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Wie originell kann man noch schreiben? Ist nicht schon alles längst gesagt und geschrieben? Lohnt es überhaupt noch, den Stift aufzunehmen und sich in den Reigen einzureihen? Wer wird mich noch lesen? Wenn Sie, wie viele neue Autoren, diese Frage umtreibt, dann lesen Sie hier weiter.
Wie originell kann man (noch) schreiben?
Diese Frage stellte mir ein Teilnehmer meines Kreativ-Schreiben-Kurses. Schließlich ist doch alles schon einmal dagewesen.
Schlagen Sie ein Buch auf, sehen Sie sich einen Film an: Sie werden nicht umhin kommen, den Inhalt in Teilen „wiederzuerkennen“. Sicher, Anteil und Mischung werden sich ändern. Aber Sie werden ihn wiedererkennen.
Sie werden auf bekannte Themen stoßen, wie zum Beispiel Magie und Zauberei, den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse, den Mythos vom auserwählten Retter oder die persönliche Entwicklung des Helden auf einer „Suche“. Denken Sie etwa an die Filme / Bücher „Harry Potter“, Star Wars und „Der Herr der Ringe“.
Und manchmal werden Sie sogar auf gut gemachte „Epigonen“ stoßen. Also Stoffe, die bewusst eine berühmte Vorlage nachahmen wie zum Beispiel in Mel Brooks’ Parodie auf Star Wars, „Spaceballs“.
(Sie werden auch sehr viele schlecht gemachte Nachahmer finden, die als „Trittbrettfahrer“ irgendwo aufspringen wollen. Aber die bleiben hier mal außen vor.
)
Alles scheint schon einmal geschrieben worden zu sein. Wie kann man sich da unterscheiden? Lohnt es sich überhaupt noch, den Stift aufzunehmen, wenn eh schon alles überreich vorhanden ist?
Das ist eine Frage, die auch andere Teilnehmer immer wieder heimsucht.
Ich schrieb ihm zurück, dass meiner Meinung nach nicht nur alles schon einmal dagewesen zu sein scheint. Ich würde sogar ketzerisch behaupten, dass alles schon einmal irgendwie dagewesen ist.
Ich denke, dass es wirklich neue Bücher, Themen, Schreibideen fast gar nicht geben kann. Das liegt in der Natur der Sache.
Alles baut aufeinander auf. Sie können nicht etwas aus dem Nichts erschaffen. Alles ist eine Fortentwicklung oder Kombination von Dingen, die Sie umgeben. Oder die es einmal gab, von denen Sie gehört oder gelesen haben, und so weiter, und so fort.
So funktioniert Kreativität. Kreativität nimmt das, worauf Sie stoßen oder was Sie aufgesaugt haben. Sie kombiniert, verändert, verbessert oder verleiht neuen Guß.
Neu wäre Ihre eigene Note, die Sie dem Ganzen verleihen. Ihre Auswahl, Ihr Ansatz, Ihre Mischung, Ihre Handschrift, Ihre Stimme, Ihr Wesen, Ihr Stil.
Das ist es auch, womit Sie sich von anderen unterscheiden und was die Leute lesen wollen. Sie wollen keinen müden Abklatsch von „Harry Potter“ oder „Dem Herrn der Ringe“. Sie wollen keine Klone. Sie wollen Sie selbst. Das, was Sie mit Ihren Erfahrungen, Ihrer Stimme und Ihrem Ziel aus einem Stoff machen. Das ist es, was Buch, Text oder Idee originell sein lässt. Denn „origo“ (lat.), der Ursprung, liegt in Ihnen.
In diesem Sinne würde ich sagen: Keine Bange. Wenn Sie wirklich etwas zu sagen haben und nicht nur nachahmen, wenn Sie Ihre eigenen Kombinationen und Gestalten auf die Welt loslassen, sind Sie auch neu – und werden gelesen.
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