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Was macht uns aus? Was formt unsere Persönlichkeit? Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Können wir uns ändern? Haben wir überhaupt einen freien Willen? Der Professor für Verhaltensphysiologie Roth geht dieser uralten Frage vor dem Hintergrund der modernen Hirnforschung und Neurobiologie nach.

Was macht einen Menschen aus? Was prägt seine Persönlichkeit? Sind es die Gene oder ist es das Umfeld? Und was ist mit dem freien Willen? Was ist überhaupt Persönlichkeit?

Der Professor für Verhaltensphysiologie geht diese uralte Frage von seiten der Hirnforschung und Neurobiologie an.

Aus dem Inhalt:

Roth startet mit einem Blick in unser Gehirn sowie einem Exkurs zu Methoden der Hirnforschung. Der Leser sollte sich hier auf ein wenig „Fach-Chinesisch“ gefasst machen. Zwar relativ gut verständlich, aber eben doch „Fach-Chinesisch“.

Danach sind unser Bewusstes und unser Unbewusstes dran. Was sind sie und wie funktionieren sie?

Wo „sitzen“ unsere verschiedenen Persönlichkeitsformen: Das vegetativ-affektive Verhalten, das unbewusste Selbst, das kognitiv-kommunikative Ich und das individuell-soziale Ich. Was kann man mit Erziehung erreichen? Und wo stoßen wir an ihre Grenzen, wenn die Gene das Ruder übernehmen?

Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Wo „sitzen“ unser Verstand und unsere Vernunft? Was sind Gefühle und wo „sitzen“ sie? Welche Kontrolle haben wir über unseren Willen? Und sollten wir nun besser auf unseren Bauch / die Intuition oder unsere Vernunft hören?

Wie veränderbar ist der Mensch? Unsere motorischen Fähigkeiten sind auch in höherem Alter noch veränderbar. Bei unseren kognitiven-intellektuellen Fähigkeiten geht es schon mit 50 bergab. Und auf unsere Persönlichkeit und Emotionalität haben wir nach Roth in späteren Jahren nur noch sehr wenig Einfluss.

Was sagt die Lernpsychologie darüber, ob und wie wir unser Verhalten ändern können? Neben verschiedenen Methoden gibt Roth hier zu bedenken, dass unsere unbewussten Motive und unsere bewussten Ziele kongruent sein müssen. Das heißt, wir ändern unser Verhalten nur dann, wenn das eine wesentlich stärkere Belohnung verspricht, als am Alten und Gewohnten festzuhalten.

Warum ist es so schwierig, andere und uns selbst zu verstehen? Jeder lebt in seiner eigenen Welt. Und wir alle haben blinde Flecken, wo wir das Unbewusste nicht bewusst wahrnehmen können. Zudem greifen wir oft zu Selbsttäuschungen, um uns und unser Selbstbild vor Verletzungen zu schützen. Andere können dafür diesem Unbewussten über unsere Kommunikation und unser Verhalten deutlich besser auf die Spur kommen.

Was können wir tun, um andere zu ändern? Und was können wir tun, um uns selbst zu ändern? Nach Roth verändern wir uns wirklich tiefgreifend nur bei sehr starken externen Auslösern wie Lebenskrisen oder bei einer besonderen „affektiv-emotionalen Situation“. Und selbst dann kehren viele allmählich wieder in den alten Zustand zurück.

So, und wie war das jetzt mit dem freien Willen, wenn doch vieles durch Gehirn, Gene und so fort vorgegeben ist?

Zum Schluss gibt es noch ein Literaturverzeichnis, ein Personenregister und ein Sachregister.

Laut Vorwort soll das Buch eine Antwort auf zwei Fragen sein:

  • „Wie soll ich mich entscheiden? Soll ich eher meinem Verstand oder eher meinen Gefühlen folgen?“

und

  • „Wie schaffe ich es, Menschen so zu verändern, dass sie das tun, was ich von ihnen will? Und wie schaffe ich es, mich selbst zu ändern?“

Diese Zweiteilung tut dem Buch meines Erachtens nicht besonders gut. Dadurch zerfällt das Buch etwas, das große Runde bleibt aus. Man wird von Kapitel zu Kapitel immer ein bisschen in andere Themen geworfen.

Zudem schweift das Buch zum Schluss etwas in Richtung Führungskräfte und Unternehmensberatung ab. Roth geht hier der Frage nach, ob und wie man Mitarbeiter „erziehen“ und verändern kann. Doch es wird aus dem bisher Gesagten nicht klar, warum jetzt ausgerechnet die Mitarbeiter im Fokus stehen sollen.

Das Buch ist gut und verständlich bis leicht verständlich geschrieben. Es bietet sehr interessante und wichtige Informationen. Allerdings geht für mich auch vieles wieder verloren, weil der rote Faden und die Argumentationslinie fehlen beziehungsweise stärker hätten herausgearbeitet werden können.

Und offenbar ist der Autor eher pessimistisch, was die Veränderbarkeit des Menschen angeht. Er bezieht Stellung gegen den seit einiger Zeit schon fast zum Kult gewordenen „Erziehungs-Optimismus“, nach dem jeder könne, wenn er nur wolle. Er glaubt, dass Menschen sehr viel weniger veränderbar sind, als es gemeinhin angenommen wird beziehungsweise als es für salonfähig gilt, das zu glauben.

Was ich selbst glaube? Nun, ich weiß, dass Menschen sich ändern können. Ich kann es an mir selbst sehen. Doch nicht beliebig, es sei denn, unter extrem starkem Druck (Gehirnwäsche, Terror, Angst) oder medikamentellem Einfluss. Und selbst dann wird noch jeder seinen eigenen Mustern folgen. Die Frage bleibt also weiterhin aktuell und spannend. 😉

Fazit: Wichtige Themen, nützliche Informationen. Allerdings nicht immer leicht zu verfolgen. Gut für alle, die sich „durchwühlen“ wollen.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 30.05.12

Gerhard Roth, Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten. Warum es so schwer ist, sich und andere zu ändern, Stuttgart 2009 (5. Auflage von 2007), 395 Seiten

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