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Ein Lob auf Wiederholungen: So bringen Sie neue Informationen besser rüber

In der Schule sind Wiederholungen beim Schreiben verpönt. Wer einfallslos dieselben Worte gebraucht oder endlos an einer Sache kaut, bekommt etwas auf die Finger. Doch Wiederholungen können auch sehr sinnvoll sein. Sie helfen dem Leser, Ihre Texte besser zu verstehen, und verhindern, dass er beim Ansturm neuer Informationen überwältigt in die Knie geht.

In der Schule bekommen wir oft beigebracht, dass wir Wiederholungen meiden sollen, wenn wir gut schreiben wollen. Das kann soweit gehen, dass wir uns auf die Hatz’ nach Synonymen begeben, um nur ja nicht ein Wort doppelt zu verwenden.

Nun ist gegen Synonyme und das Spiel mit der Sprache nichts einzuwenden, sie bereichern jeden Text. Auch sollte man es mit Wiederholungen nicht übertreiben.

Niemand möchte dasselbe Argument ein drittes Mal lesen. Niemand möchte sich durch einen überflüssigen Wortschwall hindurchwühlen müssen. Und es ist völlig ausreichend, wenn eine Wohnung renoviert ist. Sie muss nicht noch „neu und von Grund auf renoviert“ sein.

Doch nicht immer liegt in der Kürze die Würze.

Nicht zu viele Informationen auf einmal

Wenn Sie „zu dicht“ schreiben, also wenn Sie zu viele, noch dazu neue Informationen auf einmal bringen, werden Ihre Leser Ihnen nur mühsam folgen können. Jede Information kostet „Verarbeitungszeit“ im Gehirn. Je öfter Sie Ihre Leser arbeiten und verarbeiten lassen, desto langsamer werden diese vorankommen.

Wollen Sie verständlich schreiben, sollten Sie auf die sogenannte Informationsdichte Ihrer Sätze und Texte achten. Und das bedeutet:

a) Bringen Sie nicht zu viele (neue) Informationen pro Satz.

b) Bauen Sie Wiederholungen ein, um die Informationsdichte zu reduzieren.

Ein Beispiel

Ein Beispiel dafür ist mein ganzer letzter Absatz.

Ich schreibe zuerst: Nicht zu dicht schreiben. Nicht zu viele (neue) Informationen. Der Leser kann nur mühsam folgen.

Dann erkläre ich kurz den Zusammenhang.

Als nächstes wiederhole und wandle ich leicht ab: Wenn Sie verständlich schreiben wollen, achten Sie auf die Informationsdichte.

Und danach erkläre ich noch einmal: Nicht zu viele (neue) Informationen. Bewusst Wiederholungen einbauen.

Weitere Möglichkeiten für Wiederholungen

In meinem Beispiel habe ich eine Aussage mehrfach leicht abgewandelt und in neuen Kombinationen gebracht. Dazu habe ich einige Erklärungen eingefügt und das gerade Gesagte noch einmal in einer Liste zusammengefasst. Das wären einige Möglichkeiten für sogenannte Redundanzen, also Wiederholungen.

Sie können diese Redundanzen auch durch folgende Kniffe erzielen:

1) Sie wiederholen einen wichtigen oder schwierigen Begriff mehrfach. Wenn Sie beispielsweise das dritte Mal von einer Redundanz sprechen, sollte auch der letzte Leser dieses Wort aufgenommen haben. 😉 Das ist vor allem bei Fachbegriffen, Vokabeln oder Ähnlichem sinnvoll.

2) Sie unterstreichen das, was Sie gerade geschrieben haben, durch ein anschauliches Beispiel. Alternativ können Sie es schlaglichtartig durch Zitate, wörtliche Rede, Bilder, Symbole und so fort wiedergeben.

3) Sie beleuchten eine These oder ein Argument von mehreren Seiten. Dabei wiederholen Sie natürlich auch besagte These und fügen ihr Stück für Stück weitere Informationen hinzu.

4) Sie spielen mit längeren Sätze, die die neuen Informationen immer wieder anders aufgreifen. Oder Sie greifen, in Maßen, zu Füllwörtern und anderem „Futter“ für Ihre Sätze.

Beispiel: Sie möchten schreiben, dass kurzen Sätzen die Melodie fehlt. Statt der knappen Aussage erweitern Sie zu „kurzen Sätzen fehlt die Melodie, die Wärme, der Sing-Sang, der …“ Sicher hätte auch die Melodie gereicht. Doch die verwandten Worte wie Sing-Sang oder Wärme (also die Wirkung) lockern auf und nehmen stakkatohaften zu kurzen Sätzen ihre Atemnot.

Wiederholungen als rhetorisches Stilmittel

Mit Wiederholungen können Sie sogar richtig kreativ werden. 😉 Eine Reihe von rhetorischen Stilmittel und Sprachfiguren verwendet Wiederholungen.

Wie etwa die Anapher, bei der Sie mehrere aufeinander folgende Sätze oder Satzteile mit demselben Wort oder Ausdruck beginnen: „Weihnachten ist zwar mittlerweile zu einer einzigen Konsum-Offensive geworden, Weihnachten ist aber auch für viele …“

Oder die Antimetabole, bei der Sie Begriffe und Formulierungen kunstvoll wiederholen, um ihnen jedes Mal einen anderen Sinn zu geben. Etwa: „Wir leben nicht, um zu arbeiten. Wir arbeiten, um zu leben.“

Oder die Epizeuxis, bei der Sie ein Wort mehrfach in einem Satz gebrauchen und es damit verstärken. Beispiel: „Er versuchte es, er versuchte es immer wieder und setzte sich schließlich durch.“

Und falls Sie es gemerkt haben, auch meine Satzkonstruktion „[Redefigur], bei der …“ ist eine Wiederholung.

Oder zusammengefasst: Wiederholungen sind nicht an sich schlecht. Sie können mit ihnen beispielsweise kunstvoll spielen, etwas besonders betonen, andernfalls womöglich zu dicht gedrängte, stakkatohafte Sätze auflockern und sichergehen, dass man Sie auch wirklich verstanden hat. Kurz, Sie können mit ihnen verständlicher schreiben.

Nutzen Sie dies. Denn erst, wenn der Leser die eine Information verstanden hat, sollte man die nächste bringen. 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 20.10.2010

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