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Titel und Untertitel von Otto Kruses Bestseller „Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium“ sind meines Erachtens etwas irreführend.

Denn dies ist weniger ein Buch gegen Schreibblockaden als vielmehr eines für wissenschaftliches Schreiben. Sozusagen mit dem Ansatz, dass derjenige, der weiß, wie er Studienarbeiten und Co. zu schreiben hat, auch keine Schreibblockaden mehr bekommt. 😉

Deshalb sind hier alle richtig, die im Studium stecken oder sich eine Fortbildung gönnen, und entsprechende Haus- oder Abschlussarbeiten zielgerichteter schreiben wollen.

Ihnen bietet der Studienberater und Professor für Psychologie Kruse einen Mix aus eher abstraktem wissenschaftlichen Hintergrund und handfestem Praxis-Know-how.

Schreibtheoretische Grundlagen, Regeln für Wissenschaftssprache, wissenschaftliche Textformen, Möglichkeiten, sich schreibend mit einem wissenschaftlichen Text auseinanderzusetzen – das und mehr sind die Themen der theoretischen Hälfte.

Wie man eine wissenschaftliche Hausarbeit Schritt für Schritt erstellt, ein Thema wählt, Literatur beschafft, Material sichtet, exzerpiert, gliedert, schreibt, zitiert, korrigiert und so weiter der Inhalt des Praxisteils.

Ein Exkurs mit Tipps gegen Motivations- und Zeitprobleme bei größeren Schreibprojekten geht noch mal auf klassische Blockaden ein, bevor ein umfangreicheres Literaturverzeichnis und ein Register den Studien-Ratgeber abrunden.

Ob der umfangreiche theoretische Teil nun jedermanns Sache oder gar für das Thema nötig ist, sei dahingestellt. Auf jeden Fall ist es ein interessanter Ansatz und Anreiz, tiefer in die Materie einzusteigen und sich dem akademischen Schreiben ausführlicher zu widmen.

Sehr schön finde ich die vielen Schreibanregungen, die immer wieder zur praktischen Umsetzung des Gelesenen einladen. Auch der Text ist flüssig geschrieben, teils mit ordnenden und veranschaulichenden Tabellen.

Trotzdem hätte das Layout für mich gern noch etwas stärker strukturiert sein können. Deutlichere Absätze, zusätzliche Grafiken und Ähnliches mehr hätten dem Buch angesichts der Fülle an Stoff gut getan.

Und was ebenfalls etwas hinderlich ist: Die für einen Schreibexperten meines Erachtens relativ hölzerne Sprache und der Nominal-Stil mit seinen vielen Substantiven. Dadurch wird der Text nicht ganz so eingängig und leicht verständlich, wie er hätte sein können. Der wissenschaftliche Hintergrund des Autors schimmert hier offenbar stellenweise durch. 😉

Fazit: Dennoch – ein gelungenes Buch. Eine Fundgrube an Know-how zum wissenschaftlichen Schreiben, das sich in Teilen auch auf allgemeine Texte übertragen lässt.

© 2008 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 21.08.08

Otto Kruse, Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Frankfurt / Main 2004 (10. Auflage von 1993), 269 Seiten

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