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Die Angst vor dem Erfolg

Erfolg ist subjektiv, und Erfolg ist auch nicht immer positiv. Doch wer sich aus Angst vor dem Erfolg ein Bein stellt, und diesen unbewusst sabotiert oder meidet, tut sich keinen Gefallen. Lesen Sie, warum wir Angst vor dem Erfolg haben und was Sie dagegen tun können.

Erfolg ist subjektiv

Eines vorweg: Erfolg ist subjektiv. Wer zum Beispiel glaubt, dass Frauen Angst vor Erfolg haben, weil sie sich prozentual weniger in die Vorstandsetagen drängen, irrt. Das wäre eine einseitige, oft von Männern getragene Denkweise.

Jeder hat andere Prioritäten und Dinge, die für ihn einen Erfolg darstellen würden. Viele Frauen meiden besagte Vorstandsetagen beispielsweise absichtlich, weil ihnen die dortigen Spielregeln nicht gefallen, weil sie der Familie den Vorzug geben oder weil sie sich lieber selbstständig machen und ihr eigener Chef sein wollen. 😉

Und Erfolg ist auch nicht per Definition positiv besetzt. Der Druck, immer Erfolg haben zu müssen, nicht versagen zu dürfen, kann einen vernichten. Dann lieber den Job schmeißen oder das Studium knicken, wenn sie einem nicht mehr gut tun, statt krampfhaft einen (einseitig definierten) Erfolg im Auge zu haben.

Angst vor dem Erfolg

Wer aber das, was er will und wovon er träumt, sabotiert oder begräbt, der kann an einer Angst vor Erfolg leiden.

Ein berühmtes Beispiel dafür sind Studenten, die vor den Prüfungen nicht mehr lernen oder diese Semester um Semester hinausschieben. Entweder sabotieren sie sich unbewusst oder sie gehen die letzten Meter auf dem Weg zum Erfolg gar nicht erst an.

Aber auch im Schreibbereich oder generell bei Kreativen hat man das oft: Abgabetermine werden nicht eingehalten. Die Aufnahmeprüfung zur Musikschule tritt man nicht an. Das Engagement an der Met nimmt man nicht an.

Wie gesagt, auch hierfür kann es die verschiedensten Gründe geben. Nicht jeder will zum Beispiel für große Zeitschriften schreiben, wenn die Freiheit als Selbstverleger lockt. Seien Sie in dem Fall selbstkritisch genug, Ihre Motive zu ergründen.

Sollten Sie sich aus Angst vor dem Erfolg aber doch immer wieder ein Bein stellen, dann kann das beispielsweise folgende Ursachen haben.

1. Angst vor dem Neuen und vor Veränderungen

Das ist etwas, was oben erwähnte Studenten gern heimsucht: Die Angst vor dem Neuen und den Veränderungen, die mit Abschluss ihres Studiums auf sie warten. Die „alma mater“, die Mutter Hochschule, ist nicht mehr. Nun beginnt der Ernst des Lebens. 😉 Alles Vertraute, das noch stark an das Leben als Schüler erinnerte, fällt weg. Und niemand weiß, was ihn erwartet.

Das Gleiche gilt aber auch für Autoren, Musiker und Co. Die Sicherheit und Vertrautheit, die die Provinzbühne bietet, ist ein hoher Preis, den man für die Metropolitan Opera zahlen muss. Nicht jedem ist das den Preis wert.

2. Selbstzweifel: Bin ich der Sache überhaupt gewachsen?

Je größer die Erfolge sind, die man erreicht oder anstrebt, desto größer sind in der Regel auch die Ansprüche und Erwartungen. Wird man der Sache gewachsen sein? Oder wird man unsanft an seine Grenzen stoßen?

Wie ist das mit neuen Rollen, die auf einen warten? Wird man der Rolle als Chef gewachsen sein? Oder sollte man doch besser nach Alternativen suchen?

Wie steht es mit den wachsenden Verantwortungen? Will man diese überhaupt haben?

3. Angst vor Konfrontationen und Konflikten

Je erfolgreicher man ist, desto sichtbarer ist man in der Regel auch. Es fällt schwerer, sich in der anonymen Masse zu verstecken. Und wer sichtbar ist, zieht Neider und Unzufriedene auf sich oder riskiert es, seine Mitmenschen zu verärgern. Bis man irgendwann zum Gegenstand der Presse wird oder den Unmut seiner Mitarbeiter aushalten muss. Auch das ist nicht jedem die Sache wert.

4. Zweifel am Erfolg und Angst vor Konsequenzen

Wie gesagt, Erfolg ist nicht per Definition positiv besetzt. Jeder, der aus der Team-Ebene in die Chef-Rolle aufsteigt, weiß ein Lied von der plötzlichen Einsamkeit zu singen. Wem kann man noch vertrauen? Wer hat wirklich noch das Wohl des anderen im Auge?

Es macht auch nicht allzu viel Spaß, seinen Namen von Klatsch-Kolumnisten oder neidischen Kritikern verrissen zu sehen. Der Bestseller, von dem man gerade noch geträumt hat, kann so schnell zum Albtraum werden.

Und wer in Frieden seine Ein-Mann- oder Ein-Frau-Firma leitet, kann den Tag verfluchen, an dem er oder sie sich die Probleme eines ganzen Mitarbeiter-Stabs an den Hals gehängt hat. Auch das ist nicht jedem die Sache wert.

5. Angst davor, sich von anderen zu entfernen

Jeder Erfolg verändert den Menschen und sein Umfeld. Freunde wenden sich ab oder halten nicht Schritt. Familie und Verwandte werden einem fremd. Die Sorgen und Freuden, die man gerade noch geteilt hat, stehen dem anderen plötzlich fern. Und mancher wird vielleicht auch neidisch sein.

Aber nicht nur in der Geborgenheit unserer Bezugspersonen würden wir gern bleiben. Wir sind auch von klein auf darauf geeicht, ihre Anerkennung zu suchen. Die Künstlerkarriere kann einem auch deshalb wie ein Stein im Magen liegen, weil man sein Leben lang von der Familie mit Schimpftiraden über Künstler versorgt wurde.

6. Hinderliche Denkmuster und Glaubenssätze

Nicht zuletzt sind wir vermutlich dann am erfolgreichsten darin, Angst vor dem Erfolg zu haben (kleines Wortspiel ;-)), wenn wir uns mit diversen Denkmustern und Glaubenssätzen selbst im Weg stehen.

Dazu gehören Überzeugungen wie „alle Unternehmer sind Halsabschneider“, die der eigenen Selbstständigkeit sehr erfolgreich einen Riegel vorschieben. Oder Schauermärchen von der brotlosen Kunst vieler Kreativer, die man verinnerlicht hat. Oder der Druck, in die Fußstapfen des erfolgreichen Familienpatriarchen zu treten, gegen den man unbewusst Amok läuft. Zum eigenen Schaden, aber das sieht man nicht.

Was tun bei Angst vor Erfolg?

Was können Sie also tun, wenn Sie sich mit solchen und ähnlichen Stolperfallen um den Erfolg bringen?

Nun, zunächst einmal macht es Sinn, herauszufinden, welche Art von Erfolg Sie überhaupt anstreben und welchen nicht. Wie gesagt, die Vorstandsetage zieht nicht jeden an. Genausowenig wie das Chef-Dasein oder das „Aus-dem-Koffer-Leben“ bei ständigen Reisen von Bühne zu Bühne. Wenn Sie sich hier zum Erfolg zwingen, tun Sie sich einen Bärendienst an. Der wahre Erfolg könnte dann eher darin bestehen, bewusst eine Grenze zu ziehen und nach seiner eigenen Art von Erfolg zu suchen.

Es macht auch immer Sinn, die eigenen Denkmuster zu überprüfen. Wer sagt, dass zum Beispiel alle Unternehmer Halsabschneider oder alle Künstler arme Schlucker sein müssen? Immer mehr Unternehmer bekennen sich ausdrücklich zu sozialem Unternehmertum und nachhaltigem, verantwortungsvollem Wirtschaften. Und immer mehr Künstler haben ein handfestes Interesse an einem anständigen Auskommen. Zweifeln Sie solche Stereotype und Schwarz-Weiß-Denken an.

Oder hinterfragen Sie die Muster, mit denen Sie aufgewachsen sind, und die nun Ihr Bild vom Erfolg (in welcher Beziehung auch immer) prägen.

Machen Sie sich auch klar, dass Veränderungen nun mal zum Leben gehören. Sie können ihnen nicht entkommen. Alles, was Sie tun können, ist, ihre Richtung zu bestimmen. Also warum nicht gleich in die Richtung gehen, die Ihnen die „erfolgreichere“ (hier: für Sie bessere, erstrebenswerte) erscheint.

Überlegen Sie, was Sie gegen Ihre Selbstzweifel tun, wie Sie Ihre Fähigkeiten schulen oder bei Konfrontationen vorgehen wollen.

Und Ähnliches mehr.

Oder anders formuliert: Machen Sie sich Ihre Ängste klar und arbeiten Sie an passenden Lösungen. Das kann so aussehen, dass Sie sich Schritt für Schritt an die Metropolitan Opera heranwagen. Das kann aber auch so aussehen, dass Sie sich bewusst für das Provinztheater entscheiden. Auch das wäre immer noch ein Erfolg, statt vom Schauspielern nur zu träumen.

Erfolg hat viele Gesichter und liegt im Auge des Betrachters. Gemeinsam ist ihm eines: Dass Sie das tun, was Sie wollen – ohne sich von der Angst davor aufhalten zu lassen.

In diesem Sinne: Viel Erfolg. :-)

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 04.05.10

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