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Schreiben ist zu einem guten Teil schlichtes Handwerk. Die Schreibprofis und Medienwissenschaftler Perrin und Rosenberger haben einmal dieses Handwerk unter die Lupe genommen und ein paar hilfreiche Arbeitstechniken dafür entwickelt.

Kann man Schreiben lernen? Hat man ein gutes Schreib-Händchen „im Blut“? Ist es eine Mischung aus beidem? Noch immer streiten sich hier die Geister und sogar die (Bestseller-) Autoren. Immerhin: Selbst wer mit einer Gabe fürs Schreiben geboren wird, kann sich durch Geduld, Übung und Praxis stetig verbessern.

Die Autoren von „Schreiben im Beruf. Wirksame Texte durch effiziente Arbeitstechnik.“ liefern etliche Techniken und Tipps, um besagtes Schreib-Händchen zu verbessern – sei es angeboren oder erlernt. 😉

Perrin und Rosenberger kommen aus der Praxis, waren Journalistin, Reporter, Texter, Redakteur und PR-Expertin, bevor es sie auch ins Training und in die Wissenschaft verschlug.

Und mit wissenschaftlicher Akribie haben sie in diesem Buch den Schreibprozess ein wenig unter die Lupe genommen und Techniken entwickelt, um besser und effizienter zu schreiben.

Der Aufbau ist immer der gleiche: Zunächst erklären die Autoren eine Technik. Dann bringen sie ein Vorher-Nachher-Beispiel, wie man einen Text mit Hilfe dieser Technik verbessern kann. Als nächstes schreiben sie kurz etwas dazu, wie und warum die beschriebene Technik helfen kann. Und anschließend gibt es noch ein paar Tipps, wie man die Technik am besten anwendet. Das Ganze wird jeweils untermalt von einer netten, visualisierenden, comicähnlichen Zeichnung.

Aus dem Inhalt:

Einfach anfangen: Einleitung und Übersicht

1. Schreiben braucht Rhythmus: Die Schreibspirale. (Wie man am besten beim Schreiben vorgeht: Von A wie Aufbau planen bis Z wie Ziel finden.)

2. Den Arbeitsplatz nutzen: Die Schreibtisch-Technik. (Wie man sein Material günstig auf dem Schreibtisch anordnet.) Die Tatort-Technik. (Wie man durch einen Ortswechsel auf Distanz zu seinem Text geht und dadurch seine Wahrnehmung verändert und erweitert.)

3. Das Ziel finden – Schreibphase 1: Die Antipasti-Technik. (Warum man erste Eindrücke spontan festhalten sollte, um damit eine Situation emotional besser zu erfassen, unverfälschter und emotionaler zu schreiben.) Der Überfall-Test. (Wie man journalistisch anreißt und Kernbotschaften erkennt.)

4. Den Aufbau planen – Schreibphase 2: Die Finger-Technik. (Warum man seinen Text an seinen Fingern abzählen können sollte.) Die Skizzen-Technik. (Wie man komplexe Inhalte durch Aufzeichnen besser in den Griff bekommt und klärt.) Der Rückerklär-Test. (Wie man einen Text verständlicher aufbaut, indem man seinen Inhalt von Testlesern wiedergeben lässt.)

5. Den Schreibfluss steuern – Schreibphase 3: Die Etappen-Technik. (Wie man Abschnitte geradliniger verbindet, indem man bei einem Neueinstieg in seinen angefangenen Text nur die letzten Sätze liest.) Die eMail-Technik. (Wie man durch den Wechsel in eine unkomplizierte Kommunikationssituation wie etwa beim eMailen den inneren Zensor ausschaltet und sperrige Formulierungen vermeidet.) Die Abschreib-Technik. (Wie man einen Text besser überarbeitet, indem man ihn ausdruckt und abschreibt.)

6. Den Text überdenken – Schreibphase 4: Die Partitur-Technik. (Wie man einen Text besser vor seinem geistigen Auge sieht, indem man ihn zum Beispiel wie eine Musik-Partitur grafisch aufzeichnet.) Der Typo-Test. (Wie man einen Text mit neuen Augen sieht und ihn kritisch verbessert, indem man ihn durch eine andere Schriftart (Typografie), Ortswechsel und Ähnliches mehr verfremdet.)

7. Was beim Schreiben geschieht – die Progressionsanalyse: Eine kleine wissenschaftliche Beobachtung des Schreibprozesses.

Ein Stichwortverzeichnis schließt das Buch ab.

Ich finde den (Ober-) Titel etwas unglücklich gewählt. Denn der berufliche Bezug ergibt sich in diesem Buch nur durch die gewählten Beispieltexte. Sonst ist das ein Buch rund um diverse Arbeits- / Schreibtechniken, wie es ja auch der Untertitel sagt. Und diese Arbeitstechniken kann man für jede Form von Sachtext und teils auch für Belletristik nutzen.

Und ich erinnere mich, dass es zum Erscheinungsdatum des Buches recht populär war, diversen Arbeitstechniken „spektakulär“ klingende Namen zu geben. Daraus wird dann hier zum Beispiel der „Überfall-Test“, wenn es nur darum geht, das, was man sagen will, jemandem so kurz und prägnant wie möglich um die Ohren zu hauen, der es eilig hat und gar nicht zuhören will. Gut, ich weiß, es ist alles andere als einfach, Arbeitstechniken sinnvoll zu benennen. Trotzdem musste ich gerade an den „Spleen“ jener Jahre denken, dem auch dieses Buch zu huldigen scheint. 😉

Die Textbeispiele, die immerhin einen relativ großen Raum im Buch einnehmen, haben mir persönlich allerdings kaum etwas gebracht. Es war mir auch nicht immer klar, was die vorgeschlagenen Verbesserungen mit der gerade geschilderten Arbeitstechnik zu tun hatten. Ich habe mich daher stärker mit den Techniken und ihren Anwendungstipps beschäftigt.

Doch sonst ist das hier wirklich gutes Handwerkszeug; nützliche Techniken, die, wie gesagt, sicher nicht nur beim beruflichen Schreiben hilfreich sind. Eine gute Ergänzung für jeden Autoren-Handwerkskoffer.

Fazit: Diverse Techniken, um besser und effizienter zu schreiben. Grafisch und durch die „klingenden“ Bezeichnungen nett und einprägsam verpackt.

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 10.01.14

Daniel Perrin, Nicole Rosenberger, Schreiben im Beruf. Wirksame Texte durch effiziente Arbeitstechnik. Berlin 2005, 133 Seiten

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