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Westliche Medizin und Therapie beschränken sich oft noch darauf, alles, was krank ist oder stört, zu beseitigen. Die „buddhistische Psychotherapie“ will darüber hinausgehen und grundsätzlich menschliches Wohl, Wachstum und heilsame Geisteszustände fördern. Der Psychologe und Psychotherapeut Ennenbach zeigt, wie.

Der Autor von „Buddhistische Psychotherapie“, Matthias Ennenbach, ist Psychologe und Psychotherapeut. Er arbeitet seit rund 20 Jahren in Kliniken, Krankenhäusern, Psychiatrien, psychosomatischen Rehakliniken und privaten Einrichtungen. Dazu ist er langjähriger praktizierender Buddhist.

Mit seinem Buch stellt er die Buddhistische Psychotherapie (BPT) als neue Behandlungsform vor. Sie versteht sich als „Integrationsprojekt“, das die westlichen Psychotherapie-Landschaften mit buddhistischen Lehren und Übungen zusammenbringen will.

Diese Integration ist auch Ziel des Buches. Deshalb stellt der Autor sowohl Techniken aus diversen Therapieformen als auch Elemente und Übungen aus dem Buddhismus vor. Seine Zielgruppe sind einmal Profis und Berufskollegen aus dem Bereich Psychotherapie und Beratung, aber auch Laien, die sich für diese Themen und ganz allgemein die menschliche Weiterentwicklung interessieren.

Westliche Medizin und Therapie beschränkt sich oft noch darauf, Symptome zu lindern oder zu beseitigen. Krankheit ist hier etwas, was „nicht normal ist“, was stört und weg muss. Die BPT will darüber hinaus auch positive Zustände und Ressourcen wie Glück, Mitgefühl, Liebe, Freude und so weiter stärken. Sie will generell das menschliche Wachstum fördern und dabei helfen, sich von „unheilsamen Geisteszuständen“ zu befreien und „heilsame Geisteszustände“ zu fördern.

Die BPT geht nicht, wie die westliche Medizin und Therapie, davon aus, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung (aktuell) „(er)krank(t) ist“ und Hilfe braucht. Für sie erfährt jeder Mensch immer wieder Leiden. Vieles davon sei unvermeidbar. Doch es gebe auch einen großen Anteil an vermeidbarem Leid, daran will sie ansetzen.

Dabei ist der Buddhismus nicht, wie manchmal fälschlich angenommen wird, eine Religion. (Trotz manch „kultisch“ anmutender Formen, die ihn je nach Ausprägung begleiten.) Er ist eher eine Wissenschaft des Geistes, wenn man so will eine mentale Disziplin.

Aus dem Inhalt

Das Buch ist sehr umfangreich. Ich zähle kurz einige wesentliche Inhalte und Aspekte auf.

  • Die Essenz des Buddhismus
  • Die BPT kann für alle und für fast alles gut sein.
  • Zum Beruf des buddhistischen Psychotherapeuten
    (Ausbildung, Inhalte, „Risiken“ ähnlich wie bei anderen sozialen Berufen)
  • Zum Ablauf einer Buddhistischen Psychotherapie
    (Vom Erstgespräch über den Aufbau eines Bandes zum Klienten bis zu diversen einsetzbaren Übungen)
  • Die Bedeutung des Körpers
    (Der oft vernachlässigt werde, nicht nur in Therapien, sondern allgemein beziehungsweise erst recht von Leuten, die eine „spirituelle Erleuchtung“ oder Ähnliches suchen)
  • Die Bedeutung des Geistes
    (Der Buddhismus als „Geisteswissenschaft“ und Schulung des Geistes. Einiges zu speziellen Formen wie Achtsamkeit und Meditation, erstrebenswerten Geisteszuständen und mehr)
  • Die Gefühlswelt
    (Mit ihren primären und sekundären Gefühlen, der Unterteilung in heilsame und unheilsame Gefühle (statt „gute“ und „schlechte“ Gefühle), und mehr)
  • Das Hier und Jetzt – das es zu leben gälte
  • Das menschliche Karma
  • Diverse Ursachen für vermeidbares Leiden – und was man dagegen tun kann
  • Der buddhistische „rechte Weg“ inklusive diverser Lehrinhalte
  • Diverse buddhistische Techniken
    (Inklusive Meditation, Visualisierungen, Metaphern, Mythen und Geschichten, Atemübungen und Traum-Yoga)
  • Die Umsetzung in der Praxis und im Alltag
  • Literaturhinweise

Ich finde das Buch gut verständlich geschrieben. Es bringt einem vor allem den Buddhismus näher. Die BPT als solche bleibt für mich dagegen etwas blass. Ennenbach stellt auch nur wenige entsprechende „Techniken“ vor. Was das angeht, bringt er für mich eher allgemeine Hinweise wie „mehr Praxis als in normalen Therapien“ und so fort.

Der Autor sagt auch selbst: Wer die Grundsätze des Buddhismus erfüllt, ist mit seiner Arbeit als Psychotherapeut automatisch auch ein „buddhistischer Psychotherapeut“. Gut, das hätte ich jetzt etwas anders verstanden, zumal wenn es als „neue Methode / Behandlungsform“ angekündigt wird.

Doch sonst finde ich das Buch sehr gut, vor allem wegen seiner sehr ausführlichen und verständlichen Einführung in den Buddhismus. Wer sich dafür interessiert, kann ja dann Elemente daraus in seine eigene Praxis übernehmen, ohne einer vorgegebenen „Methode“ oder gar „(Behandlungs-) Lehre“ folgen zu müssen.

Fazit: Buddhismus goes Psychotherapie – wer sich, vielleicht stückweise, durch über 400 Seiten wühlen kann, findet hier reiches Futter.

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 05.05.14

Matthias Ennenbach, Buddhistische Psychotherapie. Ein Leitfaden für heilsame Veränderungen. Oberstdorf 2011 (3. Auflage von 2010), 471 Seiten

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