Newsletter:
Artikel, Tipps und Downloads
(schon mehr als 13.700 Leser, Mai 2012)
Mein Tipp:

Kostenloses eBook "Best of kreativesdenken.com"

Der Mensch – und nicht nur der Mensch – handelt nicht wirklich “frei”, sondern auf der Grundlage sogenannter innerer Bilder, die ihn formen und ihn sich einmal so, einmal so verhalten lassen. Das können biologische Konditionierungen sein, persönliche Überzeugungen oder kulturelle Werte … alles bestimmt unser Wesen und damit unsere Welt. Gerald Hüther erklärt die neurobiologischen Zusammenhänge.

Der Autor von “Die Macht der inneren Bilder” ist Naturwissenschaftler und Leiter der Zentralstelle für neurobiologische Präventionsforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim / Heidelberg. Das sollte man im Auge behalten, um gerade bei einem Thema wie diesem keine falschen Erwartungen zu hegen und womöglich enttäuscht zu werden.

Denn Hüther erklärt sein Thema neurologisch-biologisch. Dinge, die mich eher interessiert hätten und die ich eher erwartet hätte, muss man sich dagegen aus dem Buch herausziehen.

Das wären zum Beispiel Fragen, wie die inneren Bilder den Menschen prägen, wie sie ihn verändern, wie man selbst im Gegenzug seine Bilder verändern kann und so fort.

Doch nicht als neurobiologische Erkenntnisse, wie was im Gehirn, in den Genen und so weiter funktioniert. Sondern sozusagen “psychologisch motiviert”, praxisbezogen, nachvollziehbar und zum Nachmachen geeignet. ;-)

Übrigens: Vom Wort “Visionen” aus dem Untertitel bitte nicht irreführen lassen. Es geht bei den inneren Bildern eher um Konditionierungen, Überzeugungen, Vorlieben, Abneigungen und anderes mehr. In diesem Buch hat keiner “visionäre Anwandlungen”. ;-)

Doch zum Inhalt:

Es geht um “Bilder, die das Leben zeichnet”:

  • Wie innere Bilder geformt werden und entstehen.
  • Wie innere Bilder sich auch kulturell bedingt ablösen. (Ein Beispiel: Der Wegfall vieler kultureller Bilder wie etwa eines Glaubens an höhere Mächte habe nach Hüther zur Reaktivierung alter, biologisch geformter Bilder geführt und diese hätten dann verstärkt animalische oder infantile Verhaltensweisen zur Folge gehabt.)
  • Warum innere Bilder immer neu ergänzt und entwickelt werden müssen, sobald sich die Verhältnisse ändern.
  • Dass es dem Menschen jetzt erstmals möglich sei, seine inneren Bilder gezielt zu beeinflussen.

Es geht um “Bilder, die das Sein bestimmen”: Wie innere Bilder unser Gehirn strukturieren. Wie sie unsere Wahrnehmung lenken. Wie sie unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Wie sie unser Zusammenleben prägen. Wie sie die Welt verändern.

Und es geht um “Bilder, die das Werden lenken”: Bilder, die sich öffnen und erweitern. Bilder, die unflexibel und starr werden. Bilder, die verblassen und verloren gehen.

Zusätzlich bringt Hüther als Einleitung und zum Abschluss je ein persönliches Beispiel. Das finde ich sehr schön, da man den Autor so auch einmal als Mensch wahrnimmt und durch eine persönliche Geschichte lernt.

Weiterführende Literaturhinweise dürfen nicht fehlen.

Wie gesagt, ich finde das Thema und die Inhalte sehr gut und wichtig. Und sicher sind auch die biologischen Erkenntnisse “bahnbrechend” und legen eine gute Grundlage.

Doch ich muss mir als “Otto-Normal-Leser” oder eben eher psychologisch interessierter Leser sehr viel aus den neurobiologischen Betrachtungen herausziehen. Ich warte also sozusagen noch auf einen Psychologen, der den Stab hier aufnimmt und ihn eher “anwendungsbezogen” ergänzt. ;-)

Das Layout könnte lesefreundlicher sein. Es gibt zu viel Fließtext, der kaum durch Absätze und Ähnliches aufgelockert wird. Auch Abbildungen, Grafiken und so weiter fehlen.

Fazit: Der Leser muss sich manchmal “durchbeißen”. Doch wenn er das tut, bekommt er ein besseres Bewusstsein dafür, wie unsere inneren Bilder uns selbst und unsere Welt formen und prägen.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 09.02.12

Gerald Hüther, Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern, Göttingen 2010 (6. Auflage von 2004), 137 Seiten

Bei amazon bestellen … (Partnerlink)


Unter diesen Schlagworten finden Sie ähnliche Artikel:

, , , , ,

Diesen Artikel auf Facebook, Twitter, Google+ oder Xing empfehlen:


Bleiben Sie auf dem Laufenden - mit meinem Newsletter oder meinem Newsfeed. Beide informieren Sie regelmäßig über neue Artikel und Tipps. Mit dem Newsletter bekommen Sie auch die neuesten Exklusiv-Downloads für Abonnenten. Kostenlos und unverbindlich.

2 Kommentare zu “Gerald Hüther, Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern.”

  1. Jutta Ruschmeyer sagt:

    Liebe Frau Thormann,

    ich stimme Ihnen zu, ich habe das Buch von Hüther ähnlich erlebt, viel anwendungsbezogener und leserfreundlicher finde ich Hüthers Buch “Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn”. Eine Essenz, die ich vom Hirnforscher auf jeden Fall mitnehme: wir denken und fühlen permanent in Bildern.
    Sie schreiben, Sie warten auf den Psychologen, der den Stab aufnimmt und ergänzt. Ich glaube, das hat längst stattgefunden: Durch Wertimaginationen, die Uwe Böschemeyer entwickelt hat.
    Aus eigener Erfahrung kann ich dieses Konzept empfehlen, weil es Menschen durch innere Bilder gut in Kontakt mit ihrer eigenen Kraft bringt.

  2. Hallo Frau Ruschmeyer,

    ## wir denken und fühlen permanent in Bildern ##

    ja beziehungsweise vielleicht auch, um es vom visuellen Denken zu unterscheiden:

    Wir denken – und agieren damit – vor dem Hintergrund jeweils ganz individueller “Bilder”, Glaubenssätze pp., eben Hüthers “Visionen”. Wobei *diese Bilder* teils genetisch bedingt sind / weitergegeben wurden, teils anerzogen sind, teils kulturell, und teils eigene Ausprägungen individueller Erfahrungen.

    ## Ich glaube, das hat längst stattgefunden: Durch Wertimaginationen, die Uwe Böschemeyer entwickelt hat. ##

    Danke für den Buchtipp, das kenne ich noch nicht. Und stimmt, es gibt sicher verschiedene Möglichkeiten, dieses “Denken in Visionen” psychologisch fortzuführen / zu nutzen, einschließlich NLP und Co. Ich meinte diesen Hinweis in der Rezension etwa im Sinne von: Jemand, der sozusagen mit Hüther zusammenarbeitet und seine Erkenntnisse jeweils psychologisch fortsetzt. Vielleicht findet er ja mal einen Co-Autoren dafür. ;-)

    Einen lieben Gruß,
    Heike Thormann

    PS:

    ## viel anwendungsbezogener und leserfreundlicher finde ich Hüthers Buch “Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn” ##

    Das Buch habe ich übrigens hier besprochen: http://www.kreativesdenken.com/buch/gerald-huether-bedienungsanleitung-menschliches-gehirn.html


Testen Sie mal:

Und wie kreativ sind Sie? Testen Sie Ihr kreatives Potenzial.
Ein kostenloser Selbsttest in sieben Teilen.