Blogs, Twitter, Facebook und die Informationsflut
2. November 2009 von Heike Thormann
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“Graben die neuen Social Media Anwendungen wie Twitter, Facebook, Google Wave und Co. den Blogs das Wasser ab? Sind Blogs Auslaufmodelle?” Diese Ausgangsfrage einer Blogparade hat mich inspiriert, einige Gedanken zum Gebrauch von Medien und Informationen niederzuschreiben. Lesen Sie fünf Tipps in Sachen “Umgang mit der Informations- oder Twitterflut”.
„Graben die neuen Social Media Anwendungen wie Twitter, Facebook, Google Wave und Co. den Blogs das Wasser ab? Sind Blogs Auslaufmodelle?“ Das fragt Peer Wandiger in seiner Blogparade „Blogs in Zeiten von Twitter, Facebook und Co.“ auf selbststaendig-im-netz.de.
Nun bin ich kein sonderlicher Experte in der Sache. Ich habe gerade erst zu bloggen begonnen, und von Twitter, Facebook und Co. habe ich mehr oder weniger nur gehört.
Aber vielleicht sind ja auch die Gedanken eines „Newbies“ interessant, der das Ganze noch relativ von außen und distanziert sieht. Zumindest aber hat mich diese Blogparade dazu inspiriert, ein paar Gedanken zum Gebrauch von Medien und Informationen niederzuschreiben.
Denn ein Grund, warum ich noch ein „Newbie“ in der Sache bin, ist ganz einfach: Das Ganze ist eine Zeitfrage. Okay, und vielleicht auch eine Gewohnheits- oder Geschmacksfrage.
So ist das Internet für mich nach wie vor eher „Arbeitsplatz und Lernplatz“ (um sich bestimmtes Know-how zu besorgen), plus ein wenig Kommunikation. Alles andere findet in meinem Leben „offline“ statt, und ich bin relativ froh, den Rechner nach getaner Arbeit runterfahren zu können.
Deshalb sind Blog, Twitter und Co. eben auch eine Zeitfrage. Denn die Zeit, die ich hiermit verbringe, fehlt mir anderswo.
Wobei ich glaube, dass das vielen so geht. Und gar nicht mal nur den „älteren Jahrgängen“. *schmunzel*
Das sehe ich zum Beispiel an Reaktionen meiner eigenen Leser, die sich zwar freuen, dass ich seit kurzem auch ein Blog habe. Die aber auch stöhnen: Himmel, noch mehr zu lesen, zu machen und zu tun. Wie soll man das bloß alles (in seinen Tag) unterbringen?
Das sehe ich an Reaktionen, die ich von Kollegen mitbekomme, wo Abonnenten sich zum Beispiel von einem Newsletter abmelden, weil man „nur noch totgeschmissen wird mit Mails, mit Infos und Co.“ Weshalb besagte Abonnenten die „Notbremse“ ziehen, einen an sich geschätzten Newsletter abmelden, sich aus dem Internet zurückziehen und mit einem guten Buch auf dem Sofa niederlassen.
Und selbst bei der „Jugend“ scheint Twitter doch recht umstritten zu sein, wie zum Beispiel laut Spiegel Online eine Journalismusdozentin im ansonsten „twitter-freudigen“ Australien herausfand, als sie ihre Studenten dazu „verdonnerte“, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen – und auf lebhaften Widerstand stieß.
(Jetzt mal als pars pro toto für viele ähnliche Berichte.)
Ein intensiver Gebrauch des Mediums Internet mit viel Bloggen, Twittern, Netzwerkeln und Co. scheint also auf einen relativ kleinen, aber dafür sehr aktiven Kreis von Usern beschränkt zu sein. Alle anderen sind wie ich: Irgendwie dabei, aber gebremst.
Wie sieht es also aus mit Blog, Twitter und Co.?
Meine Meinung ist:
Es wird immer Menschen geben, die lieber mit dem Buch auf dem Sofa sitzen. Es wird Menschen geben, die den Schritt vom Buch zum mehr oder weniger informationshaltigen Blog machen und hier hin und wieder gemütlich stöbern und lesen. Es wird Menschen geben, denen Social Media Anwendungen wie Facebook viel geben. Und es wird Menschen geben, die „mal schnell zwischendurch twittern, was das Zeug hält“.
(Und bei etlichen davon wird sich natürlich auch manches in der einen oder anderen Dosis überschneiden.)
Das ist wohl weniger eine Frage des Mediums, als des Umgangs damit. Ich kann mich schließlich auch mit Büchern, Zeitschriften und Co. eindecken, und nicht mehr ein, noch aus wissen.
Das heißt, ich als User / Leser bin aufgefordert, meinen Konsum von Informationen und Medien kritisch unter die Lupe zu nehmen. Und ich als Anbieter solcher Informationen pp. bin aufgefordert, mir zu überlegen, wie ich meine Zielgruppe, also meine gewünschten Leser eigentlich erreiche. Wenn „meine Leute“ lieber mit dem Buch auf dem Sofa sitzen, hat es nur wenig Sinn, mich bei Twitter und Co. zu engagieren.
Oder um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Nein, Peer, ich glaube nicht, dass Blogs ein Auflaufmodell sind. Sie bedienen schlicht andere Bedürfnisse und manchmal auch eine andere Zielgruppe.
Und für alle, die über besagten Informationskonsum stöhnen, habe ich noch ein paar Tipps in Sachen „Umgang mit der Info- oder Twitterflut“.
1. Begrenzen Sie die Zahl: Das ist ein einfacher, mechanischer Tipp, der aber gut funktioniert. Setzen Sie sich eine Obergrenze von Blogs, die Sie lesen, oder „Twitter-Vögeln“, denen Sie folgen wollen, und halten Sie sich daran. Wenn es mehr zu werden drohen, weil Sie über interessante neue Angebote stolpern, setzen Sie Prioritäten und werfen dafür eine alte Sache raus oder nehmen die neue doch nicht rein. Halten Sie Ihre Bezugszahl konstant.
2. Begrenzen Sie Ihre Zeit: Das geht in eine ähnliche Richtung. Reservieren Sie sich zum Beispiel feste Tage, Stunden oder Tageszeiten, an denen Sie in Blogs, Tweets und Co. stöbern wollen. An allen anderen Tagen lassen Sie die Finger davon. Und wenn die Zeit herum ist, ist ebenfalls Schluss mit lustig.
Auch so bekommen Sie Ihren Hang zur Informationsflut unter Kontrolle.
3. Entscheiden Sie sich für Medien, die Ihnen den größten Nutzen bringen. Wenn Sie zum Beispiel an gehaltvolleren, umfangreicheren Informationen interessiert sind, lesen Sie Blogs. Wenn Sie sich eher in Netzwerken wohlfühlen, dann nutzen Sie diese. Trifft von allem etwas auf Sie zu? Dann setzen Sie wieder Prioritäten.
Widmen Sie beispielsweise den Schwerpunkt Ihrer Online-Zeit den Communities oder aber Twitter. Nutzen Sie nicht alles gleichzeitig und in gleichem Ausmaß.
4. Weisen Sie Medien feste Funktionen zu: Das heißt, nehmen Sie sich zum Beispiel vor, Blogs nur zur Aufnahme von Informationen zu nutzen, Twitter für das schnelle Scannen nach Tipps oder Links, Netzwerke für den gezielten Austausch mit einigen interessanten Gruppen oder Einzelpersonen, und so weiter, und so fort.
So kommen Sie weniger in Versuchung, sich beispielsweise in Communities festzulesen oder Stunden damit zuzubringen, Blogbeiträge zu kommentieren oder den Kommentaren zu den Kommentaren zu folgen. Fragen Sie sich immer: Was will ich hier genau? Was ist mein Hauptinteresse an diesem Angebot? Und was bin ich bereit, dafür einzuschränken?
(Also etwa: Die meisten Blogs lesen Sie nur. Aber bei manchen schätzen Sie auch den Austausch mit dem Betreiber. Für die Zeit, die Sie das kostet, verzichten Sie auf das und das.)
5. Überlegen Sie immer: Macht das Sinn? Fragen Sie sich zum Beispiel, ob Sie etwas wirklich brauchen, was Sie davon erwarten. Macht es beispielsweise Sinn, sich 300 „Facebook-Freunde“ zuzulegen und ständig auf ihren Profilen nachzuschauen, was sich bei ihnen geändert hat? Nur um einem Gefühl von Mangel und Einsamkeit in Ihrem Leben zu entgehen? Ist es das, was Sie sich erhoffen, wenn Sie an Freundschaft denken?
Oder ist es sinnvoller, zwar seine Verbundenheit durch die Aufnahme von Kontakten in sein Netzwerk anzuzeigen, aber seine Freundschaften auf anderen Wegen zu pflegen?
Und nicht, dass wir uns falsch verstehen: Dies ist kein Plädoyer dafür, nie mehr Blogs zu lesen oder zu kommentieren, Twitter nur flüchtig zu scannen oder sich möglichst wenig „Facebook-Freunde“ zuzulegen.
Es geht, wie wohl immer im Leben, um das rechte Maß. Und es geht um die Fähigkeit, dieses selbstständig zu definieren, zu setzen und durchzuziehen. Dann ist auch die Informationsflut keine Flut mehr, sondern nur noch ein reichhaltiges Buffet – von dem man mal hier, und mal dort naschen kann.
Lesetipp: Wie Sie sonst noch mit der Informationsflut fertig werden, lesen Sie in meiner Übung “Mit dem Info-Stress fertig werden” und in meiner Checkliste “Informationsmüll vermeiden”.
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2 Kommentare zu “Blogs, Twitter, Facebook und die Informationsflut”
Hey,
naja, ich hab so 50 Freunde bei Facebook und das nimmt in der Woche gerade mal 5-10 Minuten in Anspruch, alles abzuchecken. Überfliege den Großteil ja.
Bei 300 Facebook Freunden, würde es halt 30-60 Minuten pro Woche in Anspruch nehmen. Auch nicht so enorm.
Außer natürlich, man ist hier echt aktiv unterwegs. Das meinst du ja denke ich. Das ist dann natürlich nonsense, wie ich empfinde…
Außer eben, man arbeitet hauptberuflich vorm Pc und hat eben immer wieder Zeit mal zu relaxen. Das ist dann wiederum was anderes.
Schöner Artikel by the way.
Hallo “Eatofid”
Überfliege den Großteil ja
dann hast Du ja schon eine bestimmte Verfahrensweise / Routine erarbeitet: Sich nicht festlesen, sondern überfliegen. Und das nicht täglich, sondern offenbar wöchentlich.
Genau, solche Routinen habe ich gemeint.
Zeit mal zu relaxen
Oder auch mal ganz abschalten und die Augen schließen?
Einfach den Input kurz unterbrechen und Deinen Gedanken die Möglichkeit geben, sich zu sortieren und zu setzen. Und dann halt wieder weiter überfliegen.
Schöner Artikel by the way.
Danke.
LG Heike