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Carsten Deckert, Anleitung zum Uninnovativsein

Das Thema Innovation ist „in“, innovativ werden wollen viele. Trotzdem hapert es an der Umsetzung. Der Unternehmensberater Carsten Deckert versucht es deshalb mit einem Trick. Er zeigt seinen Lesern diverse Anti-Tipps, mit denen sie der Innovation den Garaus machen können. Frei nach dem Motto: Wenn gutes Zureden nicht hilft, dann vielleicht Ironie, Überspitzung und Übertreibung. 😉

Bücher zur Innovation gibt es genug, das Thema ist „in“. Der Autor und Unternehmensberater Carsten Deckert hält es auch für immens wichtig. Gerade für eine Wirtschaft wie die deutsche, die über keine großen Bodenschätze verfügt.

Das Problem ist nach Deckert, dass trotz der vielen Bücher nur wenig passiere. Ein paar Kreativitätstechniken zu schulen und Tipps zum Innovationsmanagement zu verbreiten, reiche nicht aus. Kein Wunder, dass die Umsetzung bei vielen Unternehmen früher oder später im Sande verlaufe.

Wer innovativ werden will, muss in die Tiefe gehen und die dortigen Übel bekämpfen. Innovation beschränkt sich nicht darauf, auf die Schnelle einige Techniken anwenden zu können. Sie ist Arbeit, harte Arbeit. Arbeit an sich selbst und den Strukturen in einem Unternehmen.

Auch dafür gibt es viele Tipps auf dem Buchmarkt: Tu dies, tu das, verändere Dich, dann wirst Du innovativ. Doch wie wir Menschen so sind: Wir finden alles sehr plausibel, nicken – und gehen anschließend zur Tagesordnung über. 😉

Frei nach dem Motto: Ohne Veränderungsnotwendigkeit und Veränderungsdruck gibt es auch keine Veränderung.

Deckerts Ansatz ist deshalb ein umgekehrter: Er will den Leuten nicht raten, wie man innovativ wird, sondern wie man dies im Gegenteil vermeidet. Nach dem Muster von Paul Watzlawicks Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ will er seinen Lesern mit „Anti-Tipps“ einen Spiegel vorhalten.

Etwa nach folgendem Aufbau: Passt auf, dass Ihr nicht zu innovativ werdet. Innovation ist zwar gut, weil … Ihr hättet auch die und die Vorteile davon. Aber wer will das schon, wenn es doch viel schöner ist, zu … Also seht zu, dass Ihr Euch so und so benehmt … 😉

Sein Buch gliedert sich im Wesentlichen in drei Themenkomplexe:

  • Was ist Innovation? Innovationsformen, Innovationshype, Innovations-Widerstände.
  • Wie verhindert man „Inventionen“? (Das heißt, die Vorstufe zur Innovation: Kreativität, Ideen pp.) Mit diversen Anti-Tipps.
  • Wie verhindert man Innovationen? (Das heißt, die Entwicklung und Umsetzung im Unternehmen.) Mit diversen Anti-Tipps.

Den Abschluss bildet ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das nach Umfang und Struktur an den Anhang einer wissenschaftlichen Hausarbeit erinnert. 😉

Die Anti-Tipps sind im Prinzip „nichts Neues“. Sie sind eine Umkehrung üblicher Tipps wie etwa

  • wie man Ideenkiller bekämpft
  • warum man eine Kultur des Scheiterns pflegen sollte
  • warum man möglichst gemischte, heterogene Teams aufstellen sollte
  • welche Quellen für Innovation es noch außer den eigenen Mitarbeitern gibt

und vieles andere mehr.

Oder sie sind jedenfalls dann nicht neu, wenn man schon die erwähnten Bücher zur Innovation genossen hat. Doch ich finde Deckerts Ansatz schön: Wenn jemand etwas „positiv“ nicht erkennt und lernt, dann vielleicht durch die Umkehrung ins Negative, die Übertreibung, den Versuch, etwas lächerlich zu machen, die hautnahe Schilderung eines gewissen Leidensdrucks.

Der Autor schreibt gut, flott und amüsant. Stellenweise versucht er vielleicht etwas zu sehr, „humoristische Einlagen“ zu bringen. Doch das ist Geschmackssache.

Das Layout könnte noch etwas verbessert werden. Ich hätte mir zum Beispiel einen breiteren Rand oder deutlichere Absätze und Zwischenüberschriften gewünscht.

Und manchmal driftet mir der Mix aus „hoch-seriös und professionell“ und „locker-flockig“ etwas zu sehr ins Fachwissenschaftliche ab. Man sieht es auch an den vielen Anmerkungen im Text, den Fußnoten oder Literaturverweisen, ähnlich wie in einer wissenschaftlichen Arbeit. Da hätte ich mir, zumal bei dem Thema, etwas weniger den seriösen Berater und mehr den mit leichter Hand erzählenden Autor gewünscht.

Doch davon ab: Eine reiche Ausbeute an „Anti-Tipps“, um das zu verhindern, wovon doch so viele träumen – innovativ zu werden.

Fazit: Wer nicht innovativ werden kann, sollte vielleicht versuchen, es unter allen Umständen zu vermeiden. Möglich, dass ihm dann klar wird, woran er bis jetzt gescheitert ist. 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 20.07.10

Carsten Deckert, Anleitung zum Uninnovativsein, Norderstedt 2009, 122 Seiten

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