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Viele Hochsensible sind selbstständig oder würden sich gern selbstständig machen. Doch viele scheitern auch an der Hürde Marketing und Verkauf. Sie finden sich in den üblichen Strategien mit ihrer Person und ihren Werten nicht wieder. Oder das Wort „Unternehmertum“ steht bei ihnen gleich – oft nicht zu Unrecht – in schlechtem Ruf. „Ethisches Marketing“ und „nachhaltige Strategien“ sollen helfen – und ich finde, das tun sie auch ganz gut.

Viele Hochsensible sind selbstständig oder würden sich gern selbstständig machen. Immerhin bietet ihnen die Selbstständigkeit deutlich eher die Möglichkeit, sich einen Beruf ganz nach ihren Wesensmerkmalen und Vorlieben zu zimmern. Womit ein hochsensibler Mensch nicht klarkommt, kann er vielleicht eher beiseite lassen, und worin er richtig gut ist, kann er eher leben.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Ohne Marketing, Selbstmarketing, Vertrieb und Verkauf läuft so gut wie gar nichts in der Selbstständigkeit. Alles Dinge, mit denen sich Hochsensible oft schwertun oder die ihnen gar ein Graus‘ sind. Zudem hat das Wort „Unternehmer (-tum)“ oft nicht zu Unrecht einen schlechten Beigeschmack. Man muss nicht bis in das 19. Jahrhundert zurückgehen, um auf Beispiele krassen Missbrauchs von Menschenrechten zu stoßen. Noch immer machen manche Unternehmen ungute Schlagzeilen.

Kein Wunder, dass ich bei dem Buchtitel „ethisches Marketing“ und „Nachhaltigkeit“ aufhorchte. Ich als Hochsensible fühlte mich gleich angesprochen. Was verbarg sich dahinter?

Und richtig, die Autoren Rupprecht und Parlow sind selbst hochsensibel. Und sie schreiben im Grunde auch für Hochsensible, nur dass dieses Wort im Titel fehlt.

Ihr Anliegen ist es, einen „Marketing-Ansatz ohne Tricks und doppelten Boden“ vorzustellen, der speziell auf den Stärken solcher „sensiblen, achtsamen und unaufdringlichen Menschen“ (Zitat) aufbaut. Zusätzlich gibt es noch diverse „Power-Tricks“ aus der „energetischen Psychologie“, um innere Hindernisse zu überwinden, mit denen man sich vielleicht bei der Umsetzung der ethischen Marketing-Strategien selbst im Wege steht.

Zum Inhalt:

Zu Beginn des Buches gibt es jeweils eine kurze Einführung in die Hochsensibilität, ins Marketing und in die „Power-Techniken“.

Danach folgt ein sehr umfangreicher Teil, in dem 26 Stärken von Hochsensiblen vorgestellt werden und erklärt wird, wie man diese fürs Marketing nutzen kann. Jedes einzelne „Stärken-Kapitel“ schließt mit einem Arbeitsblatt, einem Beispiel, einem Fragebogen oder einer Power-Technik.

Den Abschluss des Buches bilden ein paar weitere Skizzen und Arbeitsblätter für die Power-Techniken, ein paar Literaturtipps und Internetadressen, sowie ein Stichwortregister.

Die „Stärken“ und Kapitel sind: Aufrichtigkeit, Offenheit / Transparenz, Verlässlichkeit, Präsenz, Verbundenheit, Fürsorglichkeit, Streben nach Güte, Bescheidenheit, Harmlosigkeit, Reinheit, lebhafte Vorstellungskraft, Denken in größeren Zusammenhängen, detailvolle Wahrnehmung, Lernfähigkeit, Vorsichtigkeit, Langsamkeit, Zuhören können, Einfühlsamkeit / große Empathie, Sanftheit, Neigung zur Harmonie, Stimme der Vernunft, Verständnis für die Natur, intensives Empfinden, Intuition, Perfektionismus und Freiheitsliebe.

Die Stärken überschneiden sich leicht. Das ist gewollt und deckt jeweils einen teils anderen Anspekt ab. Natürlich verfügt nicht jeder Hochsensible über alle Stärken. Und natürlich sind diese Stärken kein Eigentum der HSP, wir sind keine Übermenschen. 😉 Allerdings sind es Eigenschaften, die, zumal gebündelt, für Hochsensible typischer sind als für andere.

Pro Kapitel nehmen die Autoren jeweils eine Stärke unter die Lupe, erklären sie etwas näher und leiten daraus eine oder mehrere Marketingstrategien ab.

Mal an einem Beispiel vorgeführt: Die Stärke lautet „Aufrichtigkeit“. Die Marketingstrategie lautet: Statt diverser (womöglich auch noch fauler) Werbeversprechen lieber sehr gute Produkte und einen sehr guten Service bieten, so dass man von den zufriedenen Kunden von selbst weiterempfohlen wird. („Mundpropaganda statt Werbe-Anzeige“) Dazu gibt’s einen Fragebogen zu Offenheit, Transparenz und Kundenzufriedenheit.

Manche Marketingstrategien wiederholen sich, ähnlich wie die Stärken. Zum Beispiel findet man das „Mundpropaganda dank zufriedener Kunden statt Anzeigen“ relativ oft. Und manchmal finde ich die „Abwertung“ „klassischer“ Marketingstrategien zugunsten „ethischer“ (oder hochsensibler) Marketingstrategien etwas schwarzweiß gezeichnet. Beide haben für mich ihren Wert, sofern man bei der Klassik nicht unethisch wird. 😉

Doch sonst finde ich den Ansatz sehr schön. Ich finde mich als Hochsensible in vielen Beschreibungen und Strategien wieder. Vieles davon mache ich schon seit langem intuitiv, anderes habe ich mir mal näher angesehen. Nur mit den „Power-Techniken“ konnte ich nichts anfangen, aber das ist, wie vieles, Geschmacksfrage.

Fazit: Ein Buch, das auch (hoch-) sensiblen Menschen das Brisanzthema Marketing näher bringen will und das hilft, Berührungsängste abzubauen. Natürlich auch für Nicht-HSP geeignet. 😉

© 2014 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 10.02.14

Susanne Rupprecht, Georg Parlow, Ethisches Marketing. Nachhaltige Strategien für Klein- und Mikro-Unternehmen, Wien 2008 (2. Auflage von 2008), 264 Seiten

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