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Mit Schreiben kann man seine Gedanken klären, Erfahrungen aufarbeiten, seine Gefühle und sich selbst besser verstehen, Ängste überwinden und manchmal sogar Blockaden lösen und Verletzungen heilen. Kein Wunder, dass es immer öfter auch in Therapien und von Therapeuten angewandt wird. Doch auch der Laie kann mit diesem Buch „für den Hausgebrauch“ therapeutisch schreiben lernen.

Kreativität und Schreiben sind immer häufiger Bestandteil diverser „klassischer“ Therapie-Formen. Doch auch im „Hausgebrauch“ kann man sich mit Schreiben – in Grenzen – „therapieren“. Oder genauer, man kann mit Schreiben etwas aufarbeiten, verarbeiten und – im besten Falle – heilen.

Die Autorin Sylvia Winnewisser ist Germanistin, Literaturwissenschaftlerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. In ihrem Buch stellt sie diverse Schreibmethoden vor, die auch der Laie in diesem Sinne nutzen kann.

Doch eines gleich vorweg: Ich habe mal wieder ein Problem mit dem (Unter-) Titel. Denn wie sich „therapeutisches Schreiben auf die Seele auswirkt“ (Titel) wird im Grunde nur auf wenigen Seiten abgehandelt. Wer hier tiefergehendes Hintergrundwissen erwartet, könnte leer ausgehen.

Stattdessen ist dieses Buch eine Sammlung von Schreibmethoden und Übungen, die man im therapeutischen Sinn anwenden kann. Welche Wirkung diese Methoden auf Gehirn und Psyche haben, muss sich der Leser selbst aus den gelegentlichen einleitenden Bemerkungen zu Übung oder Methode herausziehen.

Mit anderen Worten, der Titel ist nicht falsch. Er könnte allerdings falsche Erwartungen wecken. Dies hier ist ein Übungsbuch. Seine Zielgruppe ist der Anwender und (Schreib-) Laie. Es ist keine tiefergehende psychologische Betrachtung oder Ähnliches.

Doch zum Inhalt:

Das Buch startet knapp mit einer Einführung, was eigentlich therapeutisches Schreiben ist und was es bewirken kann.

Es folgt ein kurzer Trip in die Geschichte beziehungsweise Forschungsgeschichte, wie bekannte Psychologen das Schreiben als Methode genutzt und entwickelt haben.

Und ein nicht minder knapper Ausflug in die Hirnforschung und den Aufbau des Gehirns schließt diesen Grundlagenteil ab.

Danach folgt ein umfangreicher Teil zu Formen des therapeutischen Schreibens. Winnewisser stellt hier Techniken vor wie freies Assoziieren, automatisches Schreiben, Imagination, Psychodrama, Selbstanalyse, autobiografisches Schreiben, meditatives Schreiben und andere mehr.

Ein weiterer Teil beinhaltet die diversen Schreibübungen. Es gibt Übungen zum Warmschreiben. Übungen, um achtsamer gegenüber sich selbst und anderen zu werden. Übungen, die den einzelnen erwähnten Schreibtechniken zugeordnet sind.

Schön finde ich den folgenden Abschnitt mit Entspannungsmethoden wie der Progressiven Muskelentspannung, Atemübungen und mehr. Wer sich schreibend mit sich selbst beschäftigen möchte, muss oft erst ein wenig Ruhe und Stille finden, um sich überhaupt hören zu können. 😉

Zum Schluss gibt es noch eine längere Passage, wie man Träume deutet. Die Autorin erklärt hier häufiger vorkommende Traumsymbole. Das passt zu der früher vorgestellten Methode des Traumtagebuchs.

Und ein Anhang nennt einige Adressen für eine Schreibtherapie beziehungsweise für kreatives Schreiben und Literatur.

Das Buch ist eingängig und leicht verständlich geschrieben. Man sollte es aber, wie gesagt, als Arbeits- und Übungsbuch begreifen. Es ist kein Sachbuch, das Hintergrundinfos bringt und Zusammenhänge erklärt.

Durch die gewählte Struktur ergibt sich eine leichte Doppelung zwischen Methoden- und Übungsteil. Das heißt, zunächst werden nur die Methoden vorgestellt. Dann folgen in einem weiteren Kapitel noch mal die Methoden und jeweils dazu passende Übungen. Das hätte man stattdessen auch zusammenziehen können.

Auch die Traumdeutung hätte man entweder zu der entsprechenden Technik packen oder wirklich gesondert in den Anhang verschieben können. So scheint sie mir ein wenig unentschlossen „im Nichts“ zu schweben. 😉

Doch das ist, wie immer, Geschmacksfrage.

Nicht zuletzt hängt es von den Vorkenntnissen des Lesers ab, inwieweit er von diesem Buch profitiert. Denn wer die Schreibtechniken schon kennt und weiß, wie sie funktionieren, wird wohl nur noch durch die – allerdings wirklich guten – Übungsvorschläge Neues erfahren.

Fazit: Schreiben einmal aus einer anderen Perspektive und mit einem anderen Einsatzzweck. Ein echter Augenöffner für den Laien, und hilfreiche Anregungen für alle, die sich schon ein wenig länger mit dem Schreiben beschäftigen.

© 2011 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 24.08.11

Sylvia Winnewisser, Einfach die Seele frei schreiben. Wie sich therapeutisches Schreiben auf die Seele auswirkt, Hannover 2010, 152 Seiten

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