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Erfolg ist für jeden etwas anderes und muss längst nicht nur rein materiell gemeint sein. Wer erfolgreich ist, hat auch einfach mehr Möglichkeiten, sein Leben bewusst nach seinen eigenen Wünschen zu gestalten. Doch viele Menschen haben Angst vor Erfolg oder bremsen sich sogar mit ganz normalen Denkmustern und Gewohnheiten selbst aus. Die Autoren Lackner und Huber schlüsseln solche Ängste und Denkmuster auf. Frei nach dem Motto: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. 😉

Die Autoren Maximilian Lackner und Markus Huber sind Innovator / Investor / Manager beziehungsweise Unternehmensberater / Trainer / Coach. Sie schreiben für „Berufspraktiker, Berufseinsteiger und Studenten“ (Zitat).

Viele Menschen hindert die Angst vor Misserfolg und Versagen daran, ihre Träume umzusetzen und zu leben. Doch perverserweise kann einen die „Angst vor Erfolg“ genausogut hindern. Sie wird nur vielleicht seltener erkannt.

Die Autoren nähern sich dem Thema von zwei Seiten: Huber bringt seine Erfahrungen als Trainer, Berater und Coach ein. Er beleuchtet die Angst vor dem Erfolg mit Hilfe einiger Fall-Beispiele, in denen sich diese Angst in verschiedenen Ausprägungen zeigt. Lackner geht die Sache eher analytisch an und bietet eine saubere Literaturstudie, wo und wie sich Angst vor Erfolg zeigen und behindern kann. Zum Schluss gibt es noch einige Tipps, wie man seine Angst vor Erfolg überwinden kann.

Insgesamt macht das Buch in Herangehensweise, Systematik und Ton einen eher „wissenschaftlichen“ Eindruck, bleibt dabei aber gut verständlich, ohne in eine gehobene Fachsprache abzudriften.

Etwas irritierend finde ich die Neigung von Lackner, von sich selbst immer nur in der dritten Person als „der Autor“ zu reden. Ich weiß, so etwas wurde und wird teils vielleicht noch heute in der Wissenschaft gelehrt, um objektiver und neutraler zu erscheinen. Doch für mich klingt es unpersönlich und merkwürdig vage. Dann hätte ich gleich auf die Nennung „dieser Autor“ verzichtet, alles allgemein gehalten und nur gelegentlich den Leser direkt mit „tun Sie dies, tun Sie das“ angesprochen. Jut, so viel zu verschiedenen Geschmäckern – zum Inhalt.

Aus dem Inhalt:

Teil 1: Angst vor Erfolg aus Coaching-Sicht

Erfolg ist für jeden etwas anderes. Vier Fall-Beispiele mit den Teil-Ängsten: Angst vor Kritik, Angst vor Verlust, Angst vor Fehlern und Versagen, und die Einladung an den Leser, seine eigenen Ängste unter die Lupe zu nehmen. Diverse Literaturtipps.

Teil 2: Angst vor Erfolg – ein semi-analytischer Zugang

Definitionen von Erfolg. Was bedeutet Erfolg für einen selbst? Wie wird Erfolg gemessen? Wie wichtig ist Erfolg? Leere Siege. Erfolg auf Kosten anderer. Erfolg fühlt sich nicht immer gut an. Motivation für Erfolg. Diverse Umfragen zu Erfolg. Was ist Angst, wovor haben die Leute Angst? Begleiterscheinungen von Erfolg wie Neid, Bewunderung, gestiegene Erwartungen, ggf. auch Burnout und Scheitern. Wieder diverse Literaturtipps.

Teil 3: Von der Theorie zur Praxis

Was sind die Voraussetzungen für Erfolg? Welche Eigenschaften haben erfolgreiche Menschen, was macht sie aus? Wie sehen die Denkmuster weniger erfolgreicher Menschen aus? Zerstörung des eigenen Erfolgs. Bestimmte Gruppen wie Künstler als „typische Erfolglose“ (in prekärer finanzieller Situation). Erfolg durch Not. (Erfolgreiche Gründungen von Arbeitslosen.) Erfolg durch Team oder Management. Macht Erfolg glücklich? Angst vor Misserfolgen. Angst vor Erfolg allgemein. Diverse innere Erfolgsblockaden detaillierter aufgeschlüsselt. Weitere (äußere) Hürden auf dem Weg zum Erfolg. Einige Vorteile von Erfolg.

Alle Unterkapitel werden jeweils kurz und knapp beschrieben. Der Autor geht bewusst nicht in die Tiefe. Der Leser soll Anhaltspunkte zur Selbsterkenntnis bekommen. Hat er etwas gefunden, was auf ihn zutreffen könnte oder was ihn interessiert, kann / soll er dort selbst weiterforschen, unter anderem auch mit Hilfe der angegebenen Literaturtipps.

Zum Schluss gibt es ein paar Seiten zu der Frage, wie man denn seine Angst vor Erfolg nun meistern und überwinden kann. Allerdings liegt es in der Natur der Sache, dass diese Tipps gegen die Erfolgsangst sehr allgemein bleiben müssen. Schon an den vielen aufgezählten Ängsten wird schön deutlich, dass jeder Mensch durch andere Blockaden ausgebremst werden kann. Und Lösungen dazu kann man unmöglich in einem einzigen Buch bringen. 😉

Deshalb finde ich den Untertitel „Wie Sie aufhören, sich selbst zu sabotieren“ auch etwas problematisch. Für mich weckt er falsche Hoffnungen und Erwartungen. Der Schwerpunkt des Buches liegt deutlich auf der Aufzählung und Bewusstwerdung möglicher Erfolgsblockaden. Um die Lösung seiner Blockaden muss sich jeder Leser selbst kümmern.

Wenn man das Buch zusammenfassen möchte, geht es für mich deshalb eher darum „wie Sie erkennen, was Sie lähmt, und was Sie fördern sollten, wenn Sie erfolgreich sein wollen“.

Schön finde ich die vereinzelten Tipps, wie man „Erfolgspflänzchen für Kinder sähen kann“. Denn schon in der Kindheit werden oft die Weichen gestellt, ob jemand in seinem späteren Leben Erfolg haben wird oder nicht. Hiervon hätte es gern noch mehr geben dürfen.

Weitere umfangreiche Literaturtipps und eine knappe Zusammenfassung schließen das Buch ab.

Manchmal kann ich mich den Schlussfolgerungen des Beraters und Coachs Huber nicht anschließen. Ich sehe sprachwissenschaftliche Zusammenhänge teils anders und assoziiere teils auch anders. Ich würde auch nicht grundsätzlich sagen „weil du die und die Worte gebrauchst / die und die Farben magst, tickst du so und so“. Das ist mir zu pauschal, auch wenn es sicher oft zutreffen mag. Ich würde zumindest den anderen noch fragen, warum er diese Worte gebraucht, diese Farben mag, für welche Situation und welchen Zusammenhang das gilt und anderes mehr.

Und ich gebe gern zu, dass ich zu faul bin, mich bei eingestreuten Literaturtipps hinzusetzen und die genannten Artikel, Videos oder gar ganzen Bücher zu recherchieren / mir anzusehen. Zumal wenn diese nicht weiterführend sind, sondern (selten) für das Verständnis des Textes auch noch notwendig sind. Ich gehöre immer noch zu der Sorte Mensch, die gern alles sofort griffbereit und kompakt hat. Doch wer nicht dazu gehört, findet hier sicher ein gutes Angebot.

Selbst für „Bequemlichkeits-Fans“ wie mich schön finde ich dagegen die eingestreuten Zitate. Denkanstöße, für die ich nicht noch extra aktiv werden muss, danke. 😉

Doch das sind Kleinigkeiten und Geschmacksfragen. Wer eine saubere Zusammenfassung zum Thema haben möchte, die den Stand der Forschung wiedergibt und den Erfolg sowie eventuelle Ängste vor diesem unter allen möglichen Gesichtspunkten beleuchtet, ist hier goldrichtig. Übrigens: Sehr schön finde ich auch die „Denkfehler / Denkmuster wenig erfolgreicher Menschen“. Vor Erfolg kann man nicht nur Angst haben, man kann sich auch durch ganz banale Gewohnheiten selbst ausknocken.

Fazit: Ein schönes Nachschlagewerk zum Thema Erfolg – was macht ihn aus, was blockiert ihn und was ängstigt. Wer mag, darf gern bei sich selbst auf Spurensuche gehen.

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 23.04.14

Maximilian Lackner, Markus E. Huber, Angst vor Erfolg? Wie Sie aufhören, sich selbst zu sabotieren, Wiesbaden 2014, 118 Seiten

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