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Hochsensible Menschen nehmen mehr wahr als andere, sie sind sensibler und haben ein besseres Einfühlungsvermögen. Die Kehrseite lautet: Hochsensible leiden auch schneller unter Reizüberflutung, können nicht nein sagen und neigen zur Selbstausbeutung. Jeder Fünfte soll neueren Forschungen zufolge hochsensibel sein. Rolf Sellin gibt Tipps, wie diese Gabe nicht zum Fluch wird.

Schon vor Jahren riet mir eine Kollegin, mich auf Hochsensibilität testen zu lassen. Ich habe den Tipp zur Kenntnis genommen und irgendwo in meinem Hinterkopf abgespeichert. In meiner Auszeit bin ich dann auf dieses Buch von Rolf Sellin gestoßen.

Was ist Hochsensibilität? Etwa 20 Prozent aller Menschen sollen hochsensibel sein. Das heißt, sie nehmen deutlich mehr wahr als andere, empfangen mehr Informationen und Reize aus ihrer Umwelt und müssen diese dann natürlich auch entsprechend stärker verarbeiten. Das kann Vorteile und Nachteile haben.

Hochsensible haben eine größere Wahrnehmungsfähigkeit. Sie nehmen den Reichtum des Lebens deutlich stärker wahr, seine Farben, Formen, seine Details und Muster. Andererseits haben sie auch schnell mit Reizüberflutung zu kämpfen und brauchen Techniken, um – gerade in unserer heutigen schnelllebigen und hochmedialen Zeit – mit dieser Fülle besser umzugehen.

Hochsensible haben auch ein besseres Einfühlungsvermögen. Sie sind sensibler und haben ein Händchen für ihre Mitmenschen. Andererseits können sie sich oft nicht genug abschotten. Sie nehmen die Gefühle und Gedanken der anderen oftmals stärker wahr als die eigenen. Das kann zur Selbstausbeutung führen und dazu, die eigenen Bedürfnisse zu übergehen.

Hochsensible schätzen Harmonie und Perfektionismus und wollen oft die Welt verbessern. Andererseits kann es passieren, dass sie dabei über eigene wie fremde Grenzen gehen.

Hochsensible sind stark im mentalen und geistigen Bereich, sie haben – im günstigen Fall – ihr Leben lang gelernt, zu denken und Informationen zu verarbeiten. Andererseits haben sie oft ein unterentwickeltes Empfinden für ihren Körper und sind mitunter abgeschnitten von den Botschaften ihres Bauches.

Hochsensible sind geübt im komplizierten, vernetzten Denken. Andererseits brauchen sie auch länger für diese Denkprozesse, weil sie mehr Informationen zu verarbeiten haben.

Hochsensible nehmen erste Schwingungen von und den Bedarf an Veränderungen oft als erste wahr. Andererseits tun sie sich damit deutlich schwerer als andere, weil sie auch hier mehr verarbeiten müssen.

Und so fort.

Und für alle, die sich in solchen Beschreibungen noch nicht wiedererkannt haben, hat der Autor einen Test vorbereitet, der vielleicht mehr Aufschluss gibt.

Sellin ist selbst hochsensibel und arbeitet nach einer beruflichen Umorientierung und diversen Weiterbildungen mittlerweile als Trainer, Coach und Therapeut für hochsensible Menschen oder kurz HSPs.

Er erzählt, wie er selbst seine HSP entdeckte und bringt sich auch sonst im Buch manchmal als Beispiel ein, zusammen mit Beispielen aus seiner Seminar- und Coachingpraxis.

Inhaltlich geht es in „Wenn die Haut zu dünn ist“, wie gesagt, zum einen darum, Hochsensible zu beschreiben und zu erkennen.

Der Schwerpunkt liegt dann auf Tipps, wie Hochsensible ihre Gabe – und es ist eine Gabe, auch wenn es manchen vielleicht eher wie ein Fluch vorkommen mag – besser nutzen, ohne dabei unter die Räder zu geraten.

Es geht um Wahrnehmungstechniken, Informationsverarbeitung, die Entwicklung eines besseren Körpergefühls, es geht um Selbstschutz wie Nein sagen und Grenzen setzen, um zwischenmenschliche Beziehungen jeder Art, welche Berufe Hochsensiblen gut tun, wie Hochsensible besser Konflikte austragen und vieles mehr.

Dazu gibt es diverse Reflexionsaufgaben, Buchempfehlungen und ein paar Links zum Thema.

Und ja, erraten, ich bin natürlich auch eine Hochsensible, ziemlich ausgeprägt sogar. Ich erinnere mich, dass ich zum Beispiel als 18jährige zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben in einer Disko war – und völlig überfordert war. Ich war noch 24 Stunden später halb taub. 😉

Fazit: Mir hat das Buch von Sellin extrem viel gebracht. Ich wünschte, ich hätte es schon eher in meinem Leben gefunden, auch wenn ich mir über weite Strecken hin selbst zu helfen gewusst habe. Wer auch nur den leisen Verdacht hat, dass er hochsensibel sein könnte, sollte hier zugreifen.

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 06.10.11

Rolf Sellin, Wenn die Haut zu dünn ist. Hochsensibilität – vom Manko zum Plus. München 2011 (2. Auflage), 174 Seiten

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