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Richard David Precht: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

von Heike Thormann

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Wer bin ich? Warum bin ich hier? Was ist der Sinn meines Lebens? Große Fragen, die die Menschheit seit Jahrtausenden bewegen. Der Philosoph und Autor Richard David Precht nutzt sie, um zu zeigen, wie man mit Hilfe der Philosophie sich selbst erkennen und ein bewussteres Leben führen kann.

Wer bin ich? Warum bin ich hier? Was ist der Sinn meines Lebens?

Große Fragen, die die Menschheit seit Jahrtausenden bewegen. Früher suchten viele die Antwort darauf zum Beispiel bei den etablierten Kirchen oder in der Tradition. Das wird heute mit dem Wegfall solcher „Autoritäten“ immer schwerer. Antworten können die Menschen oft nur noch aus sich selbst gewinnen.

Eine Hilfe könnte die, lange Zeit eher abstrakt-theoretische, Philosophie sein. Wenn sie den Brückenschlag in den Alltag der Menschen vollziehen würde.

Hier setzt der Philosoph und Autor Richard David Precht mit seinem Buch „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele“ an. Er versucht, die oft eher trocken geschilderten philosophischen Denkströmungen und Erklärungsmodelle auf solche „Alltagsfragen“ zu übertragen. Mit Erfolg.

Precht zeigt, dass Philosophie mehr ist als eine verstaubte historische Sache à la: „Ach ja, da war mal Platon mit seinem Höhlengleichnis. Nur, was hat das mit mir zu tun?“ Ihm geht es nicht um Philosophen und ihre Theorien um ihrer selbst willen. Stattdessen zeigt er, wie man mit philosophischen Denkansätzen Fragen unseres heutigen Lebens auseinandernehmen und für sich beantworten kann.

Konkret gliedert sich sein Buch in drei Teile:

Teil 1: Was kann ich wissen?

Was ist Wahrheit? Woher kommen wir? Wie funktioniert unser Gehirn? Was sind Gefühle? Was ist das Unterbewusstsein? Was sind Gedächtnis und Sprache? Precht mischt hier virtuos philosophische Denkrichtungen mit Erkenntnissen aus der modernen Wissenschaft.

Teil 2: Was soll ich tun?

Im zweiten Teil spürt Precht Fragen von Ethik und Moral nach, die uns heute bewegen. Also etwa, ob man Abtreibung und Sterbehilfe erlauben soll, ob man Tiere essen oder Menschen kopieren darf, wie weit Wissenschaft und Forschung gehen dürfen, und Ähnliches mehr.

Das Besondere ist, dass Precht nicht etwa eigene Empfehlungen abgibt oder ein „logisches, wertendes Denken“ in Vor- und Nachteilen schult. Auch hier stehen die philosophischen Denkansätze im Vordergrund und wie sie solche Fragen klären helfen.

Teil 3: Was darf ich hoffen?

Im dritten Teil widmet sich Precht einigen „zentralen Fragen“, die wohl die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens bewegen. Fragen wie: Gibt es Gott? Was ist Liebe oder Freiheit? Brauchen wir Eigentum? Kann man Glück lernen? Wie kann man ein glückliches Leben führen? Hat das Leben einen Sinn?

Wieder rasant und spannend aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, philosophischen Theorien und „modernem Beiwerk“ inklusive filmischer Umsetzungen zum Beispiel in Kinofilmen wie „Star Trek“ und „Matrix“ vermischt.

Dazu gibt es noch einen sehr umfangreichen Anhang mit einem Personenregister und weiterführender Literatur.

Stellenweise ist mir der zweite Teil etwas zu theorielastig, wenn er Argumentationsgänge verfolgt wie: „Wenn wir nach Theorie X das und das annehmen, dann widerspricht das der Praxis Y, und daraus folgt dann Z.“

Aber sonst finde ich das Buch wirklich gelungen. Es zeigt nicht nur sehr schön, dass Philosophie alles andere als trocken sein muss. Es verbindet auch Philosophen und ihre Theorien mit Themen, die uns und unser Leben heute berühren. Und es will die Lust am Denken wecken, um sich mit seiner Hilfe leichter selbst zu erkennen und ein bewussteres Leben zu führen.

Fazit: Eine flott geschriebene Philosophie-Stunde, die uns unser Leben besser begreifen lässt. Zu Recht ein Bestseller.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 18.08.09

Richard David Precht, Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise, München 2007, 398 Seiten

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