Günter Faltin, Kopf schlägt Kapital. Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen.
von Heike Thormann
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Der Unternehmer und Professor für Entrepreneurship Günter Faltin ist der Meinung: Um ein Unternehmen zu gründen, braucht es nicht die üblichen Millionen-Investitionen. Es braucht auch keine überlasteten „Selbst-und-Ständig“-Gründer. Alles, was man braucht, sind eine Idee und ein kreatives Konzept.
Unsere Gesellschaft braucht Gründer. Davon ist der Autor Günter Faltin zutiefst überzeugt. Doch wer macht sich schon freiwillig selbstständig, wenn eine wahnwitzige Arbeit, 80-Stunden-Wochen und bei Misserfolg am Ende womöglich der Bankrott drohen.
Seine Antwort lautet daher: Es muss auch möglich sein, ein Unternehmen zu gründen, ohne in Arbeit zu ertrinken oder sich bis über beide Ohren zu verschulden beziehungsweise Kapital zu verlieren.
Seine These ist, dass ein junger Unternehmer nicht alles selbst machen, selbst wissen und sich um Kopf und Kragen arbeiten muss. Er muss keine betriebswirtschaftliche (Zusatz-) Ausbildung durchlaufen und von Buchhaltung bis Versand alles in eigener Person übernehmen. Er muss auch keine größeren Investitionen tätigen.
Alles, was ein Gründer braucht, sei eine Idee und ein Konzept. An diesem Konzept müsse man ständig feilen, um es marktfähig zu machen und zu halten. Den Rest seines Unternehmens könne man aus „Komponenten“ zusammenstellen.
Diese „Komponenten“ oder externen Dienstleister, Firmen, Anbieter übernehmen alles von besagter Buchhaltung bis zum Versand. Und da eine Komponente immer nur dann tätig wird, wenn auch tatsächlich Arbeit anliegt, Kundenbestellungen eingegangen sind und so weiter, brauche der Existenzgründer fast kein Startkapital mehr. Das Risiko, gleich seine ganze Existenz zu gefährden, sei deutlich geringer.
Dass das Ganze nicht nur schöne Theorie ist, zeigt der Autor an seinem eigenen Beispiel. Er ist seit 1995 mit seinem Unternehmen Marktführer im Teeversandhandel. Zudem lehrt er Unternehmensgründung an der freien Universität Berlin und ist als Business Angel tätig.
Zu den Inhalten von „Kopf schlägt Kapital. Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen“ gehören:
- Das Unternehmen des Autors als Fallstudie und warum Erfolg eine Frage eines sorgfältig durchdachten Konzepts ist
- Weitere „konzept-kreative“ Gründungen als zusätzliche Beispiele
- Warum es lohnt, eine Geschäftsidee nicht nur zu finden, sondern sie permanent weiterzuentwickeln, und was ein gutes unternehmerisches Konzept leisten muss
- Wie man der Überforderungsfalle entgeht, alles selbst und ständig tun zu müssen, und sein Unternehmen aus Komponenten aufbaut
- Wie man an Konzept und Unternehmen feilt, wächst und „im Konzert der Großen mitspielt“
- Was Entrepreneurship und Selbstständigkeit mit der Person des Unternehmers zu tun haben
- Warum man sich von blockierenden Denkgewohnheiten verabschieden sollte und wie man in die Zukunft weitergehen kann.
Im Anhang gibt es noch ein Interview mit dem Friedensnobelpreis-Träger Muhammad Yunus, der mit seiner Idee von Kleinstkrediten arme Menschen der dritten Welt zu erfolgreichen Kleinunternehmern machte.
Umfangreiche Anmerkungen samt Literaturverzeichnis schließen das Buch ab.
Das Buch richtet sich weniger an Freiberufler, die auf Auftragsbasis arbeiten. Es ist eher auf „klassische“ Unternehmer zugeschnitten, die Produkte vertreiben, die Dienstleistungen Dritter anbieten oder Ähnliches mehr.
Daher erklärt sich auch, warum Faltin immer wieder auf seine Idee der Komponenten zurückkommt, die es einem erspart, alles mit hohem Kapitalaufwand selbst aufbauen zu müssen. Wer auf Auftragsbasis arbeitet, tätigt in der Regel nur wenige Investitionen, hat aber auch nur wenig auszulagern.
Insofern finde ich seine Sicht etwas einseitig. Oder genauer: Freiberufler wären nach dieser Definition wohl keine Unternehmer.
Auch die Aussage „es braucht kaum Kapital“ wäre meines Erachtens eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Sicher, es braucht keine Millionen-Investitionen. Doch es braucht ganz sicher eine Möglichkeit, die erste Anlaufzeit und die Durststrecken zu überbrücken, wenn man nicht gleich einen kompletten Kundenstamm mitbringt, sein Produkt nicht sofort am Markt einschlägt oder Ähnliches mehr.
Wobei ich Faltin durchaus Recht gebe: Das Konzept IST wichtiger als das Kapital. Denn wenn ein Konzept nicht schlüssig ist, hilft meist auch das Kapital nicht weiter.
Und ich würde mich doch zumindest im Groben in den betriebswirtschaftlichen Abläufen auskennen wollen. Allein schon, um die Arbeit anderer beurteilen und besser steuern zu können.
Fazit: Von einigen „Lücken“ abgesehen, die an seiner Perspektive liegen, viele wichtige Impulse für alle, die ein Unternehmen gründen wollen. Mit Ideen und einem kreativen Konzept statt dem großen Kapitaleinsatz.
© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 26.07.10
Günter Faltin, Kopf schlägt Kapital. Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen. Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein. München 2009, 6. überarbeitete und aktualisierte Auflage von 2008, 252 Seiten
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4 Kommentare zu “Günter Faltin, Kopf schlägt Kapital. Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen.”



Vielen Dank für den ausführlichen Literaturtipp. Habe mir danach die Hörbuchversion bestellt und in einem Rutsch im Auto durchgehört. Bin schwer begeistert und kann das Buch nur empfehlen.
http://tinyurl.com/26dbk8e
Hallo Herr Hansen,
schön, wenn Ihnen das Buch (oder Hörbuch) gefallen hat. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg damit!
Viele Grüße,
Heike Thormann
Hallo Frau Thormann,
natürlich sind Freiberufler mit Auftragsbasis auch für Faltin UnternehmerInnen. Der Punkt ist, dass jedoch auch bei diesen die sogenannte “Kleinigkeiten” (Buchhaltung, Forderungsmanagement, usw.) nach und nach zunehmen und sie sich voll in einem 14 Stunden Tag wiederfinden – und genau das ist kontraproduktiv
.
Bezüglich Startkapital:
Faltin empfiehlt auf jeden Fall unter Euro 5.000,- zu bleiben. Das ist das Ziel und regt die Kreativität zusätzlich an nach dem Motto: “Not macht erfinderisch”. Zusätzlich: Falls es nicht funktioniert hat ist nicht mehr investiert, als für eine gute Ausbildung – diese ist halt eine mit dem Thema “learning by doing”.
Zusätzlich ist es besonder empfehlenswert, wenn man nicht gleich seinen jetzigen Job kündigt, sondern anfänglich 2gleisig fährt. Für etwaige arbeitslose GründerInnen, stehen auch spezielle Förderprogramme zur Verfügung.
Ich denke: Man muss es letztendlich einfach probieren, sonst wird man selbst nicht erfahren, ob es funktioniert hätte – “Hätte kommt von habe nicht…”.
Alles Gute und schöne Grüße,
Sylvia Schullerer
Hallo Frau Schullerer,
Der Punkt ist, dass jedoch auch bei diesen die sogenannte
.
“Kleinigkeiten” (Buchhaltung, Forderungsmanagement, usw.) nach
und nach zunehmen und sie sich voll in einem 14 Stunden Tag
wiederfinden – und genau das ist kontraproduktiv
ja, das stimmt. Und das ist in der Tat kontraproduktiv.
Wobei es noch davon abhängt, ob man für einige größere Auftraggeber oder für viele kleine Auftraggeber oder im Endkunden-Geschäft arbeitet. Und wie Sie sagen: Bei den Freiberuflern nimmt diese Art der Belastung in der Regel erst mit längerer Selbstständigkeit / größerem Erfolg zu. Sie hat mit der eigentlichen Gründung nicht so viel zu tun. Hier kann man dann auslagern oder die Art seiner Tätigkeit zuschneiden, so dass sie rentabler wird und weniger Arbeit macht.
Faltin empfiehlt auf jeden Fall unter Euro 5.000,- zu bleiben.
Das ist das Ziel und regt die Kreativität zusätzlich an nach dem Motto:
“Not macht erfinderisch”.
Ja, Not macht erfinderisch. Das ist erwiesen, und das kann Ihnen jedes Straßenkind oder “Kind kleiner Leute” bestätigen, das gelernt hat, dank seiner Kreativität aus wenig viel zu machen und zu überleben.
Erwiesen ist allerdings auch, dass im Allgemeinen Not, Angst, Druck, Sorgen für die Kreativität eher abträglich sind. Sie rufen den berühmten Tunnelblick hervor, engen die Wahrnehmung und die Möglichkeiten ein. (Mental und tatsächlich.) Es heißt auch: Wenn ein Unternehmen kreative Ideen haben möchte, sollte es sein Kreativ-Team von allen Sorgen befreien und es nach Herzenslust “spielen lassen”.
Eine Beschränkung ist allerdings ganz nützlich, um den Fokus auf das absolut Notwendige zu richten. Auf das, was wichtig ist, oder was am meisten abwirft.
Zusätzlich ist es besonder empfehlenswert, wenn man
nicht gleich seinen jetzigen Job kündigt, sondern anfänglich
2gleisig fährt. Für etwaige arbeitslose GründerInnen, stehen
auch spezielle Förderprogramme zur Verfügung.
Stimmt, ja, das ist immer empfehlenswert. Man muss nur aufpassen, dass man den Spagat Job und Selbstständigkeit hinbekommt, das eine nicht durch das andere leidet.
Mir ging es darum, noch einmal klar herauszustellen, dass es in aller Regel leider nicht ganz ohne Kapital / “Existenzsicherung” geht. Egal, woher oder in welcher Form man es bezieht.
Ich sage das aus eigener Erfahrung. Denn ich bin in der Tat ohne Kapital gestartet und hatte nur einen kleinen Dispo-Kredit sowie eine Förderung durch die sog. “Ich-AG”. Es geht, auch unter solchen Bedingungen. Man braucht nur das erwähnte kreative Konzept und ziemlich starke Nerven.
Und ich hatte das Glück, auf einen sehr guten Lehrer zu stoßen, der mich noch vieles gelehrt hat. Doch man zahlt einen Preis. Deshalb würde ich jedem raten, auf eine vernünftige Kapitalbasis zu achten.
Faltin empfiehlt auf jeden Fall unter Euro 5.000,- zu bleiben.
Ja, das ist – je nach Vorhaben – sicher richtig und empfehlenswert. Ich kenne genug Gründer, die dank zu hoher Fremdkapital-Belastung die ersten Jahre buchstäblich keine Nacht vor Sorgen durchgeschlafen haben. Zumal, wenn man noch die Verantwortung für eine Familie trägt.
Ich denke: Man muss es letztendlich einfach probieren,
sonst wird man selbst nicht erfahren, ob es funktioniert hätte
– “Hätte kommt von habe nicht…”.
In jedem Fall. Ich unterschreibe voll und ganz. Ich habe mich neulich noch gefragt, ob ich es heute noch einmal tun würde. Trotz der harten ersten Jahre. Und ja, ich würde es tun. Immer wieder.
Viele Grüße,
Heike Thormann
PS: Den angegebenen Link habe ich entfernt. Er führte ins Leere. Bitte ggf. noch mal erneuern.