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Jeder schreibt nicht nur die Geschichte seines Lebens. Jeder erschafft sich auch seine eigenen Mythen. Wie ich etwas wahrnehme und erlebe, drückt sich in meinen Mythen aus. Und – die großen Mythen aus Geschichte, Religion und Kultur können uns unser eigenes Leben besser sehen und verstehen lassen. Wie das geht, zeigt Lutz von Werder in seinem neuen Buch.

Dies ist ein, sagen wir, nicht ganz alltägliches Buch, und ich war mir nicht sicher, ob ich es besprechen soll oder nicht. Ich werde nicht wirklich warm damit.

Doch ich schätze den Autoren und Experten für autobiografisches und kreatives Schreiben Lutz von Werder. Und es bietet dem Leser gute, neue Ansätze für eine kreative Arbeit an sich selbst. Also ist es doch bei meinen Buchtipps gelandet. Lesen und entscheiden Sie selbst.

Ich habe zwei Haupt-Probleme mit diesem Buch.

Zum einen ist es eher ein Arbeitsbuch als ein Buch. Es ist mehr oder weniger eine Sammlung von Schreibübungen. Versuchen Sie nicht, sich damit gemütlich auf dem Sofa niederzulassen. Das wird (fast) nichts. 😉

Zum zweiten könnte ich auf den recht umfangreichen zweiten Teil des Buches gut und gern verzichten. Denn er besteht ausschließlich aus den Ergebnissen eines Teilnehmers einer Schreibwerkstatt von Lutz von Werder, die den ersten Teil veranschaulichen sollen.

Doch für mich passt beides nicht zusammen, bezieht sich nicht aufeinander und steht auch relativ kommentarlos und ohne Erklärungen für sich. Deshalb hätte ich, wie gesagt, auch darauf verzichten können.

Gut, kommen wir jetzt zu dem, was ich für „gute, neue Ansätze für eine kreative Arbeit an sich selbst“ halte. 😉

Im Grunde geht es um zwei Themen. Das erste: Unsere Sicht auf uns selbst und unser Leben ist nicht konstant. Wie wir unser Leben interpretieren, hängt davon ab, welche Sichtweise wir einnehmen.

Mehr noch: Jeder schreibt seine eigene Geschichte. Ein Paar, eine Familie, Freunde – sie können dasselbe erlebt haben. Doch jeder wird eine andere Geschichte schreiben. Jeder hat das Erlebte aus einem anderen Blickwinkel wahrgenommen. Jeder schreibt seine ganz persönliche Mythologie.

Und das zweite: Aus den Mythen anderer können wir auch viel über uns selbst lernen. Sie können uns dazu ermuntern, nach ihren Gegenstücken in unserem eigenen Leben zu suchen. Wir können uns fragen, ob wir genauso handeln würden, ob wir den Charakter oder die Erlebnisse des anderen in uns selbst wiederfinden. Und so fort.

Darüber können wir uns dann selbst besser kennenlernen und erfahren.

Darum geht es auch in diesem Buch.

Der Autor nennt jeweils (sehr kurz) diverse Mythen aus Geschichte, Religion und Kultur. Und danach gibt es eine Anregung, nach diesen Mythen im eigenen Leben zu suchen.

Nehmen wir ein Beispiel aus den griechischen Mythen. Ihre Aufgabe wäre, zu untersuchen, ob Sie einen Ödipus-Komplex haben, ob Sie schon einmal wie Prometheus für Ihren „Einsatz zur Verbesserung der Welt“ (Zitat von Werder) bestraft wurden, ob Sie wie Sisyphos versucht haben, den Tod zu besiegen, und so fort. (Wer die griechischen Sagen jetzt nicht kennt, bitte selbst nachschlagen. ;-))

Dazu beleuchtet von Werder beispielhaft das Leben einiger bekannter Persönlichkeiten, ob sie diese Mythen unbewusst gelebt haben beziehungsweise ob sie sich damit bewusst identifizieren konnten.

Wieder ein Beispiel: Der Ödipus-Komplex von Sigmund Freud.

Nebenbei: Diese Beispiele kann ich auch erheblich besser nachvollziehen als die erwähnten Ergebnisse aus der Schreibwerkstatt. Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. 😉

Fazit: Wenn Sie Anregungen haben möchten, um Ihren persönlichen Mythos zu schreiben, steckt hierin viel Futter. Ziehen Sie es sich heraus.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 27.09.2010

Lutz von Werder, Die Welt romantisieren. Wie schreibe ich meine persönliche Mythologie? Uckerland 2009, 260 Seiten

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