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myjob: Frau Thormann, Sie sind Expertin für “kreatives Denken” und möchten das nach eigener Aussage auch Menschen in kreativitätsfernen Berufsfeldern näher bringen. Welche Vorteile haben kreative Menschen im Berufsleben?
Kreative Menschen sind geistig bewegliche Menschen.
Sie können Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln sehen und damit hinterfragen, Bestehendes neu kombinieren und damit verändern, Regeln und Normen hinter sich lassen und damit schöpferisch tätig sein. Sie können Ideen finden, Probleme lösen, Routinen überwinden und Veränderungen aktiv angehen. Und das in den verschiedensten Bereichen. Ob sie neue Produkte entwickeln, sich in Kundenwünsche einfühlen oder Firmenstrukturen optimieren.
Ihre Kreativität hilft ihnen aber nicht nur, ihre eigenen Aufgaben besser zu erfüllen. Sie macht sie auch zu wertvollen Mitarbeitern für ein Unternehmen.
Märkte und Bedürfnisse ändern sich – heute schneller denn je. Wer mithalten will, kann nicht bei Bewährtem stehenbleiben. Neue Lösungsstrategien sind gefragt und Kreativität kann zum Schlüsselfaktor unternehmerischer Leistung werden. Viele Arbeitgeber haben die Zeichen der Zeit erkannt und suchen nach diesem kreativen Potenzial.
myjob: Die ersten 100 Tage im neuen Job – für viele ist das eine problematische Zeit. Wieviel Kreativität kann sie Ihrer Meinung nach vertragen?
Angesichts des eben Gesagten sollte man meinen, dass sie soviel vertragen kann, wie möglich ist. ![]()
Aber Sie deuten das Problem schon an: Kreativität und kreative Menschen sind nicht immer einfach und bequem. Wer als Neuling Betriebsroutinen hinterfragt, kann nicht nur auf taube Ohren stoßen, sondern sich auch schnell unbeliebt machen.
Dabei ist diese Zeit eine besondere Chance für alle Beteiligten. Wer als kreativer Mensch neu in ein Unternehmen kommt, ist von diesem noch nicht geprägt. Er sieht Dinge, die langjährigen Betriebsangehörigen nicht mehr auffallen, und kann mit seiner fragenden Art helfen, Schwachstellen aufzudecken und Verbesserungen durchzuführen.
Wenn ein neuer Mitarbeiter ängstlich darauf bedacht ist, es allen Recht zu machen, um seinen Job zu behalten, ist das zwar verständlich. Andererseits vertun sowohl er als auch der Arbeitgeber hier eine einmalige Gelegenheit – mit seiner Kreativität zu gestalten und von dieser zu profitieren.
myjob: Damit Kreativität nutzbringend eingesetzt werden kann, braucht es also auch immer eine besondere Einstellung auf der Arbeitgeberseite?
Ganz richtig. Ein Arbeitgeber muss dieses Hinterfragen zulassen können. Der Wunsch nach Veränderungen und das Streben nach Verbesserungen dürfen nicht nur Lippenbekenntnisse sein, sondern müssen wirklich gewollt werden.
Und man muss mit Menschen umgehen können, die unter Umständen nicht stromlinienförmig und angepasst sind. Man muss ihnen genügend Freiraum lassen, sich einzubringen und mitzugestalten. Man muss Verantwortung zugestehen und Vertrauen entgegenbringen.
Kreativität kann sich nur dort entfalten, wo sie gelebt werden kann und sich ausdrücken darf.
myjob: Haben Sie einen ganz konkreten Praxis-Tipp für unsere Leser… vielleicht auch für diejenigen, die sich nicht für besonders kreativ halten?
Kreativitätstechniken können helfen, Kreativität herauszukitzeln und zu fördern. Sie können das Denken schulen und die Wirklichkeit auf den Kopf stellen. Und das sogar ganz wörtlich.
So ist z.B. die Kopfstandtechnik eine prima Methode, den menschlichen Hang, das Haar in der Suppe zu suchen, auszunutzen und zu neuen Ideen zu finden. Überlegen Sie also nicht, wie Sie mehr Umsatz machen können – und blockieren sich dabei mitunter selbst. Sondern überlegen Sie, was Sie anstellen müssen, damit Sie garantiert weniger oder keinen Umsatz machen – und wandeln Sie diese Anti-Lösungen dann durch eine erneute Umkehrung in Lösungen um. Wetten, dass Sie so fündig werden?
Aber so durchschlagend Kreativitätstechniken auch sein können, sie können keine Wunder bewirken.
Kreativität ist eine Frage von Denkmustern und Verhaltensweisen. Man muss nicht nur den Mut haben, gelegentlich gegen den Strom zu schwimmen und durch unangenehme Fragen aufzufallen. Kreativität bedeutet auch Achtsamkeit.
Gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt, nehmen Sie nichts als selbstverständlich hin, fragen und staunen Sie wie ein Kind. Um so leichter wird es Ihnen fallen, neue Lösungen zu finden.
© 2007 myjob / Heike Thormann
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