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Kann ein Mensch sich ändern? Und kann er das allein, aus eigener Kraft tun? Oder braucht er dafür die Hilfe von Therapeuten, Coaches und Co.? Der Psychologe und Psychotherapeut Rudolf Stroß hat einen Ratgeber mit vielen Methoden zusammengestellt, wie ein Mensch sich selbst verändern kann.

Kann ein Mensch sich ändern? Kann man einen Menschen ändern? Und wenn ja, wie?

In den 1950 / 60er Jahren war man, laut Autor, der Meinung, dass nur der Therapeut, dass nur jemand von außen einen ändern kann. In den 1980 / 90er Jahren kam der bis heute anhaltende „Machbarkeitswahn“ auf, nach dem jeder sich selbst, aus eigener Kraft und in beliebiger Weise ändern kann, wenn er nur will.

Grundsätzlich kann man auch noch die Frage stellen, wie sehr ein Mensch sich überhaupt ändern kann. Gerade Neurobiologen sind hier eher skeptisch; viele Verhaltensweisen sollen spätestens mit Abschluss von Kindheit und Jugend einfach festgelegt sein.

Rudolf Stroß ist, nach den erwähnten Neurobiologen, jetzt mal einer der optimistischeren Autoren. Grundsätzlich kann der Mensch sich seiner Meinung nach verändern und er kann das sogar aus eigener Kraft, ohne Eingreifen von außen, tun. Allerdings sind ihm durch sein Wesen und seine „Sozialisation“, seine Lebensgeschichte Grenzen gesetzt. Nicht alles ist möglich.

Immerhin, Etliches *ist* machbar. Und das ist gerade in der heutigen Zeit hilfreich. Denn mit dem Wegfall vieler äußerer Vorgaben, Normen und Tabus ist es wichtig, an sich selbst arbeiten, eigenen Wünschen folgen und Anforderungen anderer genügen zu können.

Dazu hat der Psychologe und Psychotherapeut Stroß einen „Ratgeber zur Selbstveränderung“ geschrieben, damit die Menschen nicht erst einen Therapeuten brauchen, um etwas in ihrem Leben zu verändern. 😉

Aus dem Inhalt:

1. Selbstveränderung im Alltag und im Arbeitsleben: Warum sollte man sich selbst verändern? Warum sollte man diese Fähigkeit auch selbst entwickeln und sich nicht nur auf Therapeuten und Co. verlassen? Und welchen Vorteil hat man davon sogar für sein Leben? (Stichwort: Selbstveränderung als kreative Tat und Ausdruck von Kreativität, die es einem erlaubt, sich und sein Leben permanent nach eigenem Willen neu zu gestalten.)

2. Grundlagen der Selbstveränderung: Warum will man sich verändern? Welche Ursachen, Wünsche und Probleme stecken dahinter? Die Ambivalenz der Selbstveränderung: Will man sich wirklich ändern oder sieht man sich eher getrieben? Die wichtigsten Gebiete der Selbstveränderung. Vom Lob des Eigen-Sinns: Warum man, trotz aller Veränderungen, an seinem eigenen Wesen festhalten sollte.

3. Klarheit, Ziele und erste Schritte: Eine Entscheidung treffen, sich gute Ziele wählen, den richtigen Zeitpunkt erwischen und mit kleinen Schritten ins Handeln kommen.

4. Zwölf Wege zur Selbstveränderung: Der umfangreichste Teil des Buches. Hier schlüsselt Stroß zwölf Schritte inklusive diverser Methoden auf, um sich selbst zu ändern. Dazu zählen:

  • Sich selbst erkennen
  • Anfangen und den ersten Schritt tun
  • Dranbleiben, sich selbst motivieren und durchhalten
  • Sich selbst überlisten: Von der „Als-ob-Technik“ bis zur Selbstbelohnung
  • Die Perspektive wechseln: Sperren im Kopf überwinden, Reframing, Vorzüge aber auch Risiken des Positiven Denkens
  • Neue Akzente setzen: Das persönliche Umfeld und die verfügbaren Mittel
  • Gefühlsmanagement: Gefühle als Botschaften, aber auch Gefühle beeinflussen
  • Fragen als Werkzeug: Diverse Frage-Techniken wie die Wunderfrage oder auch der lösungsorientierte Ansatz im Coaching / in der Therapie
  • Ballast abwerfen: Etwas bewusst loslassen, verdrängen, vergessen, verzeihen
  • Mit sich selbst reden: Affirmationen, Selbstkommunikation und innere Bilder
  • Der innere Kompass: Spüren, wenn sich etwas Neues anbahnt
  • Auf zu neuen Ufern: Der Name ist Programm

5. Weitere Hilfen bei der Selbstveränderung: Eigene Ressourcen erkennen und aktivieren. Die Dinge mit Humor nehmen. Glück sehen lernen. Genießen lernen. Ein gutes Körpergefühl entwickeln. Flow-Erlebnisse erkennen und suchen. Das Optimum anstreben und nicht das Maximum. Sich selbst ändern, nicht andere oder das Leben allgemein ändern wollen.

6. Rückblick, Überblick, Ausblick: Auf eine gute Balance achten. Grenzen und Risiken der Selbstveränderung. Mit Widerständen, Rückschlägen und Misserfolgen umgehen. Und nett als Abschluss: Diverse „Mythen zur Selbstveränderung“. 😉

Einige Literaturtipps schließen das Buch dann ab.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist ein guter Mix aus Fachbuch und einem „fürs allgemeine Publikum geschriebenen Buch“. Dem Autor gelingt die Kunst, hier die Balance zu halten: Es gleitet weder in eine schwer verständliche Fachsprache ab, noch ist es anbiedernd oder grob vereinfachend geschrieben.

Allerdings ist es sehr viel Stoff auf (im Verhältnis) knappem Raum. Der Leser sollte es am besten mehrfach lesen oder sorgsam durcharbeiten.

Fazit: Ein schöner, wirklich rundum gelungener Wurf. Wer sich, aus welchen Gründen auch immer, selbst ändern möchte, findet hier viele Anregungen.

© 2012 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 25.10.12

Rudolf Stroß, Die Kunst der Selbstveränderung. Kleine Schritte – große Wirkung. Göttingen 2009 (2. Auflage von 2008), 299 Seiten

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