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Stephen King: Das Leben und das Schreiben

Momentan scheint es „in“ zu sein, dass Bestseller-Autoren Bücher über das Schreibhandwerk verfassen. So auch Stephen King mit seinem Buch „Das Leben und das Schreiben“.

Ich bin eigentlich kein großer Fan von Stephen King. Das hat aber nichts mit ihm zu tun. Es liegt daran, dass ich nachts noch ruhig schlafen können möchte und deshalb einen Bogen um Horror und Co. mache. 😉

Momentan scheint es allerdings „in“ zu sein, dass Bestseller-Autoren Bücher über das Schreibhandwerk verfassen. Und so bin ich über eine Kaufanregung bei Elizabeth Georges „Wort für Wort“ auch bei Stephen Kings „Das Leben und das Schreiben“ gelandet.

Beide Bücher unterscheiden sich im Ansatz. Während „Wort für Wort“ ein Schreibratgeber mit Beispielen aus Texten und Vorgehensweise der Autorin ist, ist „Das Leben und das Schreiben“ eine Mischung aus Autobiografie und Schreibtipps.

Los geht es mit dem autobiografischen Teil. King erzählt mitreißend, teils schonungslos offen etwa von seiner steinigen Kindheit und Jugend, seiner Ausbildung und Ehe, der Abhängigkeit von Drogen und Alkohol, in die ihn Angst und Ruhm getrieben hatten, und aus der ihn Freunde und Familie nur unter Schwierigkeiten wieder herausholen konnten.

Er erzählt, wie er zum Schreiben kam, von seinen ersten Veröffentlichungen, seinem Kampf mit Absagen, seinen ersten Erfolgen mit Kurzgeschichten für Männermagazine und seinem Durchbruch als Schriftsteller mit dem Roman „Carrie“.

Immer bildet aber auch in diesem autobiografischen Teil das Schreiben den roten Faden.

Der knappe zweite Teil des Buches, der „Werkzeugkasten“, nennt einige Schreibtipps, bricht aber unvermittelt ab. Das scheint erst einmal nicht logisch zu sein, erklärt sich aber aus der Entstehungsgeschichte des Buches. King war mit seinem Manuskript bis hierher gekommen, als er nach einem schweren Unfall lange Zeit pausieren musste, und dann mit dem dritten Teil „über das Schreiben“ fortfuhr.

Dieser dritte Teil ist im Prinzip eine Sammlung üblicher Schreibtipps etwa zum Thema Recherchieren, Überarbeiten, Dialoge schreiben, Charakterstudien erstellen, und und. Dabei schön flüssig geschrieben mit anschaulichen Beispielen aus seinen eigenen Texten und seiner Praxis als Autor.

Und dieser dritte Teil zeigt sehr deutlich, dass Kings eigentliche Stärke das Erzählen ist. Das macht auch den Reiz dieses Buches aus, das sonst für alle, die sich schon etwas im Schreiben auskennen, wenig Neues bringt. Mit Sachtexten kann King zwar nach eigener Aussage nicht viel anfangen, aber er ist ein begnadeter Erzähler. Und der Leser folgt ihm mit glühenden Ohren selbst durch (vermeintlich) trockene Anleitungen für bessere Texte.

Im kurzen vierten Teil „über das Leben“ wird King noch einmal persönlich. Er schreibt über den Unfall, der ihn fast das Leben gekostet hätte, und die Lektion, die er daraus gelernt hat: Schreiben ist das Wasser des Lebens. Und er appelliert an seine Leser: Jeder, der davon trinken will und genug Mut aufbringt, damit zu beginnen, wird es auch schaffen.

Und der Vollständigkeit halber:

  • Witzig und hilfreich finde ich ein Textfragment im Nachtrag, bei dem der Autor durch Anmerkungen zeigt, wie er es überarbeitet und geschliffen hat.
  • Und den Schluss bilden jeweils eine Liste mit Lieblingsbüchern (für Fans), eigenen Büchern (fürs Marketing), und im Buch erwähnter Titel (für die weitere Recherche). Dazu der obligatorische Zitatnachweis.

Fazit: Ein Muss für alle Fans von Stephen King. Und ein mit leichter Hand geschriebener Einblick in das Schreiben für alle, die den Schreibprozess einmal praktisch an einem Autor und seinen Texten nachvollziehen wollen.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 09.06.09

Stephen King, Das Leben und das Schreiben, Berlin 2008 (amerikan. Original von 2000), 333 Seiten

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