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„Introvertierte sitzen still in ihrem Kämmerlein und kennen kein Schwein.“ Okay, da ist der Hobby-Poet etwas mit mir durchgegangen. 😉 Doch Introvertierte haben in der Tat oft mit dem üblichen Netzwerken nicht viel am Hut – ebenso oft durchaus zum eigenen Schaden. Die Trainerin und Beraterin Devora Zack zeigt, wie Introvertierte das Netzwerken nicht nur überleben, sondern sogar mit ihren eigenen Stärken auf diesem Felde punkten.

Es klingt wie eine Binsenweisheit, ist es aber nicht. Und auch ich habe lange gebraucht, bis mir wirklich klar geworden ist, dass wir Menschen verschieden sind. 😉 Was für den einen gut ist, ist es für den anderen noch lange nicht. Das gilt auch für das Netzwerken.

Hin und wieder werde ich angesprochen, ob ich mich nicht dem einen oder anderen Verbund anschließen möchte. Ich könnte auch mit vielen Menschen flüchtige Kontakte knüpfen. Das ist aber nicht meine Art und wird es auch nie sein. Ich ziehe eine zwar nicht allzu kleine, aber doch überschaubare Anzahl an persönlicheren, teils auch engeren Kontakten vor. Und etliche dieser Kontakte begleiten mich in der Tat durch das ganze Leben. Kein Wunder, dass ich mich mit „Networking-Partys“ und Ähnlichem nie wirklich anfreunden konnte, deren primäres Ziel es ist – neue Kontakte zu knüpfen. 😉

So wie mir geht es vielen Hochsensiblen und Introvertierten. Doch deshalb müssen wir nicht ohne Netzwerk bleiben. Auch die Autorin von „Networking für Networking-Hasser. Sie können auch allein essen und erfolgreich sein.“ ist eine bekennende Introvertierte und meiner Meinung nach wohl auch Hochsensible. Sie ist Trainerin, Beraterin und Gründerin einer Beratungsfirma. Und sie will mit ihrem Buch zeigen, wie man auch als Introvertierte(r) netzwerken kann.

Aus dem Inhalt:

Wer sind Sie: Zu Introvertierten, Extrovertierten und „Zentrovertierten“. Ein kurzer Selbsttest, um sein eigenes Temperament besser zu erkennen. Stärken und Schwächen, Vorteile und Nachteile der unterschiedlichen Temperamente. Beispiel:

Introvertierte sind unabhängiger, schöpfen Energie aus sich selbst, brauchen ihre Auszeiten und Freiräume, gehen bedachtsamer und überlegter vor, konzentrieren sich auf wenige, aber tiefe Kontakte.

Extrovertierte erholen sich durch Geselligkeit, denken, indem sie reden, suchen nach neuen Anregungen und Erfahrungen, ziehen die Quantität der Qualität vor, schätzen Small-Talk und geselligen Austausch.

Zentrovertierte liegen, unterschiedlich ausgeprägt, zwischen den beiden Polen.

Warum wir Networking hassen: Warum die üblichen Networking-Veranstaltungen und -manöver für Introvertierte puren Stress bedeuten. Wie sie immer mehr zu der Überzeugung kommen, fürs Networking nicht geeignet zu sein.

Funkelnagelneue Regeln, die funktionieren: Wie Introvertierte mit ihren Stärken arbeiten, statt ihre wahre Natur zu verleugnen. Inklusive diverser Beispiele dafür.

Während Extrovertierte ein weites Spektrum „oberflächlicher“ Kontakte pflegen, schaffen sich Introvertierte ein kompaktes Netzwerk von „verlässlichen“ Kontakten. (Die Anführungszeichen stammen von mir, um die Wertung in den Begriffen zu reduzieren. Es gibt sicher auch diverse Mischformen.)

Erste-Hilfe-Koffer für Networking-Events: Diverse, hilfreiche Tipps, wie sich Introvertierte auf Networking-Veranstaltungen behaupten, ohne unterzugehen. Dazu wieder auf die Stärken der Introvertierten gemünzt: Wie man Kontakte und Beziehungen festigt.

Auf Wiedersehen, Goldene Regel: Wie Introvertierte ihre Beobachtungsgabe und ihr Einfühlungsvermögen nutzen, um einen besseren Kontakt zu anderen herzustellen. (Nebenbei: Spätestens hier habe ich die Autorin dringend als Hochsensible „verdächtigt“, auch wenn sie selbst das Wort nie gebraucht.)

Netzwerkpflege ohne Netz: Weitere Tipps, welche Netzwerk-Veranstaltungen für Introvertierte besser geeignet sind, und wie diese dort wieder mit ihren Fähigkeiten punkten.

Einzelne Anwendungsgebiete: Wie Introvertierte auf Jobsuche beziehungsweise auf Geschäftsreisen gut netzwerken; aber auch, wie diese dort wieder „überleben“, ohne zu viel Energie zu verlieren.

Veranstaltungen für jeden Geschmack: Wie Introvertierte ihre eigenen Netzwerk-Veranstaltungen organisieren.

Abschluss: Wie man sich Ziele im Netzwerken setzt und erreicht.

Dazu gibt es die üblichen Dankesworte, Selbstvorstellung der Autorin und ihrer Firma, sowie ein Stichwort-Register.

Ich finde den Ansatz sehr spannend, einmal ein Networking-Buch für Introvertierte zu schreiben, die damit ja in der Regel nicht sonderlich viel anfangen können. (Was im Titel deutlich wird.) Mehr noch: Die Autorin sagt nicht nur, wie Introvertierte im üblichen Netzwerk-Trubel überleben. (Was sicher schon hilfreich ist.) Sie sagt auch, wie Introvertierte ihre eigenen Stärken nutzen und damit auf genau dem Felde punkten, dass ihnen so oft verhasst ist. (Was Gold wert ist.) Auch die Aufschlüsselung der (Networking-) Stärken und Schwächen von Introvertierten fand ich interessant.

Teils hätte ich mir noch etwas mehr Eingehen auf die besondere Situation von Introvertierten gewünscht, die ja gerade auch abseits der üblichen Netzwerk-Veranstaltungen, Geschäftsreisen, Meetings und so weiter (die auf Extrovertierte zugeschnitten zu sein scheinen) ihre Stärken voll ausspielen können. Und zum Schluss bleibt auch die Autorin wieder beim „wilden Sammeln von Kontakten“ stehen, statt mehr Gewicht zum Beispiel auf Form und Gestalt der Kontakte zu legen, oder Ähnliches mehr.

Devora Zack schreibt gut, flott, flüssig. Ich fühle mich von ihr gut an die Hand genommen und durch das Buch geleitet. Stellenweise erscheint sie mir allerdings etwas „bemüht witzig“, so als ob sie sich zwingt, aus ihrer Introversion herauszukommen. (Auch ihr Foto macht diesen Eindruck auf mich.) Nun, so kommt es zumindest bei mir an. Schön, dass sie trotzdem ein paar persönliche Anekdoten und Details ins Buch einflicht und damit als Mensch etwas greifbarer wird, mit nur sparsamer Werbung für sich und ihre Firma.

Fazit: Das ist doch mal eine nette Buch-Idee, noch dazu nett umgesetzt. 😉 Empfehlenswert.

© 2013 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 31.10.13

Devora Zack, Networking für Networking-Hasser. Sie können auch allein essen und erfolgreich sein. Offenbach 2012 (2. Auflage, am. Original 2010), 188 Seiten

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