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Wie macht man sich beim Fiction-Schreiben Druck?

Brauchen Sie auch den Druck durch Abgabetermine und Co., um in die Puschen zu kommen und den Stift aufzunehmen? Aber was macht man, wenn ein solcher äußerer Druck fehlt? Lesen Sie fünf Tipps, wie Sie sich unter Druck setzen, um doch noch mit dem Schreiben zu beginnen.

Diese Frage stellte mir eine Teilnehmerin, die ihrer Angst vor dem Schreiben durch ein Vermeidungsverhalten begegnete. Sprich, ihr war so ziemlich alles lieber, bis hin zum Abwasch, als den Kampf mit Satz und Wort aufzunehmen. 😉

Dabei hatte sie als Journalistin mit dem Schreiben durchaus keine Probleme. Nicht zuletzt, weil da Abgabetermin und Deadline auf sie warteten und sie wohl oder übel ans Schreiben brachten. 😉

Aber beim privaten Wunschtraum „Roman“? Ohne Chefredakteur, der sie mit der Peitsche in der Hand in die Puschen bringt?

Nun hat die Angst vor dem Roman sicher noch andere Ursachen als das Fehlen einer Deadline. Und diese Ursachen kann der Artikel hier nicht lösen.

Immerhin – ein bisschen Druck kann nicht schaden, dem Vermeidungsverhalten vorzubeugen. Das erzählen auch andere schreibende „Leidensgenossen“ übereinstimmend.

Also habe ich hier mal ein paar Tipps gesammelt:

1. Künstlich Termine setzen

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die durch einen drohenden Abgabetermin motiviert werden, setzen Sie sich doch im Zweifelsfall selbst einen. Bestücken Sie zum Beispiel Ihren Kalender mit Terminen für jedes einzelne Kapitel. (Dann ist der nächste Termin auch nicht so weit hin wie etwa bei einem Termin fürs ganze Buch.)

Wenn Sie sich nicht positiv motivieren lassen, diese Termine zu halten, und auch ein schlechtes Gewissen nicht ausreicht, wenn Sie sie nicht halten, könnte vielleicht die Kontrolle durch andere helfen.

Bitten Sie zum Beispiel Partner oder Freunde, darauf zu achten, dass Sie Ihre Termine einhalten. Oder engagieren Sie dafür einen externen Service. (Wenn Sie bereits zu den Bestseller-Autoren gehören, wird das sicher auch Ihr Agent für Sie übernehmen. ;-))

Extra-Tipp: Schaffen Sie sich eine Termin-Software oder Ähnliches nur fürs Schreiben an. Und dann lassen Sie sich countdown-mäßig solange penetrant durch Pieptöne nerven, bis Sie sich freiwillig ans Schreiben machen. Fiction oder nicht. 😉

2. Verbindlich werden und sich festlegen

Wenn Sie keinen Chefredakteur haben, der Sie unter Druck setzt, dann werden Sie verbindlich und legen Sie sich zum Beispiel gegenüber anderen Leuten fest. Sagen Sie etwa Ihren Kollegen auf der Arbeit, dass Sie Ihren Roman bis zum xx geschrieben haben wollen.

Dabei können Sie wählen: Wohlwollende Menschen werden um Ihretwillen von Zeit zu Zeit bei Ihnen rückfragen, was Ihr Roman macht. Die weniger wohlmeinende Sorte könnte diese Rolle mit Schadenfreude erfüllen.

Wenn Sie hartgesotten genug sind, darüber hinwegzusehen, wäre das ebenfalls eine Möglichkeit, für Druck zu sorgen.

3. Gewohnheiten und Routinen entwickeln

Das ist etwas, was viele Schriftsteller tun, auch bekannte Bestseller-Autoren: Gewohnheiten entwickeln, die sie routiniert wie ein Uhrwerk an den Schreibtisch treiben.

Das können zum Beispiel feste Uhrzeiten sein wie etwa: Von 9 bis 11 Uhr am Roman schreiben. Oder auch Routinen wie: „Nach dem Aufstehen schreibe ich eine halbe Stunde lang an meinem Roman. Und wenn ich dabei nur wenige Sätze produziere, das ist egal. Vorher rühre ich mein Frühstück nicht an.“

4. Bestimmte Vorgaben setzen

Das geht in eine ähnliche Richtung wie die Routinen, ist nur ein wenig flexibler. Statt, sagen wir, täglich von 9 bis 11 Uhr zu schreiben, könnten Sie sich auch zur Auflage machen, etwa jede Woche fünf Seiten oder jeden Monat ein Kapitel zu schaffen.

Schauen Sie selbst, ob Sie mit den festen Gewohnheiten besser fahren oder sich genug disziplinieren können, um es mit den Mengenvorgaben zu versuchen.

Immerhin – wenn Sie zu den Menschen gehören, die besonders gut auf den „Druck der letzten Minute“ reagieren, könnte Ihnen zum Beispiel das drohende Monatsende Beine machen, Ihr Kapitel doch noch in Angriff zu nehmen.

5. Sich bestrafen

Achtung, dieser Tipp ist wirklich nur was für Hartgesottene: Setzen Sie sich beim Fiction-Schreiben unter Druck, indem Sie sich mit etwas „bestrafen“, wenn Sie mal wieder in Ihr übliches Vermeidungsverhalten abgeirrt sind. Aber bitte, machen Sie das nur, wenn Sie damit gut fahren und darüber nicht die Lust am Schreiben verlieren.

Sonst bin ich immer noch dafür, es mit positiven Dingen zu versuchen. Auch wenn ich weiß, dass wir Menschen oft eher auf den Schmerz als auf den potenziellen Gewinn als Antrieb reagieren.

Extra-Tipp: So ein positiver Druck könnte es beispielsweise sein, wenn Sie die Sache „sportlich“ sehen und wie einen kleinen Wettkampf gegen sich selbst angehen.

Stacheln Sie Ihren Ehrgeiz an, jede Woche eine Seite mehr zu schreiben. Oder nehmen Sie an Literatur-Wettbewerben teil. Sie müssen sich hier noch nicht einmal mit Ihrem Roman beteiligen. Allein der Druck, deren Vorgaben zu erfüllen, kann auf Ihr Langzeit-Projekt „Roman schreiben“ abfärben.

Und wer weiß, vielleicht übertragen sich die positiven Erfahrungen und das Selbstvertrauen, solche Wettbewerbssituationen zu meistern, auch auf Ihr „eigentliches Anliegen“. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei.

© 2009 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 30.12.09

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