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Der Mensch der Neuzeit hält sich gern für rational, vernunftorientiert, logisch. Doch in Wirklichkeit handeln wir oft ausgesprochen irrational und unlogisch. Wir denken und handeln mit dem Unbewussten. Und über dieses Unbewusste lassen wir uns auch in unserem Denken und Handeln steuern. Friedhelm Schwarz zeigt, wie das alles zusammenhängt und welche Konsequenzen es für unser Leben hat.

Der Mensch der Neuzeit hält sich gern für rational, vernunftorientiert, logisch. Er sieht vielleicht sogar auf die Menschen anderer Kulturen oder Epochen herab, die an Aberglauben oder Götterdämmerung festhalten. Erst seit wenigen Jahren setzt sich die Ansicht durch, dass wir erheblich weniger vom Verstand gesteuert sind, als wir glauben wollen. Und Bücher, die das Denken mit dem Bauch lehren wollen, werden zu Bestsellern.

Der Wirtschaftsjournalist und Autor Friedhelm Schwarz geht in die gleiche Richtung. Für ihn steht fest: Der Glaube an ein rationales Handeln ist Illusion. Fast alle unsere Gedanken und Entscheidungen laufen im Unbewussten ab. Die Herausforderung ist es, mit diesem „ganz normalen Wahnsinn des Irrationalen“ umgehen zu können.

Als anschauliches Beispiel dafür bringt er den Durchschnitts-Autofahrer, der unangenehm berührt feststellen darf, dass ihm das Gehirn des öfteren aussetzt und „das Reptil ins Lenkrad greift“ (Buchtitel).

Nach dieser netten, bildhaften Einführung geht es sachlicher zur Sache. 😉

Unter anderem geht es um diese Themen:

1. Unsere Gesellschaft ist auf Rationalität fixiert. Nichts geht mehr ohne rationale Begründung. Doch was ist überhaupt rational?

2. Das Jahrzehnt des Gehirns:

  • Gefühle und Erinnerungen haben eine größere Bedeutung als Wahrnehmungen und Tatsachen.
  • Das bewusste Ich wird überschätzt, Vernunft ist eine Illusion.
  • Was ist bewusstes Denken, und was sind Intuition und das Unbewusste?
  • Neuere Erkenntnisse über das Gehirn und seine Neuroplastizität, also seine Fähigkeit, sich den Anforderungen und Umweltfaktoren anzupassen.
  • Unsere Gedanken und unser Handeln hängen von unserer biografischen und kulturellen Prägung ab.
  • Sprache, Vorstellungskraft und Denkvermögen
  • und so fort.

3. Ökonomie und Verhaltenswissenschaft: Wie unser Denken unser wirtschaftliches Handeln prägt. Und natürlich: Wie unser irrationales Denken unser wirtschaftliches Handeln beeinflusst.

4. Die ineffiziente Marktwirtschaft: Auch hier gibt es eine Verquickung von Denken und Wirtschaft. Unter anderem geht es um populäre Irrtümer im Marketing, die Ursachen von Flops und anderes mehr.

5. Die Abwesenheit des Rationalen: Und noch einmal beleuchtet Schwarz Zusammenhänge von Denken, Marketing und Verkauf. Er untersucht beispielsweise, warum wir dazu neigen, blind (vermeintlichen) Autoritäten zu folgen, wie wichtig der Faktor Sympathie in der Wirtschaft ist, und so fort.

Der Autor schreibt wie gewohnt gut und unterhaltsam. Er bereitet ein relativ schwieriges Thema locker und anschaulich auf. Zudem liefert er viele Beispiele, warum und wo wir alles andere als rational denken und handeln. Kurz, wo das Reptil in uns ins Lenkrad greift.

Ich finde Schwarz’ Ansatz schön, einmal konkret nachzuweisen, wie irrational wir in den verschiedensten Bereichen unseres Lebens handeln. Wie sehr wir von unserem Unbewussten gesteuert sind, aber auch, und das ist das Gefährliche daran, wie sehr wir uns unbewusst steuern lassen. Es kann nicht schaden, hierfür ein größeres Bewusstsein zu bekommen.

Ich vermisse allenfalls ein wenig einen roten Faden, eine Hinführung zu etwas. Der Inhalt „plätschert“ für mich etwas vor sich hin. Das große „aha“ bleibt trotz – oder wegen? – der vielen Beispiele aus.

Fazit: Mehr Bewusstheit für das Unbewusste in Wirtschaft und Gesellschaft, so könnte man dieses Buch vielleicht zusammenfassen. Von wegen rational und logisch. 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 21.09.2010

Friedhelm Schwarz, Wenn das Reptil ins Lenkrad greift. Warum Gesellschaft, Wirtschaft und Politik nicht den Regeln der Vernunft gehorchen, Hamburg 2004, 190 Seiten

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