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Christina Kessler, Wilder Geist, wildes Herz. Kompass in stürmischen Zeiten.

Es ist einfach, auf die Übel in der Welt zu schimpfen und sich – unzufrieden mit seinem Leben – über alles Mögliche aufzuregen. Doch jeder von uns trägt selbst dazu bei, wie es der Welt und ihm persönlich geht. Es ist unser eigenes Denken (und Verhalten), mit dem wir Schaden zufügen oder heilen. Was wir brauchen, so die Autorin, ist ein „wildes“, ein kreatives, intuitives Denken. Nur so können wir unser eigenes Leben wie auch die Welt verbessern.

Am Anfang schufen die Götter die Kugelwesen. Sie waren nicht Mann, noch Frau, sie waren ganz. Doch dann befürchteten die Götter, dass diese Wesen besser als sie selbst sein würden – sie zerstörten und zerteilten sie. Und damit kam das Unheil in die Welt.

Diese Sage verwendet die Autorin und Ethnologin Christina Kessler als Analogie für ihre Theorie, dass nur ein ganzheitliches, verbindendes Denken, ein „wildes Denken“, die Auswüchse unserer Zeit beheben kann.

Denn das extrem einseitige, „männliche“, materialistische, rationalistische, mechanistische, „sich die Erde untertan machende“ Denken habe zu den Entwicklungen geführt, mit denen wir heute hoffnungslos überfordert sind: Von Umweltkatastrophen über Kriege bis zur Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben.

Was verloren gegangen sei, ist das verbindende, „weibliche“, mitfühlende, intuitiv-kreative Denken, das nur noch von wenigen „wilden Völkern“ gelebt wurde oder wird.

Der Mensch muss lernen, dieses verbindende wilde Denken wieder zuzulassen, wenn er die Welt genauso wie sein eigenes Leben zum Besseren formen will. So Kessler.

Doch das Gute daran sei, dass wir uns ändern können, wenn wir nur wollen.

Was dazu nötig ist? Eigentlich nicht viel:

  • Sich selbst zu lieben und sich selbst treu zu bleiben, um die guten Anlagen in sich zu entfalten.
  • Die dem weiblichen Geschlecht zugeschriebenen (und weniger geachteten) Werte anzunehmen und zu leben.
  • Kreativität und Intuition zu fördern, um neue Welten schaffen zu können, ob im großen Internationalen oder im kleinen Persönlichen.
  • Auch den anderen lieben zu können, um Konflikte, Kriege und so fort zu meiden oder zu lösen.
  • Ein Leben in Balance zu führen, um überhaupt die Zeit und den Freiraum zu haben, etwas zu verändern.
  • Und anderes mehr.

Oder noch anders formuliert: Kessler geht es im Grunde um zwei Dinge

a) Um das Ganzheitlich-Intuitiv-Kreative

b) Um die Liebe zu sich selbst und zu anderen

Wenn wir beides lernen, hören wir auf, in „ich und du“ zu unterscheiden, nur an unseren eigenen Vorteil zu denken, blind die Konsequenzen unseres Handelns zu ignorieren, raffgierig und mit nichts zufrieden zu sein, und der Welt und damit als unwillkommenem Echo uns selbst Schaden zuzufügen.

Interessant finde ich dabei auch den Punkt, dass es eine mangelnde Selbstliebe sei, die zu viel Unheil in der Welt führe. Ich denke auch, dass unsere Welt besser sein könnte, wenn sich nicht so viele von uns mit Minderwertigkeitskomplexen à la „ich bin nicht gut genug“ herumschlagen würden.

Die Gier, die daraus entsteht, das Streben nach dem „immer mehr“, das Abstrampeln und Um-sich-Schlagen, um sich ja zu beweisen, die mangelnde Selbstannahme, der Selbsthass, der zu Hass auf andere führt …

Es klingt naiv „du musst doch nur lieben und schon trägst du zur Heilung der Welt bei“. Und Kesslers Kritiker werden sicher schnell auf dem Plan sein und auf den Zustand besagter Welt und ihrer häßlichen Seiten verweisen.

Doch hier – wenn auch nicht überall – schließe ich mich Kessler an: Es fängt mit unserer eigenen Einstellung und der Erziehung der nächsten Generationen an. Wie soll sich etwas ändern, wenn niemand den Anfang macht, und das Erbe und die Fahnenstange den Nachfolgenden weiterreicht?

Man hätte das Buch einfacher schreiben können. So muss man relativ vielen (Denk-) Schleifen folgen, um den Kern herauszufiltern. Die kurze Zusammenfassung am Schluss ist da ganz hilfreich.

Und der Leser sollte bitte keine Todos oder Tipps erwarten. Dies ist kein Ratgeber. Kessler begründet mit ihrem Buch eher ihre oben genannten Thesen.

Doch wer einmal über Zusammenhänge zwischen seinem eigenen Leben, Denken und Verhalten und dem „großen Ganzen“ nachdenken will, wer nicht nur ohnmächtig über den Zustand der Welt schimpfen will, wer ganz handfest sein Leben sowie das Leben anderer verbessern will … der wird hier viele Gedanken finden, die es weiterzuverfolgen lohnt.

Fazit: Ein Plädoyer für eine bessere Welt, zu der jeder allein durch seine Art, zu denken, beitragen kann.

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 07.09.11

Christina Kessler, Wilder Geist, wildes Herz. Kompass in stürmischen Zeiten, Bielefeld 2011, 219 Seiten

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