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Wer es unter erschwerten Bedingungen wie zum Beispiel im Gefängnis schafft, aktiv den buddhistischen Weg zu gehen, der schafft es überall. So könnte man Calvin Malones Buch „Freigang“ vielleicht zusammenfassen. In seinen „Knastgeschichten“ gibt er einen sympathischen Einblick in seine Praxis als Langzeit-Häftling und Buddhist. Wer wissen will, was es bedeuten kann, als Buddhist zu leben, aber auch, welche Vorteile dies haben kann, der ist hier richtig.

Man kann dieses Buch unter zwei Gesichtspunkten betrachten: Entweder als „Knastgeschichten der anderen Art“. Oder als praxisnahen Einblick darin, was es bedeutet, Buddhist zu sein und wie man eine buddhistische Praxis im Alltag erlernen und ausüben kann.

Worum geht es?

Der Autor Calvin Malone ist Deutschamerikaner. Er wurde in Deutschland geboren, zog als Kind in die USA und kehrte anschließend mit einem Studium der europäischen Geschichte sozusagen zu seinen Wurzeln zurück.

Wegen schwerer Körperverletzung wurde er in den USA zu 20 Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis wandte er sich dem Buddhismus zu und schreibt seither unter anderem Artikel für buddhistische Magazine und Zeitungen.

In seinem Buch „Freigang“ verbindet er auf sympathische Weise seine neugewonnenen buddhistischen Kenntnisse mit kleinen Geschichten aus dem Gefängnis-Alltag.

Wie kann man – trotz der in vieler Hinsicht erschwerten Bedingungen – im Gefängnis Buddhist sein und die Grundsätze des Buddhismus leben? Wie kann man ganz konkret buddhistische Praktiken üben? Wie kann man zum Beispiel beim beständig unterschwellig vorhandenen Gefängnislärm oder ewiger Kontrollen noch in Ruhe meditieren?

Aber auch: Wie kann einem der Buddhismus helfen, den Aufenthalt in einem Gefängnis leichter zu ertragen? Wie kann man zum Beispiel besser mit gewalttätigen oder schwierigen Mitgefangenen zurechtkommen? Wie kann man selbst im Gefängnis Mitgefühl zeigen oder Gelassenheit entwickeln? Wie bewahrt man sich Optimismus, Lebensfreude und innere Heiterkeit?

Malone verbindet hier gekonnt die buddhistische Lehre mit seinem persönlichen Alltag und den Erfahrungen aus fast zwanzig Jahren Gefängnis.

Zum Schluss gibt es noch ein paar sachliche Informationen über den Buddhismus allgemein sowie eine Aufzählung verschiedener Meditations-Methoden.

Der Autor schreibt einfach, gut und leicht verständlich. Er schont auch sich selbst nicht und reflektiert immer wieder über eigene Fehler sowohl im Leben als auch bei dem Versuch, den buddhistischen Weg zu gehen. Daraus werden dann kleine Lehrstücke, aus denen auch der Leser seinen Gewinn ziehen kann.

Wenn man so will, Buddhismus hautnah, unter extremen Bedingungen ausgeübt. Und zudem ein Aufruf zu mehr Mitgefühl, Liebe, Frieden, Freundschaft, der Bereitschaft, vom anderen zu lernen, und so fort. Wie gesagt, sympathisch und glaubwürdig.

Fazit: Wer den Buddhismus abseits allgemeiner Informationen kennenlernen will, wer vielleicht auch erfahren möchte, was es bedeutet, ihn zu leben, der kann sich hier inspirieren lassen. Wer nüchternes Know-how sucht, ist hier falsch.

Und natürlich richtet sich das Buch auch an alle, die gerade im Gefängnis sitzen, dieses leichter überstehen und vielleicht sogar davon für sich als Mensch profitieren wollen – zum Beispiel als Buddhist. 😉

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 27.11.11

Calvin Malone, Freigang. Warum es sich lohnt, unter allen Umständen Buddhist zu sein, Bielefeld 2011 (am. Original 2008), 213 Seiten

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