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Martin Schuster, Picasso kann jeder?! Kreativität im Alltag.

Kreativität muss nicht auf Künstler oder innovative Unternehmen begrenzt bleiben. Zwischen diesen beiden Polen gibt es noch das „ganz normale Leben“, den Alltag. Auch hier kann es hilfreich sein, kreativ zu sein. Die Gabe dazu haben wir alle: Wir müssen nur wissen, was Kreativität ist, und wir müssen kreativ sein wollen. Der Psychologe Martin Schuster hat sich der „Kreativität im Alltag“ angenommen.

Es gibt im Grunde zwei Sorten von Kreativitäts-Büchern:

a) Bücher, die sich an „Kreative“ wenden. Das sind im Wesentlichen Menschen, die irgendwie kreativ tätig sind (typisches Beispiel sind hier der Künstler und der Schriftsteller) oder die sich wie „typische Kreative benehmen“, also zu „kreativem Chaos“ neigen, „rechtshirnig“ denken und so weiter.

b) Bücher, die sich an Unternehmen wenden. Erklärtes Ziel ist es hier, kreativer im Sinne von „innovativer“ zu werden, die Mitarbeiter (seltener die Manager) zu „kreativen Höhenflügen“ zu motivieren, den Geschäftserfolg mit Kreativität zu steigern.

Nur wenige Bücher scheren aus diesem Muster aus. Selbst Bücher, die sich vorwiegend mit Kreativitätstechniken beschäftigen, haben doch in der Regel Unternehmen, Mitarbeiter und die Arbeitswelt im Blick.

Deshalb fand ich den Ansatz des Psychologen Martin Schuster, „Kreativität im Alltag“ behandeln zu wollen, sehr reizvoll.

Wie Schuster selbst sagt, wird die alltägliche Kreativität kaum beachtet, weder in der Öffentlichkeit noch in der Kreativitätsforschung. Dabei könne gerade sie seiner Meinung nach viel für uns selbst tun und unser Leben verbessern.

Schuster hat sich mit Kunst-, Museums- und Fotopsychologie sowie Kunsttherapie befasst. Deshalb kommen diese Themen verstärkt in seinem Buch vor. Andere Bereiche wie Musik oder Schreiben werden dagegen eher ausgeblendet. Davon ab geht es aber um Kreativität in allen Lebenslagen: Im Haushalt, bei sozialen Beziehungen, in der Technik, der Mode und anderem mehr.

Seinen persönlichen Bezug zur Alltagskreativität schildert er so: Als Kind war er weder so brav noch so muskulös wie sein älterer Bruder. Also musste er originell, eben „kreativ“, werden, um die Bewunderung seiner Mitmenschen zu erringen. 😉

Für ihn hängt es im Grunde von zwei Dingen ab, ob man im Alltag kreativ sein kann oder nicht:

  • Zum einen muss man wissen und verstehen, was Kreativität ist und was sie ausmacht.
  •  Zum anderen muss man Kreativität und kreative Lösungen auch wollen. Man muss sich dafür entscheiden, kreativ zu sein – beziehungsweise man muss die die Kreativität begünstigenden Faktoren annehmen, begrüßen und leben.

Wenn das der Fall ist, kann jeder kreativ sein. Mit seinem Buch „Picasso kann jeder“ will er das notwendige Hintergrundwissen dafür liefern.

Aus dem Inhalt:

Einstieg: Wege durch das Buch, Unterschiede Alltagskreativität und „Höchstleistungs-Kreativität“

Was ist kreativ: Was bedeutet Kreativität? Diverse „Skalen“, um Innovation, Kreativität und so weiter einstufen zu können. (Eine Erfindung des Autors. Ich finde sie relativ subjektiv und Geschmackssache. Ich persönlich glaube daran, dass man Kreativität nicht „messen“ kann; daher kann ich auch mit Skalen nicht viel anfangen.)

Kreativität muss man wollen: Diverse Widerstände gegen Kreativität

Kreativität bemerken und schätzen: Ebenfalls noch einiges zu Widerständen und Denkschranken.

Der Schaffensdrang: Sehr kurz einiges dazu, wie er entstehen kann. Zusätzlich gibt es wieder eine „Skala für den Schaffensdrang“.

Umstände, die das kreative Werk fördern: Hier erkenne ich einige Forschungsergebnisse von Howard Gardner wieder – von Alkohol und Drogen über teilweises Außenseitertum bis zu einem kreativitätsfördernden Umfeld.

(–> Achtung: Ich würde dringend davon abraten, meine Kreativität mit Alkohol oder Drogen „schmieren“, das heißt fördern zu wollen. Dieser Schuss geht spätestens dann nach hinten los, wenn man nicht mehr ohne diese künstlichen – und schädlichen – Substanzen auskommen kann.)

Eigenschaften, die die Kreativität begünstigen: Welche Charaktereigenschaften sind hilfreich, wenn man kreativ sein will? Von Flexibilität über Neugier und den Drang nach Abwechslung bis zu einem gesunden Selbstbewusstsein und „Kritiklust“ (das heißt, etwas ständig verbessern zu wollen).

Die kreative Idee: Sehr kurz einiges dazu, wie Ideen entstehen.

Wie erzeugt man Einfälle: Ein relativ umfangreicher Teil mit Techniken und Methoden, wie man Probleme lösen kann.

Erfinderzeiten und -domänen: Was begünstigt Erfindungen? (Der Krieg als „Vater aller Dinge“, wetteifernde Herrscher, konkurrierende Unternehmen und mehr.)

Kreativität im Lebenslauf: Kreativität bei Kindern – in Jugend und Erwachsenenalter – im hohen Lebensalter – ist Kreativität weiblich?

(–> Schön: Hier finde ich es sehr schön, dass endlich einmal der Mythos vom „kreativen Kind“ relativiert wird. Auch Kinder haben ihre Phasen, in denen sie „alles richtig machen“ wollen beziehungsweise sie nutzen über Jahre dieselben Muster. Doch man kann Kinder in der Tat zu einer größeren kreativen Grundhaltung erziehen.)

Spezielle Erscheinungsformen von Kreativität: List, Bluffen, Witz, Schlagfertigkeit, Zukunftsvorhersage und Intuition. (Auch wieder Geschmacksfrage. Ich würde zum Beispiel „Intuition“ nicht mit Hellsehen und Wissen über die Zukunft gleichsetzen. Auch bin ich von Natur eher skeptisch bei „übernatürlichen Phänomenen“. Und das „Lob der List“ könnte etwas mit den Abenteuern des Autors als Jugendlichem zu tun haben. ;-))

Störungen der Kreativität: Wieder ein sehr kurzes Kapitel zu Kreativitätsblockaden. Im Grunde geht es nur um „die Angst vor dem leeren Blatt“ (beziehungsweise vor dem Beginn), depressiven Phasen und Ähnlichem mehr.

Probleme, die auf eine kreative Lösung warten: Hier schlägt der Autor Bereiche vor, in denen man „im Alltag“ kreativ werden könnte oder die auf eine kreative Lösung warten. Von Fragen wie „wie bleiben weiße Fugen weiß“ bis Überlegungen wie „da alle Welt immer mehr im Internet bestellt, brauchen wir dringend neue Briefkästen, die die Post sicher verwahren, wenn wir nicht da sind“ (und wie könnten die dann aussehen).

Ich bin bei diesem Buch etwas gespalten. Den Ansatz finde ich sehr spannend. Diverses Grundlagenwissen finde ich hilfreich und nützlich. Anderes finde ich persönlich zu kurz angerissen. Irgendwie sprang der Funke bei mir nicht über.

Zudem vermisse ich mehr zur angekündigten „Kreativität im Alltag“. So ist es im Wesentlichen doch ein Buch über das Wesen der Kreativität und kreativitätsbegünstigende Faktoren, wie diverse andere auch. Und ja, ich weiß, dass der Autor genau das schreiben wollte. Das habe ich oben erwähnt. Doch warum dann diese Betonung des „Alltags“?

Ich habe das Buch trotzdem aufgenommen, denn gerade für Neulinge im Thema ist es sicher nach wie vor eine Hilfe. Und auch wer sich schon länger mit Kreativität befasst, findet hier noch gute Impulse.

Fazit: Ein spannender Ansatz mit solidem Grundlagenwissen.

© 2013 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 24.05.13

Martin Schuster, Picasso kann jeder?! Kreativität im Alltag. Stuttgart 2011, 224 Seiten

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