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Denken und Verhalten hängen eng zusammen. Wie wir denken, beeinflusst unser Gehirn. Und unser Gehirn steuert unser Verhalten. Logisch, dass es helfen könnte, zu wissen, wie wir besser mit unserem Gehirn umgehen. Gerald Hüther hat den Versuch unternommen, hierfür eine „Bedienungsanleitung“ zu liefern.

Der Neurobiologe Prof. Dr. Hüther hat hier den spannenden Versuch unternommen, einen Einblick in die Funktionsweise unseres Gehirns als „Bedienungsanleitung“ zu verpacken. Frei nach dem Motto: Wenn es für Dinge wie Videorecorder eine Bedienungsanleitung gibt, um sie ordentlich ans Laufen zu bringen, sollte es die für so etwas Wichtiges wie unser Gehirn erst recht geben.

Die Idee finde ich witzig. Allerdings ist es nicht so eingängig geschrieben, wie man es von einer Bedienungsanleitung erwarten würde. Dazu gibt es zu viel fachlichen Hintergrund und zu wenig „konkrete Anwendungstipps“.

Ich würde es eher ein Handbuch nennen, wie unser Gehirn funktioniert. Und wer verstanden hat, wie sein Gehirn funktioniert, der kann es anschließend besser bedienen. So herum wird wohl ein Schuh daraus.

Schön finde ich, dass Hüther immer wieder dazu aufruft, „die Verantwortung für sein Gehirn zu übernehmen“.

Denn unser Gehirn funktioniert so, wie wir es nutzen, nicht umgekehrt. Wir selbst haben es in der Hand, was wir aus dem, was wir mitbekommen haben, machen. Jeder kann sich und seine Art zu denken verändern. Und er sollte das auch tun, bevor es zu spät ist und er persönlichen oder gesellschaftlichen Schaden damit anrichtet.

Aber zu den Inhalten:

1. Weg mit den Schutzvorrichtungen: Unser Gehirn ist ängstlich, döst lieber vor sich hin, greift zu Ausreden, wenn etwas nicht läuft, und will am liebsten alles so lassen, wie es ist. Das geht aber nicht, wenn man sich ändern oder mehr aus seinem Gehirn machen will. Klauen Sie ihm also die Wattepölsterchen.

2. Wie ist das Gehirn aufgebaut bei

  • „programmgesteuerten Konstruktionen“ (also Lebewesen, deren Verhalten festgelegt ist)
  • „initial programmierbaren Konstruktionen“ (also Lebewesen, deren Prägung zu Beginn ihrer Lebenszeit erfolgt)
  • und „programmöffnenden Konstruktionen“ (dem menschlichen Gehirn, das man ein Leben lang verändern und neu programmieren kann)

3. Gängige „Programmfehler“ wie etwa Ungleichgewichte zwischen Gefühl und Verstand, Abhängigkeit und Autonomie, Offenheit und Abgrenzung.

Da unser Gehirn so wird, wie wir es benutzen, kann es durch nie hinterfragte Verhaltensweisen und Denkstrategien Schaden nehmen. Unser Gehirn arbeitet besser, wenn wir an diesen unseren Schwächen arbeiten.

4. Was können wir tun, wenn wir unser Gehirn „warten“ wollen? Wie können wir es optimieren?

5. Was können wir tun, wenn es zu „Störfällen“ wie Bedienungsfehlern oder Schadensmeldungen kommt?

Fazit: Eine nette Idee und ein schönes Buch, das wichtige Zusammenhänge von Denken und Verhalten aufzeigt. Durchaus anspruchsvoll, und trotzdem leicht zu lesen. Wenn auch, wie erwähnt, nicht durchgängig in Form einer Anleitung „wie man es macht“.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 07.06.10

Gerald Hüther, Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn, Göttingen 2010 (9. Auflage von 2001), ca. 140 Seiten

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4 Kommentare zu “Gerald Hüther, Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn”

  1. Jacqueline sagt:

    Hallo Heike,

    es freut mich zu lesen, was du von diesem Büchlein hältst.

    Vielleicht hat es deswegen keine “konkreten Anwendungstipps”, weil die Anwendung des Gehirns letztlich doch recht individuell ist. Denn, wenn jeder Mensch sein Oberstübchen unterschiedlich nutzt, müsste es – dem Tenor des Buches nach – doch auch ein wenig anders funktionieren. Meinst net?

    Und wenn alle Tipps schon dort drin stünden, wäre es nicht nur ein ziemlich dicker Schinken geworden, es hätte auch manch einen brotlos gemacht. Schau: Einen meiner “Programmfehler” hab ich z.B. in deinem Schreibkurs angefangen zu beheben :-)

    Verblüfft hat mich so sehr an dem Buch, dass ich es kinderleicht empfunden habe, genauer dahinter zu steigen, wie ich ticke und was ich aus dieser Erkenntnis für meine Zukunft alles Wundervolles machen kann. So war das Buch für mich ein wertvolles Geschenk.

    Beste Grüße
    Jacqueline

  2. Hallo Jackie,

    ich habe nichts gegen das Buch, ich finde es sehr gut.

    Ich bin über das Wort “Bedienungsanleitung” gestolpert. Damit verbinde ich bestimmte Assoziationen, wie bei einem Video-Rekorder o.ä. eben. So ist der Mensch gestrickt: Hat er bestimmte Assoziationen im Kopf, springen die auch an, wenn man auf den passenden Knopf drückt. Mancher nutzt bewusst solche Wort-Assoziations-Kombinationen. Und bei manchem ist es eher unfreiwillig der Fall. Schließlich denken wir alle anders, auch ein Thema in meinem Schreibkurs. ;-)

    Bei dem Wort “Bedienungsanleitung” habe ich wahrscheinlich etwas erwartet wie: Da wir so und so ticken, könnte das und das passieren, und damit kann man so und so umgehen. Oder auch: Um mehr aus x rauszuholen, müssen wir y tun.

    Aber davon ab:

    genauer dahinter zu steigen, wie ich ticke
    und was ich aus dieser Erkenntnis für meine Zukunft
    alles Wundervolles machen kann. So war das Buch
    für mich ein wertvolles Geschenk.

    Jep, genau, das ist auch für mich der Segen an diesem Buch: Es hilft, sein Gehirn, sein Denken und damit sich selbst besser zu verstehen. Und was man besser versteht, kann man, genau, auch besser bedienen. ;-)

    Deshalb noch mal: Danke für den Buchtipp. :-)

    LG Heike

  3. Jochen Scheel sagt:

    im Link zum Newsfeed steht “Arikel”

  4. Hallo Herr Scheel,

    *grins*, gut aufgepasst. Und ich kann es noch nicht mal auf die wahnwitzige Hitze schieben, die hier im Moment herrscht. ;-) Herzlichen Dank für die Korrektur.

    Viele Grüße,
    Heike Thormann


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