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Michael Haller: Recherchieren

„Es werden zu viele Meldungen unreflektiert übernommen.“ Das zumindest meint der Professor für Journalistik Michael Haller. Bei allem Verständnis für den Kosten- und Zeitdruck in den Redaktionen müsse das nicht sein. Wenn man das Handwerk des Recherchierens beherrsche, könne man besser recherchieren und typische Fehler vermeiden.

„Es wird zu viel unreflektiert übernommen.“ Das zumindest meint der ursprüngliche Redakteur und jetzige Professor für allgemeine und spezielle Journalistik, Michael Haller.

Aus Spaßmaßnahmen würden Pressemeldungen, Polizeiberichte und Ähnliches mehr oft in den Redaktionen nicht mehr (weiter-) recherchiert, sondern nur noch zusammengeschnitten und veröffentlicht.

Das müsse nicht sein, bei allem Verständnis für den Wunsch, die Kosten gering zu halten. Wenn man das Handwerk des Recherchierens beherrsche, könne man auch im ständig unter Zeitdruck arbeitenden tagesaktuellen Journalismus besser recherchieren und typische Fehler vermeiden.

Gedacht, getan – und ein Handbuch zum Recherchieren herausgebracht. 😉

Wobei Michael Hallers „Recherchieren“ sich zwar in erster Linie an angehende oder tätige Journalisten richtet. Ein großer Teil davon kann aber auch für alle anderen, die schreiben, interessant sein.

Die „Geschichte des Recherchierens“ im ersten Kapitel ist noch eher etwas für Studierende und angehende Journalisten. Der historische Rückblick ist zwar durchaus spannend geschrieben, hat aber mit der täglichen Praxis nicht viel zu tun.

Das ändert sich im zweiten Kapitel mit den „Grundzügen des methodischen Recherchierens“. Hier sind Fragen aufgeschlüsselt, die sich jeder stellen sollte, der recherchiert. Fragen wie: Ist die Information wichtig, zutreffend, umfassend, verwertbar? Wie entwickle ich einen Befragungsplan? Und anderes mehr.

Im dritten Kapitel gibt es dann diverse „Recherchierverfahren im journalistischen Alltag“. Haller listet hier verschiedene Recherchemethoden auf, von der literarischen Recherche bis zum Enthüllungsjournalismus. Er zeigt, wie man seine Quellen und Fakten überprüft, seine Informationen vervollständigt, einem Thema nachgeht oder, genau, durch Bohren an den richtigen Stellen eines erst aufdeckt. 😉

Das vierte Kapitel ist schon relativ veraltet, da es etwa auf dem Stand der Jahrtausendwende ist und damit gerade der elektronische Teil der „Recherchierhilfen“ der Wirklichkeit nur noch auszugsweise gerecht wird. Aber für eine grundsätzliche Vorgehensweise ist auch dieser Teil noch nützlich. Schön finde ich auch die Hinweise Hallers, wie man sich einen „Handapparat“ an Hilfsmitteln für die Recherche zusammenstellt.

Das fünfte und sechste Kapitel dürfte wieder eher etwas für Journalisten sein. Hier geht es unter anderem darum, wie man mit Informanten umgeht, Interviews organisiert, Insiderenthüllungen handhabt, und anderes mehr.

Das siebte Kapitel bringt ein paar Auszüge aus dem Medienrecht.

Das achte Kapitel knüpft an den Anfang an und schließt mit dem Appell, von der Praxis der mehr oder weniger ungeprüften Übernahme von Meldungen wegzukommen und vermehrt zu recherchieren. Die dafür nötige journalistische Kompetenz habe dieses Buch vermitteln wollen.

Neugierige können noch in den sehr umfangreichen Literaturhinweisen stöbern. Und ein ebenso umfangreiches Personen- und Sachregister hilft beim schnellen Zugriff.

Dabei ist das Buch gut zu lesen, mit klarem Layout und klarer Sprache. Schön finde ich auch die Grafiken, Zusammenfassungen und Beispiele.

Fazit: Ein Muss für Journalisten. Aber auch für alle anderen, die häufiger für Texte recherchieren, interessant.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 24.11.09

Michael Haller, Recherchieren. In: Reihe Praktischer Journalismus Band 7. Konstanz 2008 (7. Auflage von 1983, unveränderter Nachdruck der 6., überarbeiteten Auflage von 2004), 340 Seiten

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