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Körperliche Schmerzen und Erkrankungen sind nicht nur lästiges Übel oder massive Beeinträchtigung des Lebens. Manchmal sind sie auch eine Botschaft. Dann sind sie der Versuch unseres Körpers zu sagen, hallo, hier stimmt etwas nicht, sorge bitte besser für dich und für mich. Die Psychologin und Psychotherapeutin Hanne Seemann zeigt die Zusammenhänge und nennt erste Lösungsansätze.

Ich möchte Ihnen zum Einstieg in diese Rezension eine kleine Geschichte erzählen.

Eine Bekannte von mir, Kosmetikerin, Masseuse, Pilates-Lehrerin, verließ für Ausbildung und Studium die kleine Stadt, in der sie wie ich groß geworden war. Sie ging in eine der großen Metropolen des Ruhrgebiets. Nach etwa einem Jahr bekam sie einen starken Hautausschlag, der einfach nicht heilen wollte. Sie brach ihre Ausbildung ab und kehrte nach Hause zurück. Der Hautausschlag verschwand.

Ihr Körper kommunizierte mit ihr über die Krankheit: Ich fühle mich hier nicht wohl, ich will hier weg. Und da meine Bekannte aus einer Familie mit naturmedizinischer Tradition kam, wusste sie diese Signale einzuschätzen. Sie hörte auf ihren Körper, die Krankheit verschwand.

Ich könnte Ihnen weitere Fälle wie diesen schildern, von TeilnehmerInnen, aus meinem sozialen Umfeld und von mir selbst. Der Kern ist immer der Gleiche: Man handelt gegen sein Wohl und der Körper reagiert darauf mit Krankheitssymptomen. Wenn man Glück hat, erkennt man die Zusammenhänge und führt Veränderungen herbei. Und wenn man weiter Glück hat, verschwindet die Krankheit wieder. Allerdings ist das keine Garantie. Wenn die Schäden zu gravierend sind, bleiben sie leider mitunter auch.

Dies ist auch das Thema des vorliegenden Buches „Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen“ von Hanne Seemann. Die Autorin ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie hat sich unter anderem auf psychosomatische Erkrankungen und Störungen spezialisiert, gibt dazu Seminare und schreibt Bücher.

In unserer Leistungsgesellschaft haben Körper und körperliches Wohl oft nicht viel zu melden. Wenn wir unserem Körper Aufmerksamkeit schenken, dann in Form von Diäten, Schönheits-Maßnahmen und Fitness-Trainings. Ansonsten hat er zu funktionieren und zu tun, was wir von ihm wollen. Werden wir einmal unsanft durch Erkrankungen darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht ganz so geht wie gedacht, nehmen wir unseren Körper eher als Spielverderber oder sogar als Feind wahr. Die Kopfschmerztablette soll uns wieder fit für die Party machen und selbst viele Ärzte speisen ihre Patienten in erster Linie mit Medikamenten ab, die sie möglichst schnell wieder „funktionstüchtig“ machen sollen.

Doch viele Krankheiten sind kein Betriebsunfall, lästige Störung oder heimtückische Geißel, sie sind der Versuch unseres Unbewussten und unseres körperlichen Selbsts, mit uns – und damit meine ich mit unserem bewussten Verstand und Willen – zu kommunizieren. Sie sind eine Botschaft, sie haben eine Bedeutung.

Mit diesem Zusammenhang zwischen auslösenden Ursachen und „Kommunikationsversuch“ unseres Körpers befasst sich Hanne Seemanns Buch. Zum einen geht es ihr darum, auf diese Tatsache aufmerksam zu machen, selbst viele Ärzte und Therapeuten sind hier oft, immer noch nicht, bewusst und geschult genug. Und zum anderen präsentiert sie auch erste Lösungsansätze, wie man psychosomatischen Schmerzen und Erkrankungen vorbeugen sowie die Kommunikation zwischen Körper und Ich verbessern kann.

Aus dem Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort
  • Einführung und Überblick
  • Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen
  • Höre ich, was der Körper fordert? Gebe ich ihm, was er braucht?
  • Das vegetative Nervensystem
  • Typen psychosomatischer Rhythmusstörungen
    • Das Anspannungssyndrom
    • Die vegetative Entgleisung
    • Chronische Erschöpfungssyndrome
    • Körpergedächtnissymptome
  • Das psychosomatische Symptom als Protest und als Forderung
  • Suchen, was fehlt
  • Wünschen lernen
  • Polaritäten und Balance
  • Hypnotherapeutische Praxis
  • Literatur

Natürlich sind längst nicht alle körperlichen Schmerzen und Erkrankungen eine „Botschaft“. Und selbst wenn sie eine Bedeutung haben sollten wie zum Beispiel im Sinne von „du hättest doch besser nicht rauchen sollen“, müssen sie noch lange kein „Kommunikationsversuch“ sein. Doch gerade psychosomatische Erkrankungen sind oft ein Hinweis auf etwas, was für uns nicht stimmig ist. Und diese nehmen seit Jahren sprunghaft zu – je mehr wir auf die Außenwelt schielen und zu wenig auf unsere Innenwelt hören.

Hilfreich wäre es, beides zu versöhnen, besser auf sich und sein Wohl zu achten, das zu erkennen, was man für sich braucht, was einen sich gut fühlen lässt, genauso wie das, was einem schadet und sich krank fühlen lässt, das Eigene zu leben und wieder in seine Spur zu finden – und natürlich auch, diese Erkenntnisse anschließend umsetzen zu können ;-).

Zum Schluss geht die Autorin noch auf die Abläufe und Prinzipien einer (Hypno-) Therapie ein und nennt erste Ansätze und Methoden, mit denen Patienten sich selbst helfen können.

Ich finde das Buch verständlich geschrieben, auch wenn es kein Ratgeber ist und sich nicht an die Allgemeinheit wendet. Praktisch umsetzbare Tipps werden Sie hier kaum finden, dafür eine schlüssige und anschauliche Darstellung der Zusammenhänge sowie Denkansätze, die zum eigenen Reflektieren einladen.

Fazit: Unser Körper ist nicht nur ausführendes Organ, er will auch liebevoll umsorgt und behandelt werden. Und mehr noch: Er ist überdies eine Stimme unseres Unbewussten, die zeigt, was gut für uns ist und was nicht. Für alle, die von diesen Zusammenhängen wenig oder gar keine Ahnung haben, wird dieses Buch ein Augenöffner sein.

© 2017 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 18.11.17

Hanne Seemann, Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen. Über den Umgang mit psychosomatischen Schmerzen. Stuttgart 2011 (8. Auflage von 2007), 208 Seiten

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