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Knapp jeder Fünfte soll hochsensibel sein. Das bedeutet, er oder sie ist einfühlsamer, nimmt mehr Feinheiten wahr, hat ein größeres motorisches Geschick, ist oft kreativer und anderes mehr. Aber er oder sie ist auch schneller überreizt, geht in der Fülle der medialen Flut unter, neigt (scheinbar) zu Ängstlichkeit und Schüchternheit, und steht sich auch sonst gern im Weg. Die Psychologin Elaine N. Aron hat mit diesem Buch ein wichtiges Grundlagenwerk in einer noch jungen Forschungsrichtung vorgelegt.

Das Thema Hochsensibilität wird jetzt seit rund 20 Jahren systematischer erforscht. Doch immer noch ist es bei vielen Menschen unbekannt und in der Gesellschaft, bei Ärzten und Co. zu weiten Teilen nicht anerkannt. Die Autorin Elaine N. Aron hat mit dem vorliegenden Buch “Sind Sie hochsensibel?” ein Pionier- und Grundlagenwerk zur Hochsensibilität geschrieben, auf dem viele weitere Bücher und Forschungsarbeiten aufbauen.

Aron ist Psychotherapeutin, Universitätsprofessorin und nebenbei auch Roman-Schriftstellerin. Sie hat selbst jahrelang unter ihrer Sensibilität gelitten, bevor sie sie als Persönlichkeits-Merkmal erkannte und ihr Leben passend darauf ausrichten und neu gestalten konnte.

Fünf Jahre hat sie zu dem Thema geforscht und viele hundert Beratungsgespräche mit hochsensiblen Menschen geführt. (In der Literatur kursieren die Abkürzungen HSM = hochsensible Menschen und HSP = hochsensible Personen.) Ihre Erkenntnisse hat sie in diesem Buch zusammengefasst und das erste Mal einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt.

Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen sollen hochsensibel sein. Das heißt, sie sollen ein empfindsameres Nervensystem haben, (auch zwischenmenschliche) Feinheiten und Signale deutlicher wahrnehmen, dadurch aber auch schneller überreizt und eventuell überfordert sein.

(Das gilt übrigens für Männer wie für Frauen. Beide können gleichermaßen hochsensibel sein, auch wenn Männer sich naturgemäß schwerer damit tun, ihre Sensibilität auszudrücken und zu leben.)

Zielgruppe des Buches sind alle HSM selbst, aber auch alle, die mit HSM zu tun haben beziehungsweise diese besser verstehen wollen.

Aus dem Inhalt:

Selbsttest: Sind Sie hochsensibel

23 Fragen, um sich selbst schon mal auf die Schnelle als “HSM-verdächtig” einordnen zu können. ;-)

Hochgradige Sensibilität und die wichtigsten Fakten: Von der (falschen) Annahme, mit einem Makel behaftet zu sein

Einiges zur Informationsaufnahme, Nervensystem und Reizverarbeitung. HSM im Tierreich. Ist HSM vererbt oder erworben? Die Vorteile einer hohen Sensibilität.

Den Dingen auf den Grund gehen: Verstehen Sie Ihren Wesenszug mit allem, was ihn ausmacht

Noch ein paar biologische Grundlagen: Zwei Systeme im Gehirn, das Achtsamkeits- und das Aktivierungssystem. Der Einfluss von Hormonen. Und anderes mehr.

(Ein Beispiel für die Wirkung: Zu viele und / oder viele neue, unbekannte Reize sorgen bei HSM für ein erhöhtes Maß an Anspannung und Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Die Außenwelt deutet das dann oft als Angst – und so wird es auch von den HSM übernommen. In Wirklichkeit geht es aber schlicht um Reizverarbeitung.)

Gesundheitliches Wohlbefinden und der Lebensstil hochsensibler Menschen: Lieben Sie Ihren Körper und lernen Sie von ihm

Viele HSM nehmen sich paradoxerweise selbst nicht deutlich genug wahr: Körperwahrnehmung trainieren und die Botschaften des eigenen Körpers besser verstehen lernen. Ein Test, um herauszufinden, ob man sich zu sehr in sich selbst zurückzieht oder zu sehr auf die Außenwelt fokussiert. Wie man die Balance zwischen beidem findet. Strategien gegen nervliche Überregung. Abgrenzen und (sich und anderen) Grenzen setzen.

Neubewertung Ihrer Kindheit und Jugend: Lernen Sie für sich selbst “elterlich” zu sorgen

Viele HSM passen sich zu sehr an, neigen zum Perfektionismus, ignorieren eigene Bedürfnisse und sorgen nicht sonderlich gut für sich. Die Kindheit, erworbene Muster und damit sich selbst vor diesem Hintergrund neu bewerten und verstehen lernen.

Soziale Beziehungen: Die Tendenz zur Schüchternheit

Vielen HSM wird Schüchternheit nachgesagt, was in einer sich “selbst erfüllenden Prophezeiung” dann auch für ein entsprechendes Verhalten sorgt. Nach Aron solle man deshalb lieber von einer Überstimulierung und damit ausgelöstem sozialem Unbehagen reden. Die meisten HSM sind eher introvertiert, etwa 30% sollen aber auch extrovertiert sein.

(Anmerkung: Es gibt auch beides. Ich selbst erhole und regeneriere mich zum Beispiel am besten in Alleinsein und Stille. Damit bin ich eine klassische Introvertierte. Ich brauche und genieße aber auch den Kontakt mit anderen. Das ginge dann in Richtung Extroversion.)

Tipps, um dieses “soziale Unbehagen” zu überwinden. Ratschläge für das Sozialleben von HSM.

Erfolgreiches Arbeiten: Folgen Sie Ihrer Neigung und zeigen Sie, was Sie wirklich können

Viele HSM wollen einen Sinn in ihrer Arbeit finden und folgen einer Berufung. Ein paar Tipps, wie man aus einer Berufung eine gut bezahlte Arbeit macht. Viele HSM verspüren auch das Bedürfnis, anderen zu helfen. Dazu einiges zum Helfersyndrom und zu Burnout. Wie man Geschäftstüchtigkeit als (soziale) Kunst sehen – und sich mit ihr anfreunden kann. Wie HSM sich am Arbeitsplatz wohlfühlen. HSM und Karriere. HSM und Egoismus / Egozentrik.

(Um nicht permanent den Kürzeren gegenüber weniger “von Skrupeln behafteten” Nicht-HSM zu ziehen, sollten HSM zum Beispiel den “inneren Machiavelli” pflegen, ihn allerdings auch in seine Grenzen weisen.)

Enge Beziehungen: Die Herausforderung sensibler Liebe

Beziehungen und Bindungsverhalten von HSM. (Viele HSM sind vom Typ her “unsicher gebunden”. Das heißt, ihnen fehlt oft der Rückhalt positiver, fester Bindungs-Erfahrungen.) Vorsicht vor zu intensiver, idealisierender Liebe. Viele HSM sehnen sich eher nach wenigen, intensiven Freundschaften als nach vielen, relativ “oberflächlichen” Kontakten. Wie man die Balance hält zwischen Nähe und Distanz. Verschiedene Formen von Partnerschaft. Konflikte und Kommunikation. Selbstentfaltung in der Partnerschaft. HSM und Kinder.

Tiefe Wunden heilen: Ein anderer Bewältigungsprozess für Hochsensible

Viele HSM haben tiefe Wunden in ihrem Leben erfahren. Wie man die Vergangenheit aufarbeitet, neu bewertet und heilt. Vier Therapieformen für HSM: Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, Körperarbeit und spiritueller Ansatz. Wunden der Kindheit heilen.

Ärzte, Medikamente und hochsensible Menschen: Soll ich auf Medikamente vertrauen oder mit meinem Arzt Klartext reden?

Die medizinischen Besonderheiten von HSM: Viele reagieren zum Beispiel sensibler auf körperliche Signale und Symptome, sind schmerzempfindlicher, sprechen erheblich schneller selbst auf kleinste Dosierungen von Medikamenten an. Ebenfalls neigen viele HSM, wenn sie auf ihre Sensibilität keine Rücksicht nehmen, deutlich häufiger zu psychosomatischen und / oder chronischen Krankheiten. Wie man mit medizinischem Fachpersonal umgeht. HSM und Medikamente. HSM und Antidepressiva.

Seele und Geist: Wo der wahre Schatz vergraben liegt

HSM sind oft spiritueller, “seelenvoller” als andere Menschen. Sie suchen den Sinn im Leben, wollen diesen mit anderen teilen und ihn vermitteln. Auch die Sehnsucht und Suche nach Ganzheit ist typisch für HSM. Formen für HSM, die (spirituelle) Welt wahrzunehmen: Träume, Imagination, innere Stimmen, Engel / Wunder, spirituelle Wegweisungen, Synchronizitäten und anderes mehr.

Ratschläge für medizinisches Fachpersonal im Umgang mit Hochsensiblen

Ratschläge für Arbeitgeber hochsensibler Menschen

Ratschläge für Lehrer hochsensibler Schüler

Jeweils kurze Tippsammlungen dazu.

Praxisbeispiele, Reflexionsfragen / -aufgaben und Übungen reichern jedes Kapitel an. Ein ausführliches Quellenverzeichnis und ein Stichwortverzeichnis schließen das Buch ab.

“Sind Sie hochsensibel” schwankt im Tonfall zwischen Populär-Ratgeber und Forschungsarbeit. (Wie gesagt, es fasst die Ergebnisse der ersten Forschungen von Aron zu dem Thema zusammen und stellt sie – samt wissenschaftlichem Nachweis – einem breiteren Publikum vor.) Das Buch liest sich deshalb zum Beispiel deutlich weniger “süffig” und griffig als etwa Rolf Sellins “Wenn die Haut zu dünn ist. Hochsensibilität vom Manko zum Plus.” Dafür gilt Arons Buch als Standardwerk und Vorläufer, auf dem viele andere Bücher und Autoren aufgebaut haben.

Manches, was Aron den HSM zuordnet, dürfte wohl eher für sehr viele (auch Nicht-HSM) Menschen gelten. Dazu gehört etwa, dass negative Erfahrungen zu erhöhter Vorsicht führen. Oder auch, dass ein Gefühl der Sicherheit für persönliches Wohlbefinden wichtig ist. Doch bei HSM mögen diese wie viele weitere, auch oben erwähnte Muster gehäuft auftreten.

Anderes ist Geschmacksfrage, wie etwa Arons Neigung, vom Säuglings- oder Kleinkind-Körper zu reden, den jeder HSM in sich trage und liebevoll pflegen solle. (Sie vergleicht hier Sensibilität mit einem empfindlichen Säugling.) Oder auch ihre Neigung, HSM und Nicht-HSM mit “priesterlichen Ratgebern” und “kriegerischen Königen” gleichzusetzen.

So, und warum stelle ich dieses Buch jetzt eigentlich vor? Weil viele Kreative / Künstler von Haus aus auch HSM sind, beides bedingt sich gegenseitig. Und erraten, ja, auch ich habe fast alle Fragen aus Arons anfänglichem Selbsttest mit einem glatten “ja” beantworten müssen. ;-)

Fazit: “Das” Standardwerk zur Hochsensibilität. Wer sich auf ein Buch mit “Forschungs-Charakter” einlassen kann, wird hier viele Antworten finden und sich selbst besser verstehen lernen.

© 2013 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 14.08.13

Elaine N. Aron, Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen. München 2013 (neunte Auflage von 2005, engl. Original von 1996), 371 Seiten

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