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Wie wird ein Unternehmen innovativ? Nun, einer der wichtigsten Innovationstreiber sind sicher seine Führungskräfte. Und auch das Denken und die Herangehensweise von Managern und Mitarbeitern sind entscheidend. Was erfolgreiche Innovatoren ausmacht und wie man mit Kreativität seine Nase vorn haben kann, zeigt der Berater Jens-Uwe Meyer. Übrigens: Auch für Selbstständige und Unternehmer ist sein Buch interessant.

Oh, ein provokanter Titel: Kreativ trotz Krawatte. 😉 Der Autor Jens-Uwe Meyer sagt gleich, was Sache ist und worum es ihm geht.

Manager sind angesprochen, Führungskräfte, Anzugträger. Leute, die offenbar nicht von Haus aus kreativ sind oder denen diese Kreativität von den Bedingungen in den Unternehmen abgewöhnt wird.

Doch Manager und Führungskräfte sind auch diejenigen, die diese kreative und innovative Kultur in den Unternehmen oft erst möglich machen (können). In diesem Buch erfahren sie, warum sie das für ihr Unternehmen tun sollten, und wie sie dazu vorgehen können.

Nebenbei: Dieses Buch ist nicht nur für Manager interessant, sondern mit fast allen Kapiteln auch für Selbstständige und Unternehmer. Deshalb Augen auf, auch wenn Sie kein Manager sein sollten.

Der Unternehmensberater und Lehrbeauftragte für Corporate Creativity Meyer startet sehr anschaulich mit einigen Beispielen, „was die weltweit innovativsten Unternehmen anders machen“.

Er analysiert, was Top-Unternehmen wie Apple, Amazon, Google, Microsoft, McDonalds, Nintendo, Fiat, Intel und so weiter tun, um Kreativität und Innovation in ihren Unternehmen zu fördern.

Das kann die Risiko- und Experimentierkultur von Apple sein, die mit ihrer Nase den jetzigen Kundenbedürfnissen immer einen Tick voraus sind. Das können Kriterien zur Mitarbeiterauswahl sein, Denk- und Arbeitsstrukturen, bestimmte Werte, eine kreative Streitkultur, eine „Lizenz zum Träumen“ und anderes mehr.

Ebenso anschaulich geht es im nächsten Kapitel weiter. Er bringt das Beispiel von Bionade und seinem Risiko-Produkt, der Fruchtsorte Quitte, die in sämtlichen Marktforschungen und Kundenbefragungen gnadenlos durchfiel. Bionade hielt gegen sämtliche Regeln daran fest und landete einen Mega-Hit, den kein Nachahmer erreichen konnte.

Was machen diese „Quittendenker“ anders als traditionelle „Erdbeerdenker“? (Erdbeere von „alle lieben Erdbeer“. ;-)) Sie kopieren andere nicht, und richten sich ebensowenig nach den Konsumenten. Sie führen und geben vor, sie folgen nicht. Sie haben Visionen und klammern sich nicht an Statistiken. Natürlich leben sie riskant und fallen öfter auf die Nase, doch der anschließende Erfolg macht das jedes Mal wieder wett.

Dazu müssen „Quittendenker“ allerdings erst einmal ihr Denken in die Pflicht nehmen. Denn im Normalfall meiden wir alles, was unsere bewährten automatischen Denkprozesse stört. Kreativität ist ein permanenter Ausnahme-Zustand und, samt der durch sie angestoßenen Veränderungen, einigermaßen anstrengend.

Immer wieder nett sind einige folgende Denkblockaden und „Irrtümer über Kreativität“, die sicher noch in so manchem Kopf herumspuken.

Kreativität ist eben nicht gleich beispielsweise kreatives Chaos, Brainstorming und Kreativitätstechniken.

Um gute Ideen zu finden, muss man zunächst einmal die Probleme erkennen und eine Idee überdies bis in alle Einzelheiten durchdenken und ausarbeiten. Kreativitätstechniken scheitern, wenn das breite, interdisziplinäre Wissen nicht da ist, das sie kombinieren wollen. Und Kreativität und strategisches Vorgehen widersprechen sich nicht, sondern gehören zusammen.

Diese kreative Strategie kann man durchaus gezielt verfolgen. Auch dazu gibt Meyer Tipps, wie etwa

  • nicht blind von einigen Innovatoren zu klauen, so dass nur noch Gleichförmigkeit herrscht
  • sondern die Ideen anderer aufzugreifen und weiterzuführen, so dass sie zu etwas eigenem, Einzigartigem werden
  • zukunftsträchtige Visionen zu entwickeln
  • sich permanent selbst zu verbessern

und anderes mehr.

Das nächste Kapitel können sich Einzel-Unternehmer sparen. Hier sollen „Checklisten“ Führungskräften helfen, das kreative und innovative Potenzial ihrer Mitarbeiter zu erkennen und besser zu nutzen. Ich persönlich finde sie nicht ganz so, sagen wir, aufregend. 😉 Doch als Blaupause können sie nützlich sein, um Mitarbeiter besser einschätzen zu können.

Und auch der Führungsstil ist entscheidend, um zu einem innovativen Unternehmen zu werden. Hier sollten sich Manager zum Beispiel fragen, wie sich die kreative Leidenschaft ihrer Mitarbeiter für das Unternehmen nutzen lässt. Sie sollten lediglich Ziele vorgeben, statt mit Regeln einzuengen. Sie sollten ihre Mitarbeiter fördern, ihren Horizont zu erweitern. Und anderes mehr.

Es dürfte vermutlich immer noch genug Manager geben, die davon noch nie etwas gehört oder es zumindest nicht (genug) umgesetzt haben.

Zum Schluss gibt es noch ein paar Tipps für Innovations-Workshops und Kreativ-Konferenzen. Auf diese hätte ich entweder verzichten können oder ich hätte sie ausgebaut. So, wie sie sind, machen sie sozusagen gerade Appetit, ohne ihn zu stillen. 😉 Doch das ist Geschmackssache.

Und das letzte kurze Kapitel „Was nützt Kreativtät“ hätte ich an den Anfang gestellt, um den Leser darauf einzustimmen. Wer es am Ende des Buches immer noch nicht weiß, hat entweder hinten angefangen zu lesen, oder er hat das Buch nicht verstanden. 😉

Das Ganze ist, wie bei allen Büchern von Jens-Uwe Meyer, gut und leicht verständlich geschrieben. Mit vielen anschaulichen, konkreten Beispielen. Auch in der Struktur finde ich es gut nachvollziehbar.

Fazit: Wie werden Manager und Unternehmen denn nun innovativ? Jens-Uwe Meyer gibt eine gute Steilvorlage.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 11.10.2010

Jens-Uwe Meyer, Kreativ trotz Krawatte. Vom Manager zum Katalysator – Wie Sie eine Innovationskultur aufbauen. Göttingen 2010, 240 Seiten

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