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Viele Bücher des „Sprachpapsts“ Wolf Schneider ähneln sich. In ihnen setzt sich Schneider leidenschaftlich für eine gute Sprache ein, zeigt, wie man sprachlich gelungen schreibt. Dieses Buch macht da keine Ausnahme. Es unterscheidet sich nur durch eine besonders kunstvolle Darbietung, einen zusätzlichen Buchteil zu Textform und Veröffentlichungsmedien – und einen, vielleicht altersweisen :-), Hang zur Differenzierung.

Wolf Schneider ist der „Sprachpapst“, der „Papst der deutschen Sprache“. Seine Regeln haben ganze Jahrgänge von Journalisten auswendig gelernt. Seit Jahrzehnten streitet er für eine kraftvolle, lebendige Sprache in Texten.

Schneider war in führenden Positionen bei mehreren großen Zeitungen tätig, war Leiter der Hamburger Journalistenschule, Ausbilder für Journalisten und Seminarleiter für Unternehmen, er ist Honorarprofessor und hat bis heute mehr als zwei Dutzend Bücher veröffentlicht.

Etliche seiner Bücher ähneln sich, sie unterscheiden sich allenfalls in Ansatz, Zielgruppe und Stil. Manchmal sind Humor und Ton nicht meins. Doch dieses Buch trifft wieder meinen Geschmack.

Ein Problem hatte ich mit dem Titel. Beim „Deutsch für junge Profis“ dachte zumindest ich instinktiv an Schüler und Studenten. Doch das kann hier kaum gemeint sein. Vielleicht zielt Schneider auf angehende und deshalb so bezeichnete „junge“ (Schreib-) Profis?

Auch in diesem Buch geht es wieder um das, was unserer (Schrift-) Sprache gut tun würde und woran sie krankt. Und es geht darum, wie man Texte so schreibt, dass die Leser sie gern lesen. Neu im Vergleich zu Büchern wie „Deutsch für Kenner“ oder „Deutsch fürs Leben“ ist der Teil zu Textformen und Veröffentlichungsmedien; er macht ein knappes Drittel dieses Buches aus.

Aus dem Inhalt:

Wo liegt das Problem? Angesichts der heutigen Informationsflut müssen Texte sich behaupten, müssen Autoren lernen, wie man für den Leser schreibt. Eine Hilfe: Die Sprache zu lieben. :-)

Teil 1: Was für alle Texte gilt

Das volle Leben

Dazu gehören zum Beispiel: Stark einsteigen und feurig beginnen. In nur 20 oder sogar nur 10 Sekunden ziehen. Konkret schreiben und die Sinne der Leser ansprechen. Mit einem Teil das Ganze meinen. Füllwörter mit Bedacht setzen. Klischees und Floskeln streichen. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig sagen. Wortwitz und Ironie, Unter- und Übertreibung, Metaphern.

Das pralle Wort

Dazu gehören zum Beispiel: Wortmonster auflösen und kurze, knackige Wörter wählen. Verben tanzen lassen, das Passiv wieder achtsam setzen, tote Verben rupfen und Substantivierungen meiden. Adjektive sparsam verwenden, Blähvokabeln streichen. Synonyme und Anglizismen ebenfalls achtsam setzen. Abgenutztes abwandeln. Bürokratenjargon, Akademikersprache und die political correctness.

Der schlanke Satz

Dazu gehören etwa: Hauptsätze bevorzugen, Nebensätze mit Sorgfalt behandeln, Eingeschobenes auflösen. Das Kurzzeitgedächtnis beachten. Sätze nicht länger werden lassen als der Atem beim lauten Lesen reicht. Mit Satzstellung spielen, für Abwechslung und Melodie sorgen. Mit Satzzeichen Wirkung erzielen.

Teil 2: Unterschiede – Nach dem Medium

Hier beginnt das Neue, das, was dieses Buch von ähnlichen Büchern Schneiders unterscheidet. Schneider gibt Tipps für gesprochene Texte, Reden, eMails und die sozialen Netzwerke. Er spannt den Bogen von Luther bis Twitter und erklärt, was Blogger und Journalisten voneinander lernen könnten.

Teil 3: Unterschiede – Nach dem Zweck

Tipps für reine Informationstexte wie Gebrauchsanleitungen und Lexika, für wissenschaftliche Texte und Bewerbungen folgen.

Ein Namen- und Sachregister im Anhang schließt das Buch ab.

„Deutsch für junge Profis“ ist das Buch unter den mir von Schneider bekannten Büchern, das am deutlichsten nach seinen eigenen Kriterien geschrieben ist: Kurze klare Sätze, ein Spiel mit Sprache und Worten. Jeder Satz und jedes Wort scheinen bewusst gewählt zu sein. Hinter dem Eindruck von Leichtem, griffig Dahingeworfenem verbirgt sich hohe Kunst.

Schneiders Stil ist gehoben, aber gut verständlich. Öfters wird er humorvoll, manchmal bissig, manchmal dogmatisch. Auf der anderen Seite finde ich ihn erfreulich differenziert im Gegensatz zu anderen Kollegen. Es gibt nur wenig, was er in Bausch und Bogen verdammt. Stattdessen fordert er dazu auf, sich der Wirkung von Sprache bewusst zu sein und diese je nach Fall einmal so, einmal so zu wählen, immer mit Beispielen veranschaulicht und gut begründet.

Der allgemeine Buchteil „Was für alle Texte gilt“ ist kurz und knapp, aber umfassend gehalten. Wer diesen aufmerksam studiert, bekommt alles, was er oder sie für eine gute Sprache braucht. Die speziellen Buchteile zu Medium und Zweck haben meist nur einige kurze Bemerkungen oder Tipps. Hier könnten sich manche Leser weiteres Wissen wünschen, vielleicht sogar erwarten.

Auch bei „Deutsch für junge Profis“ merkt man Schneider sein lebenslanges Engagement an, sein Herz für die deutsche Sprache und – mehr noch – für sprachlich gelungene Texte.

Fazit: Differenziert betrachtet, kunstvoll und mit Herzblut geschrieben, mit Genuss zu lesen.

© 2017 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 14.03.17

Wolf Schneider, Deutsch für junge Profis. Wie man gut und lebendig schreibt. Reinbek bei Hamburg 2016 (7. Auflage von 2011, Original 2010), 191 Seiten

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