Denkfehler 3: Wenn Gefühlsdenken die Wirklichkeit verzerrt
26. Januar 2010 von Heike Thormann
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Denkfehler können unsere Kreativität und unser Leben massiv schädigen. Einer dieser Denkfehler ist das sogenannte Gefühlsdenken. Das Gefühlsdenken ist daran schuld, wenn Sie die Wirklichkeit nicht so sehen, wie sie “wirklich” ist. Sondern so, wie Sie sich fühlen. Ob unkreativ, minderwertig oder nicht liebenswert.
Das Thema Denkfehler scheint so abstrakt zu sein. Richtig?
Und doch können Denkfehler nicht nur unsere Kreativität blockieren oder, oft genug ungut, beeinflussen. Wer beispielsweise bestimmte Ideen und Lösungen von vornherein ausschließt, weil seine Denkmuster diese gar nicht zulassen, wird nur einseitige Ergebnisse produzieren.
Nein, Denkfehler können auch unser eigenes Leben massiv schädigen.
Das Gefühlsdenken
Eine dieser auch so genannten Denkfallen ist das Gefühlsdenken.
Dabei sind Ihre Gefühle die Basis für eine bestimmte Art zu denken. Wenn Sie A fühlen, werden Sie auch A denken. Und da Sie A so sicher und nachdrücklich fühlen, werden Sie gar nicht auf die Idee kommen, dass Ihre Gedanken und Sichtweisen sich irren könnten.
Beispiel:
- Sie fühlen sich minderwertig. (Gefühl) Deshalb sehen Sie auch überall Beweise dafür, dass Sie minderwertig sind. (Gedanken, Denkweise) Jeder Beweis vom Gegenteil wird ausgeblendet oder abgewertet.
Oder:
- Sie glauben, dass Sie nicht liebenswert sind. (Gefühl) Deshalb werden Sie auch alles, was nur halbwegs in diese Richtung geht, als Bestätigung für Ihr Gefühl sehen. Dann braucht jemand bei Ihnen nur noch leicht auf den falschen Knopf zu drücken und Sie werden davon überzeugt sein, dass der andere Sie für nicht liebenswert hält.
Oder:
- Sie fühlen sich entsetzlich unkreativ. (Gefühl) Deshalb werden Sie auch nur Ihre Mängel in Sachen Kreativität sehen. Jede zurückgewiesene Idee, jeder verhaltene Lacher, jeder missratene Text (etwa als Texter) wird Sie darin bestätigen, dass Ihre Kreativität zu wünschen übrig lässt.
Nichts und niemand wird Sie von dieser fixen Idee abbringen können. Selbst wenn andere Ihre Ideen loben, werden Sie sich immer noch wie eine „kreative Null“ fühlen.
In Wahrheit fühlen Sie sich jedoch minderwertig und unkreativ, weil Sie denken, dass Sie minderwertig und unkreativ sind. Nicht umgekehrt. Und diese durch eine bestimmte Denkweise produzierten Gefühle lenken wieder Ihr Denken. Es ist ein Kreislauf.
Was kann man dagegen tun?
Ich bin kein Psychologe, und ich kann und will hier auch keine psychologische Beratung leisten.
Deshalb an dieser Stelle nur mein Tipp:
Verkettung von Ursache und Wirkung
Achten Sie auf diese Verkettung von Ursache und Wirkung. Wenn Sie glauben, nicht liebenswert zu sein, werden Sie schnell überall „Beweise“ für dieses Gefühl finden.
Selektive Wahrnehmung
Achten Sie auf Ihre dadurch selektive Wahrnehmung. Wenn Sie von überall her widergespiegelt zu bekommen scheinen, dass Sie nicht liebenswert sind, würde ich mal anfangen, meine Wahrnehmung in Frage zu stellen. Sooo schwarz kann die Welt doch gar nicht sein, mmh?
Fragen Sie sich dann, ob nicht vielmehr Sie es sind, der Informationen oder Situationen, die nicht zu Ihrer Sichtweise passen, ausblendet.
Relativierendes Denken
Legen Sie sich ein relativierendes Denken zu. Versuchen Sie immer, etwas von mehreren Seiten zu sehen. Suchen Sie nach weiteren Deutungsmöglichkeiten. Wie kann man eine Situation noch deuten außer als Hinweis auf xx. (Auf die mangelnde Kreativität, die eigene Minderwertigkeit, beliebig zu ergänzen.)
Wechseln Sie auch die Perspektive und versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber. Wenn jemand Ihre Ideen verlacht, muss das also heißen, dass diese „unkreativ“ und schlecht sind? Kann das nicht auch heißen, dass derjenige etwa ein handfestes Interesse daran hat, besagte Ideen loszuwerden? (Um zum Beispiel eigene Ideen durchzusetzen, oder Ähnliches mehr.) Oder dass er vielleicht selbst blockiert ist und den Vorteil Ihrer Ideen nicht sieht?
Es gibt viele Erklärungen. Machen Sie es sich nicht so einfach, bei der durch Ihre mentalen Filter erzeugten selektiven Wahrnehmung stehen zu bleiben.
Weitere Deutungsmöglichkeiten
Noch einmal: Wir alle konstruieren durch die Denkmuster in unserem Kopf unsere eigene Wirklichkeit. Unsere Sicht der Dinge ist daher grundsätzlich gefärbt. Unsere Sichtweise ist nur eine unter vielen möglichen. Je mehr Blickwinkel wir einnehmen und in je mehr andere Menschen wir uns versetzen können, desto besser.
Üben Sie das einmal ganz bewusst. Lassen Sie sich so viele Deutungsmöglichkeiten für eine Sache einfallen wie irgend möglich. Zweifeln Sie Ihre erste, reflexhafte Interpretation an.
Wenn Ihnen das in Fleisch und Blut übergeht, werden Sie auch Ihrem Gefühlsdenken besser einen Riegel vorschieben. Schließlich kann man sich das Leben ganz entschieden ruinieren, wenn man nur das hört oder sieht, was zu den eigenen – unguten – Gefühlen passt.
Mmh?
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