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Coveys Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg sind ein Klassiker. Ihr Credo lautet: Es kommt nicht auf erlernte (Pseudo-) Techniken an. Der Charakter ist es, der zählt. Und: Effektiver zu leben und zu arbeiten, bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen sich und dem anderen anzustreben. Denn nur so können beide profitieren. Der Autor zeigt Wege auf, wie wir das erreichen können.

Stephen Covey ist ein Klassiker – und jemand, der ihn wie ich jetzt zum ersten Mal liest, ist offenbar ein bisschen spät dran. 😉 Wenn es Ihnen genauso gehen sollte, lassen Sie sich nicht davon abhalten und schlagen Sie trotzdem sein Buch „Die 7 Wege zur Effektivität“ auf – es lohnt sich.

Covey ist Unternehmensberater, „Management-Vordenker“ und Vater von 9 Kindern. Das heißt, er konnte seine Theorien nicht nur im Großen des Big Business, sondern auch im Kleinen, dem Mikro-Kosmos der Familie ausprobieren.

Im Grunde vertritt er eine zentrale Botschaft: Es kommt im Leben nicht auf angelernte Erfolgstechniken wie Motivations- und Managementtechniken, Rhetorik-Tipps und so weiter an. Was wirklich zählt und was dann praktisch von selbst zum Erfolg führt, sind die guten alten Charakter-Eigenschaften wie Ehrlichkeit und Integrität, Gerechtigkeit, Demut, Treue, Mut, Fleiß, Mäßigung, Einfachheit, Bescheidenheit, Geduld und so fort.

Covey wendet sich nicht gegen Management-Techniken an sich. Er wendet sich allerdings sehr wohl gegen eine „Persönlichkeits-Ethik“, die die von ihm so genannte „Charakter-Ethik“ mit Ende des ersten Weltkriegs abgelöst habe.

Nach dieser „Persönlichkeits-Ethik“ wäre es vor allem wichtig, wie man nach außen wirkt, welches Image man sich gibt, welche Verhaltensweisen man pflegt oder Sozialtechniken à la „wie man Freunde gewinnt“ beherrscht, um Erfolg im Leben oder im Business zu haben. Doch das sei nicht nur mitunter hochgradig manipulativ, es würde auch zu vielen Problemen führen, an denen unsere heutige Zeit krankt.

Es gehe nicht darum, irgendwelche Techniken oder Tricks zu lernen. Erfolg könne man nur von innen nach außen haben. Es gehe darum, an sich selbst zu arbeiten.

Und es gehe um fundamentale Wahrheiten und Prinzipien, die den Werten, die jede Kultur pflegt, übergeordnet sind.

Denn Werte sind von der Konditionierung oder der Kultur abhängig, in der man aufwächst. Mal ist zum Beispiel der Egoismus angesagt und entspricht dem Zeitgeist. Mal ist es genau umgekehrt. Übergeordnete Prinzipien sind dagegen das, „was immer zählt“.

Nun könnte man darüber streiten, wer denn nun diese Prinzipien definiert. Und zweifellos ist es dieser Standpunkt, der Covey unter anderem den Vorwurf eines „Gutmenschen“ eingetragen hat, dessen Thesen für den Alltagsgebrauch nicht praktikabel seien.

Doch hier kommen Coveys Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg:

  • Pro-aktiv sein – und eine persönliche Vision verfolgen
  • Schon am Anfang das Ende im Sinn haben – und konsequent darauf zusteuern
  • Das Wichtigste zuerst tun – und wie man sich selbst besser managt
  • In Gewinn-Gewinn denken – und wie man besser mit den Mitmenschen auskommt
  • Erst verstehen, dann verstanden werden – und wie man einfühlender kommuniziert
  • Synergien schaffen – und wie man besser zusammenarbeitet
  • „Die Säge schärfen“ – und dafür Sorge tragen, dass es einem selbst gut geht

Im Nachwort deutet er dann noch ein achtes Prinzip oder einen „achten Weg“ an, zu dem er in der Zwischenzeit auch ein eigenes Buch geschrieben hat: Seine eigene Stimme zu finden.

Übrigens: Es geht in den „7 Wegen zur Effektivität“ nur teilweise um klassisches Selbstmanagement oder um ein produktiveres Leben und Arbeiten. Das dürfte nach dem gerade Gesagten deutlich werden. Von daher finde ich den Titel leicht irreführend. Es geht Covey darum, wie man besser lebt und arbeitet.

Effektivität bedeutet für ihn nicht, mehr zu schaffen oder Ähnliches. Effektivität bedeutet für ihn, ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem, was man produziert oder herausgibt, und dem, der es produziert oder herausgibt.

Also vielleicht etwas platt formuliert: Tu gleichzeitig Dir und dem anderen Gutes, dann läuft die Sache. 😉

Bitte nicht durcheinanderbringen.

Das Buch ist anspruchsvoll, aber verständlich geschrieben. Die vielen persönlichen Beispiele aus Coveys Leben lockern den Text auf und helfen, seine Prinzipien besser zu verstehen.

Fazit: Man mag von Covey halten, was man möchte, und ihm Gutmenschentum und mehr vorwerfen. Doch ich schließe mich ihm an: Charakter ist wichtiger als Techniken. Und die Tatsache, dass er so viele Fans hat, deutet zumindest darauf hin, dass er ein Bedürfnis getroffen hat. Mmh? 😉

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 04.04.11

Stephen R. Covey, Die 7 Wege zur Effektivität. Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg. Offenbach 2010, 17. Auflage des amerik. Originals von 1989, 360 Seiten

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