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Der Mensch – und nicht nur der Mensch – handelt nicht wirklich „frei“, sondern auf der Grundlage sogenannter innerer Bilder, die ihn formen und ihn sich einmal so, einmal so verhalten lassen. Das können biologische Konditionierungen sein, persönliche Überzeugungen oder kulturelle Werte … alles bestimmt unser Wesen und damit unsere Welt. Gerald Hüther erklärt die neurobiologischen Zusammenhänge.

Der Autor von „Die Macht der inneren Bilder“ ist Naturwissenschaftler und Leiter der Zentralstelle für neurobiologische Präventionsforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim / Heidelberg. Das sollte man im Auge behalten, um gerade bei einem Thema wie diesem keine falschen Erwartungen zu hegen und womöglich enttäuscht zu werden.

Denn Hüther erklärt sein Thema neurologisch-biologisch. Dinge, die mich eher interessiert hätten und die ich eher erwartet hätte, muss man sich dagegen aus dem Buch herausziehen.

Das wären zum Beispiel Fragen, wie die inneren Bilder den Menschen prägen, wie sie ihn verändern, wie man selbst im Gegenzug seine Bilder verändern kann und so fort.

Doch nicht als neurobiologische Erkenntnisse, wie was im Gehirn, in den Genen und so weiter funktioniert. Sondern sozusagen „psychologisch motiviert“, praxisbezogen, nachvollziehbar und zum Nachmachen geeignet. 😉

Übrigens: Vom Wort „Visionen“ aus dem Untertitel bitte nicht irreführen lassen. Es geht bei den inneren Bildern eher um Konditionierungen, Überzeugungen, Vorlieben, Abneigungen und anderes mehr. In diesem Buch hat keiner „visionäre Anwandlungen“. 😉

Doch zum Inhalt:

Es geht um „Bilder, die das Leben zeichnet“:

  • Wie innere Bilder geformt werden und entstehen.
  • Wie innere Bilder sich auch kulturell bedingt ablösen. (Ein Beispiel: Der Wegfall vieler kultureller Bilder wie etwa eines Glaubens an höhere Mächte habe nach Hüther zur Reaktivierung alter, biologisch geformter Bilder geführt und diese hätten dann verstärkt animalische oder infantile Verhaltensweisen zur Folge gehabt.)
  • Warum innere Bilder immer neu ergänzt und entwickelt werden müssen, sobald sich die Verhältnisse ändern.
  • Dass es dem Menschen jetzt erstmals möglich sei, seine inneren Bilder gezielt zu beeinflussen.

Es geht um „Bilder, die das Sein bestimmen“: Wie innere Bilder unser Gehirn strukturieren. Wie sie unsere Wahrnehmung lenken. Wie sie unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Wie sie unser Zusammenleben prägen. Wie sie die Welt verändern.

Und es geht um „Bilder, die das Werden lenken“: Bilder, die sich öffnen und erweitern. Bilder, die unflexibel und starr werden. Bilder, die verblassen und verloren gehen.

Zusätzlich bringt Hüther als Einleitung und zum Abschluss je ein persönliches Beispiel. Das finde ich sehr schön, da man den Autor so auch einmal als Mensch wahrnimmt und durch eine persönliche Geschichte lernt.

Weiterführende Literaturhinweise dürfen nicht fehlen.

Wie gesagt, ich finde das Thema und die Inhalte sehr gut und wichtig. Und sicher sind auch die biologischen Erkenntnisse „bahnbrechend“ und legen eine gute Grundlage.

Doch ich muss mir als „Otto-Normal-Leser“ oder eben eher psychologisch interessierter Leser sehr viel aus den neurobiologischen Betrachtungen herausziehen. Ich warte also sozusagen noch auf einen Psychologen, der den Stab hier aufnimmt und ihn eher „anwendungsbezogen“ ergänzt. 😉

Das Layout könnte lesefreundlicher sein. Es gibt zu viel Fließtext, der kaum durch Absätze und Ähnliches aufgelockert wird. Auch Abbildungen, Grafiken und so weiter fehlen.

Fazit: Der Leser muss sich manchmal „durchbeißen“. Doch wenn er das tut, bekommt er ein besseres Bewusstsein dafür, wie unsere inneren Bilder uns selbst und unsere Welt formen und prägen.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 09.02.12

Gerald Hüther, Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern, Göttingen 2010 (6. Auflage von 2004), 137 Seiten

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