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Wer seiner Berufung oder Bestimmung folgt, ist oft glücklicher in der Arbeit, ja sogar im Leben. Doch seine Berufung zu finden ist nicht leicht; viele Menschen erreichen diese erst nach einem Leben voller Irrungen und Wirrungen. Die Journalistin Katharina Pavlustyk hat Experten interviewt, die zeigen, wie man seine Berufung finden kann. Eine davon bin ich. 😉

Hier ist wieder einmal ein Buch, für das ich einen Beitrag beigesteuert habe und beisteuern durfte – in diesem Fall ein Interview und Auszüge aus meinem Artikel „12 Tipps, wie Sie auf kreative Art Ihre Bestimmung finden“.

Die Autorin von „Liebe deine Arbeit – Experten zeigen Wege zur Berufung“, Katharina Pavlustyk, war mehrere Jahre angestellte Journalistin und PR-Texterin, bis sie sich 2016 mit diesen Tätigkeiten selbstständig machte. Sie ist selbst durch einen Prozess von Unzufriedenheit und Unglücklichsein gegangen, immer auf der Suche nach dem, was das ihre ist. Heute ist sie glücklich mit ihrer Selbstständigkeit und bloggt überdies zu Berufung, Glück, Zufriedenheit, interviewt Menschen, die ihr (berufliches) Glück gefunden haben.

Für das vorliegende Buch hat sie 17 Experten interviewt, die sich auf die eine oder andere Weise mit Berufung befassen, meist in Form von Training und Coaching, und die oft selbst lange auf der Suche nach ihrer eigenen Berufung waren. Wie gesagt, eine davon bin ich.

Sie vereint eine breite Palette an Experten: Von eher (hoch-) sensiblen Menschen über spirituelle, kreative, akademische Richtungen bis zu eher „klassischen“ Vertretern des Leistungsgedankens und Freunden körperlicher Fitness.

Ihr Schwerpunkt liegt auf der beruflichen Berufung, weil das das ist, womit wir oft die meiste Zeit verbringen. Hier unglücklich zu sein, kann das ganze Leben überschatten. Aber einzelne Experten betonen auch, dass viele Menschen um der finanziellen Sicherheit willen durchaus irgendeinem Beruf nachgehen und sich den Ausgleich im Privaten und Persönlichen holen. Und das ist auch meine Erfahrung.

„Liebe deine Arbeit“ ist nach folgendem Grundmuster aufgebaut:

  • Jeder Experte erzählt zunächst etwas über seinen persönlichen Lebensweg und seine eigene Erfahrung mit der Suche nach der Berufung.
  • Danach gibt jeder Experte Tipps, wie man seine Berufung finden kann.
  • Beides ist von der Autorin nach Art journalistischer Interviews zusammengefasst.
  • Im Anschluss extrahiert die Autorin aus jedem Interview einige prägnante Tipps.
  • Zuletzt stellt sie jeden Experten kurz mit weiteren Lernmöglichkeiten vor.

Manche Tipps begegnen im Buch immer wieder, andere sind verschieden, je nach Ansatz und Persönlichkeit des Interviewten. Thematisch passende Grafiken leiten jedes Interview ein.

Was ist eigentlich eine Berufung?

Schon bei dieser Frage wird zwar die Ähnlichkeit, aber auch das breite Spektrum der im Buch vorgestellten Meinungen deutlich. Es fallen Antworten wie:

  • Die Berufung ist ein Ruf und Ausdruck der einem von Gott gegebenen Talente.
  • Berufung ist das eigene, ganz spezielle Potenzial, die individuellen Gaben und Talente.
  • Die Berufung ist der eigene Lebensweg als Mischung aus Wollen, Können und der eigenen Persönlichkeit, sie spiegelt die individuellen Bedürfnisse und Motive wider.
  • Die Berufung ist ein innerer Ruf und ein Sehnen, genau dort zu sein, wo man hingehört, das zu tun, was einen ausmacht, und der zu sein, der man im Innersten sein möchte.
  • Die Berufung ist eine Lebensaufgabe und eine Form von Persönlichkeitsentwicklung. Sie ruft dazu auf, „die beste Version seiner selbst zu werden“, sein volles Potenzial zu leben.
  • Mit seiner Berufung tut man das für die Gemeinschaft, was man selbst am besten kann.
  • Die Berufung kann in einen Beruf einmünden, aber auch das sein, womit man sich im Leben gern beschäftigen möchte, was einem Freude und Spaß macht.

Jemand kann auch mehrere Berufungen gleichzeitig beziehungsweise hintereinander haben, die jeweils Ausdruck seiner Entwicklung sind. Die Berufung gibt einem ein Gefühl der Erfüllung und das Gefühl, „angekommen“ zu sein. Sie ist höchst individuell, jeder hat eine andere. Eine Berufung ist sozusagen „Selbstliebe in Aktion“, das Leben zu leben, das man leben möchte.

Etliche Experten sagen, dass es ohne Berufung nicht geht, dass jeder eine habe, sie nur vielleicht nicht lebe. Eher wenige Experten differenzieren zum Beispiel à la „es geht auch ohne Berufung; aber wenn du ein Sehnen verspürst, dann gehe diesem nach“. Ich denke, dass das wohl eine Frage der Definition ist. Sofern man unter Berufung aber etwas Allgemeineres versteht wie „lebe das, was dir gut tut, was dir Spaß macht und was dich glücklich macht“ stimme ich einer Behauptung im Sinne von „jeder hat den Drang nach einer Berufung“ hundertprozentig zu.

Tipps zur Berufungsfindung: Häufige Gemeinsamkeiten der Experten

Grundsätzlich gilt:

Nimm dir Zeit für dich selbst, geh in die Stille, meditiere, höre in dich hinein.

Achte auf eine gute Mischung von beidem: Analysiere / reflektiere und nimm wahr / fühle.

Für die Analyse:

Erkenne deine Interessen, Fähigkeiten, Stärken, Motivationen von der Kindheit bis heute. Erkenne deine Träume und Wünsche von der Kindheit bis heute.

Mache eine Potenzialanalyse, erkenne deine Stärken. Überlege: Was fällt dir leicht? Was begeistert dich? In welchen Situationen warst / bist du glücklich?

Mache eine Standortanalyse, nimm dein heutiges Ich und heutiges Leben unter die Lupe. Finde Antworten auf Fragen wie: Was ist mir wichtig? Was will ich? Was brauche ich? Wer bin ich?

Mache eine biografische Analyse, analysiere dein vergangenes Leben. Suche nach Mustern und rotem Faden in deiner Biografie.

Für die Wahrnehmung:

Sei achtsam, trainiere deine Selbst- und Körperwahrnehmung, achte auf deine Gefühle, lausche auf deine innere Stimme. Was fühlt sich gut, richtig und stimmig an?

Achte auf Resonanzen und Flow: In welchen Momenten und Situationen fühlst du dich wohl und glücklich? Was macht dir Freude? Was gibt dir Kraft und Energie?

Überdies kann hilfreich sein:

Bitte andere um Feedback und eine Einschätzung. Oft sieht man sich selbst nicht gut genug, lass dir von anderen und von Experten helfen. Finde Gleichgesinnte für die Suche und den Weg.

Lass dir Zeit mit der Suche. Brich nichts übers Knie, versuche nicht, etwas zu erzwingen. Die Berufung ist auch ein Prozess der eigenen Entwicklung, der das ganze Leben andauert.

Sei liebevoll mit dir selbst, überfordere dich nicht, gehe bei der Suche Schritt für Schritt vor. Und sorge für dich und deine eigenen Wünsche, opfere dich nicht für andere auf.

Sei offen für Neues, probiere mal etwas aus, schau, was dich davon anspricht. Folge Impulsen.

Wirf nicht gleich alles hin, lasse Sicherheiten nicht außer Acht, achte auf Sachzwänge. Fang klein an, geh auch bei der Umsetzung Schritt für Schritt vor, lass dir von anderen helfen.

Fang einfach an, der Rest kommt auf dem Weg. Und achte auf Synchronizitäten. Je mehr du in deiner eigenen Spur bist, desto mehr „richtige Dinge“ werden dir passieren.

Übernimm die Verantwortung für dich, dein Leben und deine Berufung.

Vorsicht vor Blockaden und Widerständen wie:

  • Ängste, Zweifel, Bedenken
  • Negative Glaubenssätze und Überzeugungen
  • Zuviel Sicht auf eigene Schwächen statt auf Stärken
  • Hindernde Mitmenschen und ein behinderndes Umfeld
  • Hindernde Erfahrungen, Lebensbedingungen, Erziehung und soziale Schicht
  • Fehlende Vorbilder, fehlendes Wissen und eine Gesellschaft der Gleichmacherei
  • Einschränkende Glaubenssätze und angeknackstes Selbstbewusstsein / -vertrauen
  • Festhängen in Vergangenheit, deren Schmerzen und / oder alten Verpflichtungen
  • Zu jammern, aber nicht zu handeln, die Berufung zu kennen, aber nicht zu leben

Nicht zuletzt ist es harte Arbeit, die eigene Berufung zu finden und zu leben. Eine Arbeit, vor der viele zurückschrecken.

Tipps zur Berufungsfindung: Abweichende Tipps der Experten

Neben diesen sich bei vielen Experten findenden Tipps nennt jeder Experte je nach Ansatz und Persönlichkeit weitere Möglichkeiten, seine Berufung zu finden. Als Auswahl zum Beispiel:

Lerne aus Misslungenem und aus „herausfordernden Momenten“ – lerne, was sich allgemein und was sich über dich selbst daraus lernen lässt.

Nutze kreative Methoden wie Malen und Schreiben. Gib mit ihnen deinem Unterbewusstsein eine Stimme. Kurbele deine Kreativität an.

Erkenne und lebe deine Werte. Deine Berufung liegt in der Schnittstelle zwischen Interessen, Fähigkeiten und Werten.

Übe dich in der Zielfindung. Trainiere deine Gedanken darin, sich auf das zu richten, was du willst. Dein Gehirn wird dann unbewusst danach Ausschau halten.

Dein Gehirn kann sich schlecht vorstellen, was nicht ist. Frage dich deshalb nicht zum Beispiel abstrakt, was dir Spaß machen würde. Frage dich lieber, wann / wo du am glücklichsten warst.

Sport kann eine wichtige Hilfe sein, um zu dir selbst zu kommen. Er stärkt die Körperwahrnehmung, fördert Glückshormone, mindert Stresshormone und vieles mehr.

Die eigene Berufung ist eine Kombination aus Selbst und Wert – bist du dir das wert? Stärke deinen Selbstwert, dein Selbstbewusstsein und dein Selbstvertrauen.

Man könnte eine Berufung auch mit einem Baum vergleichen: Ring um Ring wächst man um seine eigenen Anlagen und die erlittenen Verletzungen herum.

Menschen haben zwei Antriebe für Veränderungen: Große Schmerzen und große Ziele. Oft muss man erst durch Verluste, Krankheiten, Krisen gezwungen werden, etwas zu ändern.

Hüte dich vor falschen Berufungen. Frage dich zum Beispiel immer, was du tust, um es anderen recht zu machen, und was das deine ist.

Mit der Berufung wird nicht alles besser

Den Schluss des Buches bildet ein interessantes letztes Interview, dem ich mich in großen Teilen anschließen kann. Dieser Experte ist kein Trainer für Berufungsfindung oder Ähnliches. Er hat vielmehr Menschen interviewt, die „ihr Glück gefunden haben“. Und aus den Erzählungen dieser Menschen sowie aus eigener Erfahrung sagt er: Suche nicht krampfhaft nach deiner Bestimmung und glaube, dass alles besser wird, wenn du diese nur gefunden hast. Glaube nicht, dass du unbedingt eine Bestimmung haben musst. Glaube nicht, dass du nur deshalb unglücklich bist, weil du deine Berufung nicht lebst. Oft verhindern solche und andere falsche Erwartungen nämlich, dass man sein real schon vorhandenes Glück sieht. Lebe lieber nach dem Motto: „Love it, change it or leave it.“ Mit anderen Worten: Nimm eine andere Perspektive auf das Vorhandene an, ändere etwas oder verlasse es. Das reicht dann oft schon.

Manche Tipps in „Liebe deine Arbeit“ sind eher so knapp gehalten, wie ich es wiedergegeben habe. Andere gehen stärker in die Tiefe und erklären auch Details. Grundsätzlich ist das Buch auch eher ein „Lesebuch“, keine Sammlung von Schritt-für-Schritt-Vorgehensweisen.

Sein Charme sind die informativen und oft auch berührenden Interviews,

  • die die Fülle an Möglichkeiten zeigen, mit Hilfe derer man seine „Berufung“ finden kann
  • die viele viele nützliche Tipps und Anregungen geben, wie man dabei vorgehen kann
  • die zeigen, jawohl, man kann seine Berufung finden, bei anderen lief es so und so
  • und die Inspiration und Schwung für mehr geben.

Fazit: Ein Leckerbissen für alle, die Appetit bekommen und inspiriert nach der eigenen Berufung suchen wollen. Mit Herz geschrieben und angenehm zu lesen.

© 2017 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 31.01.17

Katharina Pavlustyk, Liebe deine Arbeit. 18 Experten zeigen Wege zur Berufung. Hamburg 2016, 239 Seiten

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