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Nicht jeder Perfektionist landet im Burnout. Und nicht jeder Burnout ist auf Perfektionismus zurückzuführen. Doch wer Angst hat, nie „gut genug“ zu sein, immer perfekt sein will und gnadenlos über seine Grenzen geht, kann sich durchaus schon mal ein Bett in einer Burnout-Klinik reservieren lassen. Die Bestseller-Autorin Gummesson hat einen solchen Zusammenbruch hingelegt und ist seither auf „Mission“ dagegen. 😉

Es gibt viele Möglichkeiten, sich einen „Burnout“ zuzuziehen. Zudem wird der Begriff heutzutage schon fast inflationär gebraucht und scheint alles und jedes abzudecken. Der übersteigerte Perfektionismus und das gnadenlose „Über-die-eigenen-Grenzen-Gehen“ aus diesem Buch gehören sicher dazu. Dennoch sei gleich vorweggeschickt, dass es hier primär um selbstschädigenden Perfektionismus geht, weniger um Burnout. Der Verlag bringt die beiden Bereiche wohl auch aus Marketinggründen zusammen.

Die Autorin Elizabeth Gummesson war unter anderem Redakteurin und Projektkoordinatorin bei einem schwedischen Fernsehsender. Ihr eigener Perfektionismus brachte sie innerhalb von wenigen Jahren zweimal zum gesundheitlichen Zusammenbruch. Danach warf sie ihren Beruf hin und folgte ihrer Mission: Sie wurde zum Trainer und Coach für Perfektionismus-Geplagte. 😉

Ihr Buch „Mir reicht’s. So befreist du dich aus Perfektionismus und Burnout.“ gliedert sich im Grunde in drei Teile. Zunächst geht es um Perfektionismus allgemein. Dann folgen diverse Bereiche aus Alltag und Beruf, in denen sich dieser äußern kann. Und zum Schluss widmet sie sich noch in zwei Kapiteln einigen Ursachen des Perfektionismus: Einem schwachen Selbstwertgefühl und der Angst, „nicht gut genug“ zu sein.

Aus dem Inhalt:

Perfektionismus: Was ist das? Drei Typen von Perfektionisten. Woher kommt er? Was sind seine Konsequenzen?

„Meine Reise“: Die eigene Geschichte der Autorin als Beispiel für den Einstieg.

Die Liebe: Von der perfekten Hochzeit bis zur perfekten Beziehung. Und falls es mal nicht ganz so perfekt läuft: Ein paar Tipps zur gewaltfreien Kommunikation. 😉

Die Familie: Von der perfekten Erziehung bis zu den perfekten Kindern. Mit einer Warnung vor allem vor einer zu hohen Erwartungshaltung und der Angst, „was die Leute wohl sagen werden“.

Die Verwandten: Das gegenseitige Wettrüsten, um nur ja gegenüber den lieben Verwandten nicht nachteilig dazustehen. Mit der Konsequenz, dass vielleicht keiner mehr etwas mit einem zu tun haben will, weil man den vorgegebenen Standard nicht halten kann. 😉

Die Freunde: Von der Suche nach „Energiedieben“ und Menschen, die nicht gut für einen sind, bis zur Warnung, nicht alles geben zu wollen, um nur ja gemocht zu werden.

Das Heim: Der perfekte Haushalt – inklusive Putzteufel und Multitasking.

Die Freizeit: Wie man sich garantiert unter Freizeitstress setzt.

Die Arbeit: Von der Warnung vor perfektionistischen Mitarbeitern bis zum Umgang mit perfektionistischen Chefs. Mit einigen Tipps fürs Selbstmanagement, da Perfektionisten oft an Aufschieberitis leiden. (Wenn etwas perfekt werden soll, ist der Druck so hoch, dass man am besten gar nicht erst anfängt.)

Körper und Seele: Warum es eindeutig gesünder ist, mit seinem Aussehen zufrieden zu sein und sich nicht um die Ansichten der Umwelt zu scheren. Und warum man die Seele mindestens genauso gut pflegen sollte wie den Körper. Inklusive einiger Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung.

Das „Corpus Delicti“ – der schlechte Selbstwert: Warum ein schwaches Selbstwertgefühl zu Perfektionismus führen kann und was man dagegen tun kann.

Das Ziel – sich gut genug fühlen: An seinen Ängsten arbeiten, sich realistische Ziele setzen, seinen Ehrgeiz drosseln, seine Gefühle zulassen und Prioritäten setzen. Oder auch: Wie man mit „gut genug“ Stück für Stück weiterkommt, ohne sich selbst zu überfordern.

Ein Literaturverzeichnis schließt das Buch ab.

Die Kapitel sind eine Mischung aus (Negativ-) Beispielen von Coachees und dem Leben der Autorin selbst, sowie Tipps, wie man es besser macht. Dazu gibt es eingestreut Anregungen, sein eigenes Leben zu untersuchen, seine Gedanken aufzuschreiben und Ähnliches mehr.

Gummesson schreibt flott, leicht verständlich und man merkt ihr ihre „Mission“ an.

Noch einmal: Perfektionismus ist nicht an sich schlecht. Im Gegenteil. Auch die Autorin unterscheidet zwischen positivem und negativem Perfektionismus. Wer will schon einen Chirurgen haben, der nach dem Motto lebt: „80 Prozent reichen auch – und die Tupfer lassen wir mal drin.“ 😉

Doch sie warnt dringend vor dem völlig überzogenen Drang, immer alles in allem perfekt machen zu wollen. Es ist der helle Wahnsinn, ihr früheres Leben zu sehen, das sie erfrischend schonungslos offenlegt und so zum Lernbeispiel für andere wird. Kaum zu glauben, wie man so etwas so lange durchhalten kann. Ich kaufe ihr sofort ab, dass sie eine „extrem hohe Schmerzgrenze“ hat, wie sie von sich selbst sagt.

Fazit: Viele wertvolle Tipps für ein gelasseneres Leben – dann lässt der nächste Burnout auch etwas länger auf sich warten. 😉

© 2013 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.01.13

Elizabeth Gummesson, Mir reicht’s. So befreist du dich aus Perfektionismus und Burnout, Weinheim / Basel 2012 (schwed. Original von 2009), 280 Seiten

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