogische Psychologie und Experte für Train-the-Trainer-Seminare. Sein neuester Streich gilt der Kreativität und den Kreativitäts-Seminaren.

Sein „Handbuch Kreativität“ richtet sich an zwei Zielgruppen: Leser, die sich Kenntnisse in Kreativität aneignen wollen. Und Trainer, die ihr Wissen in Kreativität und Kreativitätsmethoden vertiefen wollen.

Wie es sich für ein Handbuch gehört, gibt Weidenmann einen umfangreichen Einblick in das Thema. Von Techniken über Denksportaufgaben, einiges allgemeines Hintergrundwissen und Anregungen, wie man seine Kreativität im Alltag trainieren kann, findet der geneigte Leser eine pralle Mischung, aus der er sich bedienen kann.

Ein paar kreative Schreibtechniken, Witze über Kreativität und anderes „Ergänzungsmaterial“ runden das Buch ab.

Für alle Kreativitäts-Trainer hat der Autor noch den Ablauf eines seiner Kreativitätsseminare beigepackt – zur Anregung für eigene Seminare.

Doch zu den Einzelheiten:

Los geht es mit einer Hommage an Thomas Alva Edison, den Erfinder der Glühbirne und vieler weiterer Erfindungen. Offenbar schätzt Weidenmann das umsetzungsstarke kreative Genie Edisons, der oft die Ideen anderer aufgriff und zur Verwirklichung brachte.

Andere Autoren schwören dagegen eher auf das kreative Genie vom Typ eines Leonardo da Vinci, der zwar viele Ideen hatte, aber nur wenige davon in die Realität umsetzte. Beide Vorbilder stehen für das weite Spektrum der Kreativität und ihrer Möglichkeiten.

Anschließend darf der Leser überlegen, ob er sich selbst für kreativ hält oder nicht. Wessen Antwort eher mau ausfällt, sollte noch ein wenig an seinem kreativen Selbstvertrauen feilen. Denn sonst heißt es mit der sich selbst erfüllenden Prophezeihung: Wer sich für nicht kreativ hält, der ist auch nicht kreativ. 😉

Als nächstes packt der Autor seinen Koffer an Kreativitätsmethoden aus. Der Leser findet hier Techniken zu den Teilbereichen:

  • Ziele abklären und Probleme analysieren: Methoden wie das Fischgräten-Diagramm, Mind Mapping oder das Problem-Dreieck sollen helfen, das Problem zu sehen, an dem es zu arbeiten gilt.
  • Ideen finden: Hier sollen Methoden wie Brainstorming, Brainwalking, 635, Morphologische Matrix, Kopfstand, Analogie und andere mehr dazu animieren, möglichst viele Ideen zu finden.
  • Ideen bewerten und auswählen: Viele Ideen zu finden, ist gut. Doch es werden sich nur wenige letzten Endes in die Tat umsetzen lassen. Welche Ideen bieten sich dafür am meisten an? Kreativtechniken wie PMI, Disney-Methode, de Bonos Denkhüte oder die Punktabfrage lichten den Wald und bringen Ordnung in das Chaos.
  • Ideen umsetzen: Neue Ideen bedeuten Veränderungen. Und Veränderungen will niemand haben. Also muss man erst einmal noch diverse Widerstände beseite räumen. Ansätze aus dem Change Management können weiterhelfen.

Sehr schön finde ich das nächste Kapitel mit seinen Fallbeispielen. Hier lernt der Leser einige Praxisfälle kennen und erfährt, welche Methoden er wie einsetzen könnte, um den „Fall“ oder das Problem zu lösen. Ähnlich halte ich es auch in meinen eigenen Kursen. So bleibt es nicht bei einem rein akademischen Wissen „wie funktioniert eine Methode“. Der Leser sieht auch, wie er sie konkret anwenden und nutzen kann.

Im nächsten Teil gibt Weidenmann Anregungen, wie man seinen Alltag kreativer gestalten kann. Einige Interviews zeigen, was unter anderem gut für die Kreativität ist. (Kein Druck und Stress, kindliches Spielen, Dranbleiben, immer in Bewegung bleiben und so fort.) Ein paar Denksportaufgaben fordern zum Knabbern heraus. Und die Methoden Free Writing und Clustering aus dem Kreativen Schreiben laden schreibbegeisterte Leser zum Spiel mit Feder und Tinte ein.

Den Abschluss bildet der erwähnte Leitfaden für ein Kreativitätsseminar. Wer möchte, kann hier dem Trainer Weidenmann über die Schulter spicken und sich für eigene Kurse inspirieren lassen.

Doch halt, wir sind noch nicht ganz am Ende. Es gibt noch ein paar Zugaben. 😉 Der Leser darf darüber nachdenken, warum man sich nicht für einen Experten halten sollte, wenn man kreativ sein möchte. Der Autor räumt mit dem Vorurteil auf, dass die Gruppe kreativer ist als der Einzelne. Angehende Kreative sollten unbedingt über ihren Schatten springen, Mut fassen und sich nicht von der Angst vor Fehlern aufhalten lassen. Und anderes mehr.

Das Ganze ist flüssig und verständlich geschrieben. Auch dem übersichtlich gegliederten Layout kann ich gut folgen. Viele Beispiele sorgen für Farbe und „Leben“ und machen das neue Wissen anschaulicher.

Eine schöne Mischung. Der Leser bekommt hier wirklich ein „Handbuch“, das ihm einen guten Überblick über das Thema bietet. Es ist Geschmackssache, ob man den Teil mit dem Kreativitätsseminar gebraucht hätte. Doch dieser erklärt sich aus der engeren Zielgruppe des Autors (alle Trainer). Wer damit nichts anfangen kann, kann hier einfach weiterblättern. Es ist noch genug Stoff zum Lesen da.

Ich vermisse lediglich etwas einen „roten Faden“, der alles logisch verklammert hätte. So steht alles Stück für Stück nebeneinander. Doch dafür ist das Buch auch ein Buch. Wer an die Hand genommen werden und einen geführten Ablauf haben möchte, kann sich zum Beispiel bei meinen eigenen Kursen bedienen. 😉

Fazit: Ein schönes Handbuch und eine Bereicherung für jeden Bücherschrank.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 02.11.2010

Bernd Weidenmann, Handbuch Kreativität, Weinheim und Basel 2010, 285 Seiten

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