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Rene Cappon: Journalistisches Schreiben

Rene Cappon ist Chefredakteur der Nachrichtenredaktion von Associated Press in New York, und er hat ein Anliegen: Den sprachlich gelungenen Text.

Natürlich weiß er, dass viele Artikel unter massivem Zeitdruck entstehen. Aber er hegt auch die Befürchtung, dass dieser Zeitmangel nicht selten ein Vorwand ist, um an alten, schlechten Schreibgewohnheiten festhalten zu können.

Zum Nachteil von Zeitung wie Leser. Schließlich wird nur der Text gern gelesen, der gut geschrieben ist.

Wer aber die passenden Schreibtechniken kennt, kann, so Cappon, auch unter Druck routiniert und gut schreiben.

Nur, welche Schreibtechniken können einem helfen, Artikel zu schreiben, die gern gelesen werden? Dieser Frage geht er in seinem Buch „Journalistisches Schreiben“ nach. Wobei ich hier die Mischung aus „typischen Themen für Journalisten“ und, sagen wir, „Grundlagen für guten Stil“ interessant finde.

Oder mit anderen Worten, Journalisten finden hier Themen wie: Wie schreibe ich eine gute Nachricht oder ein mitreißendes Feature? Wie steige ich gelungen in einen Text ein? Wie verwende ich Zitate? Wie gehe ich mit Zunftjargon um?

Und Journalisten, aber auch alle anderen Interessierten können sich über Schreibtipps freuen wie: Wie schaffe ich Atmosphäre und Kolorit? Vor welchen Klischees sollte ich mich hüten? Wie schreibe ich kurz und knapp? Wie vermeide ich typische Sprachfallen? Und Ähnliches mehr.

Dazu bietet Cappon viele kurze Textausschnitte, die zeigen, wie man’s macht oder eher nicht machen sollte. 😉 Sprich, sie dienen entweder zur Abschreckung, oder sie sollen dem Leser in Vorher-Nachher-Beispielen verdeutlichen, wie man es besser machen könnte.

Diese Beispiele sind es allerdings auch, die bei mir zu einem Punktabzug für das Buch geführt haben. Einerseits finde ich sie zwar sehr gut. So kann der Leser die Theorie aus dem Text selbst angewandt sehen und einen Blick für gute Sprache bekommen.

Andererseits sind es für meinen Geschmack schon fast zu viele Beispiele bei – im Verhältnis – relativ wenigen Hintergrundinfos. Das Buch bekommt so etwas den Charakter einer Arbeitsmappe: Beispiele werden durch Kommentare erklärt, nicht umgekehrt.

Ansonsten schreibt Cappon gut nachvollziehbar und verständlich. Und vor allem schreibt er mit ganzem Herzen. Ich kann sein Anliegen spüren, Journalisten zu einer guten Sprache zu verhelfen.

Fazit: Ein Chefredakteur auf persönlicher Mission für guten Stil. Sicher auch für andere Schreibfans interessant.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 17.03.09

Rene J. Cappon, Journalistisches Schreiben (Associated Press Handbuch), Berlin 2005 (am. Original 2000), 218 Seiten

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