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Geh ein Risiko ein

20. Januar 2010 von Heike Thormann

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Viele von uns würden am liebsten in ihrem Leben etwas ändern.
Und wenn man ein wenig bohrt, kommt unweigerlich die Begründung, warum das leider nicht geht. Dennoch – trotz aller Grenzen stehen uns erheblich mehr Türen offen, als wir oft zu glauben wagen oder uns zutrauen. Alles, was uns fehlt, ist der Mut, das Risiko einzugehen, durch diese Türen zu gehen.

Viele von uns würden am liebsten in ihrem Leben etwas ändern. Und wenn man ein wenig bohrt, kommt unweigerlich die Begründung, warum das leider nicht geht. ;-)

Da hat man für die Kinder zu sorgen. Das Geld reicht nicht. Die Lage ist zu unsicher. Man ist zu alt. Und dergleichen mehr. Die berühmten Sachzwänge. Und ja, ich weiß, Grenzen gibt es immer. Wer glaubt, dass alles machbar ist, arbeitet nur munter auf seine eigene Unzufriedenheit hin.

Dennoch – trotz aller Grenzen stehen uns erheblich mehr Türen offen, als wir oft zu glauben wagen oder uns zutrauen. Alles, was uns fehlt, ist der Mut, das Risiko einzugehen, durch diese Türen zu gehen. Was uns fehlt, ist die Bereitschaft für Neues und der Wille zur Veränderung.

Manche sprechen in diesem Sinne sogar von einer Neophobie der Deutschen. Einer Angst vor dem Neuen. Dazu passt auch das extrem hohe Sicherheitsdenken in diesem Land und die grassierende Angst vor dem Scheitern.

Und natürlich ist Risikofreude zwiespältig. Das hat uns nicht zuletzt das verantwortungslose Pokern an den Finanzmärkten gezeigt.

Dennoch – ohne Mut zum Risiko gibt es keine Kreativität.

Wer Neues wagen will, muss Altes ändern können. Wer erschaffen will, muss umwandeln oder zerstören können. Wer kreativ sein will, darf das Risiko nicht scheuen, mit seinen Ideen anzuecken oder auch mal auf die Nase zu fallen. Wer kreativ sein will, muss mit der ständigen Ungewissheit leben können, nie zu wissen, ob und wenn ja, was aus seinen Ideen wird.

Bücher können ein Flop – oder ein Bestseller werden. Theaterstücke verrissen – oder im ganzen Land gepriesen. Jede neue Idee, jedes neue Werk, jeder neue Versuch birgt in sich auch den Kern des Scheiterns. Das ist es wohl, was so vielen Kreativen die Schweißperlen angesichts der Angst vor dem Scheitern auf die Stirn treibt. ;-)

Aber auch sonst im Leben brauchen wir das Neue. Wir brauchen die ständige Herausforderung, um nicht zu erstarren.

Wie diese Herausforderung aussehen wird, liegt ganz bei Ihnen. Manche machen sich vielleicht daran, die Welt zu umsegeln. Andere brechen nur aus der Gewohnheit aus, immer denselben Weg zur Arbeit zu nehmen. ;-)

Risiken warten überall auf Sie. So ist das Leben. Selbst auf Ihrem gewohnten Weg zur Arbeit kann die Routine durch Unvorhergesehenes zum Wagnis werden.

Die Frage ist nicht, ob wir ein Risiko eingehen. Das tun wir immer. Die Frage ist allenfalls, welche Risiken wir auf uns nehmen, welche wir meiden und wie wir das Ganze kontrollierter angehen können.

Deshalb habe ich hier einige Tipps für Sie, wenn Sie Mut zum Risiko beweisen wollen.

1. Glauben Sie an sich

Guter Tipp, mögen Sie jetzt kontern. Wo kann ich das kaufen? ;-) Aber ohne den Glauben an sich und seine Fähigkeiten wird man sich schwer tun, über seinen Schatten zu springen und ein Risiko einzugehen.

Also, was können Sie gut? Was können Sie in die Waagschale werfen? Welche Aktiva können Sie einbringen? Auf welche Erfolge zurückblicken? Welche ähnlichen Situationen haben Sie bereits gemeistert? Machen Sie Bestandsaufnahme, und die Liste der Dinge, die Sie sich zutrauen, wird länger und länger.

Lassen Sie sich auch nicht von Ängsten oder Zweifeln aufhalten. Diese sind völlig normal, wenn Sie Neuland betreten und ein Risiko eingehen. Sie müssen noch nicht einmal schlecht sein. Im Gegenteil. Sie lassen Sie aufmerksamer und bewusster agieren, die Chancen sehen und die Klippen umschiffen, ohne selbstmörderisch vorzugehen.

2. Analysieren Sie die Risiken

Risiko ist nicht gleich Risiko. Manche Risiken kosten Sie vielleicht nur eine halbe Stunde verspäteten Arbeitsbeginn, wenn Sie sich auf dem neuen Weg zur Arbeit verfahren. Andere Risiken können Sie um Kopf und Kragen bringen.

Bei ersteren wäre der Verlust zu verschmerzen. Bei letzteren sollten Sie zumindest nach Möglichkeiten suchen, sich abzusichern. So ähnlich, wie sich jeder Bergsteiger absichern würde.

Noch besser wäre es, wenn Sie entweder den Verlust so gering wie möglich halten könnten, oder wenn Sie aus dem Risiko auf jeden Fall so viel mitnehmen, dass Sie es gewinnbringend weiterverwenden können.

Beispiel: Sie gehen das Risiko ein, sich neben der Arbeit eine teure Fortbildung zu leisten. Ein Risiko ist es, weil Sie die Fortbildung womöglich nicht bestehen und ohne Abschluss aus ihr herausgehen. Weil Sie viel Zeit und Geld in sie investieren, die sich vielleicht nie auszahlen werden. Und weil vielleicht sogar Ihre Arbeit durch das Engagement für die Fortbildung leiden wird.

Das alles wird Sie zwar nicht um Kopf und Kragen bringen, aber schmerzhaft kann es sein.

Ziehen Sie dann Bilanz und halten Sie dem die Dinge gegenüber, die Sie sicher aus Ihrer Fortbildung mitnehmen. Also etwa: Neues Know-how, das Sie für Ihren alten Job gebrauchen können. Know-how, das Sie vielleicht in neue Jobs einbringen können. Selbstvertrauen durch bewältigte Etappen. Persönliches Wachstum. Neue Kontakte. Neue Horizonte. Und und.

Damit sind Sie auch schon munter dabei, strategisch zu denken.

3. Üben Sie sich im strategischen Denken

Den Unterschied zwischen Taktik und Strategie könnte man etwas platt vielleicht so auf einen Nenner bringen: Taktik versucht, in letzter Minute noch was zu reißen. Strategie versucht, es gar nicht erst zur letzten Minute kommen zu lassen. ;-)

Oder mit anderen Worten: Während Taktiker in einer Situation geschickt manövrieren, versuchen Strategen, einer Situation vorzubeugen, in der man geschickt manövrieren muss.

Gehen auch Sie strategisch vor. Werfen Sie sich nicht blind in Ihre Risiken. Machen Sie sich bereits im Vorhinein klar, was alles schiefgehen könnte. Entwickeln Sie Maßnahmen dagegen oder machen Sie einen Plan B. So sind Sie gewappnet und können im Bedarfsfall zu Alternativen greifen.

Und gehen Sie lieber in kleinen Schritten vor, statt den großen Wurf zu wagen.

Wenn Sie zum Beispiel überlegen, Ihren Beruf zu wechseln und in eine ganz neue Branche einzusteigen, könnten Sie erst einmal stundenweise neben Ihrem Beruf dort schnuppern. Sie könnten, genau, da sind wir wieder ;-) , eine Fortbildung machen. Sie könnten Auszeit oder Urlaub für ein Praktikum nutzen. Und anderes mehr.

4. Springen Sie

Manchmal kann man auch zu viel analysieren. Wenn Ihr Herz Ihnen sagt „das will ich“, dann springen Sie. Egal, wie viele Bedenken Ihr Bauch mit seinem Selbsterhaltungstrieb auch äußern mag. Lassen Sie Ihren Verstand seine Arbeit tun und nach vernünftigen Wegen suchen, aber springen Sie.

Ja, vielleicht wird, sagen wir, Ihr Chef Ihre Ideen ablehnen. Aber vielleicht werden sich Ihre Ideen auch wie ein Floh bei ihm festbeißen, bis er umzudenken beginnt. Wenn Sie außerdem präsent bleiben und Flagge zeigen, könnte sich das Risiko der Ablehnung gar zu einem Erfolg wandeln. Etwas, was Sie nie herausgefunden hätten, wenn Sie nicht gesprungen wären.

Mut zum Risiko bedeutet, zu handeln, ohne zu wissen, wie die Sache ausgehen wird.

Aber keine Panik: Wenn Sie gut vorbereitet sind und sich den Gewinn klarmachen, der auf jeden Fall für Sie drinsitzt, bestehen gute Karten, dass sich Ihr Risiko auszahlt. So oder so.

Sehen Sie immer das Positive an einer Sache. Das bewahrt Sie davor, sich selbst zu kasteien und es nie wieder zu versuchen. Selbst wenn Ihr Chef Ihre Ideen ablehnt, werden Sie doch gewonnen haben. Denn Sie haben es versucht.

Dann noch ein wenig an Ideen oder Auftreten gefeilt, und Sie sind bereit – für den nächsten Sprung.

Das Leben ist ein Risiko

Noch einmal: Das Leben ist ein einziges Risiko. Wir können ihm nicht entkommen. Versuchen wir es doch, mindern wir nur unsere eigene Lebensqualität.

Das erinnert mich an eine Science-Fiction-Serie, die ich vor bald 15 Jahren gesehen habe. In einer Episode ging es, gängiges Thema in dem Bereich, um aufständische Roboter, die menschliche Fähigkeiten und Qualitäten entwickelten.

Als die Anführerin dieser Roboter gefragt wurde, was sie, entgegen ihrer Programmierung, menschlich werden ließ, lautete die Antwort:

Es war der irrtümlich eingepflanzte Befehl „Geh ein Risiko ein“.

Mmh? ;-)


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2 Kommentare zu “Geh ein Risiko ein”

  1. am 23 Jan 2010 um 21:211Steffen Beyer

    Hallo Heike,

    schöner Artikel, nur denke ich,
    das die berühmten „Sachzwänge“ meistens Ausreden sind
    um eben kein Risiko eingehen zu müssen und um in der Bequemlichkeit, in der man versunken ist
    wie in einem alten Sessel, ausharren zu können.
    Du hast schon recht mit den Türen die uns offen stehen und klar gibt es Grenzen.
    Wir sollten aber zum Beispiel nicht sagen,
    „das Geld reicht nicht“, sondern vielmehr,
    „was können wir mit dem Geld tun das uns zur Verfügung steht“.
    Ich habe auch schon viel versucht
    und einiges hat auch nicht geklappt,
    aber ich brauche mir wenigstens nicht den Rest meines Lebens selbst die Ohren vollzujammern mit der Frage
    ob es denn geklappt hätte wenn ich es versucht hätte.
    Dazu fallen mir noch so schöne Zitate ein wie:
    Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben,
    alte Küsten aus den Augen zu verlieren, von André Gide.
    Oder, Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance, von Victor Hugo.
    Trotzdem muss man natürlich analysieren, überlegen und nicht Blind jedem vertrauen der einem das blaue vom Himmel verspricht.
    Aber dann auch mal den Mut haben zu springen, genau. 
    Wenn dann einer sagt „aaach wenn da was passiert“,
    dann sag ich „na hoffentlich“.
    Ich bin zwar kein Roboter (hoffentlich?)
    Aber ich glaube diesen Befehl hat mir auch irgendjemand eingepflanzt.
    Angst vor Risiken hab ich zwar auch, aber nur vor solchen,
    die eventuell andere mit ausbaden müssten wenn’s schiefgeht.

    Viele Grüsse aus Plauen

    Steffen
    P.S.: 3000 -3200, das ging aber schnell. Respekt!

  2. am 24 Jan 2010 um 11:012Heike Thormann

    Hallo Steffen,

    „das Geld reicht nicht“, sondern vielmehr,
    „was können wir mit dem Geld tun
    das uns zur Verfügung steht“.

    ja, guter Punkt. Wenn wir sagen “das Geld reicht nicht”, haben wir meistens bestimmte Erwartungen und Vorgaben im Kopf, für die das Geld nicht reicht. Also etwa: Wir wollen uns selbstständig machen, aber das am besten reibungslos, mit florierendem Business und sofort. Wenn das Geld / Kapital dafür nicht reicht, lassen wir es sein. Alternativen ziehen wir gar nicht in Betracht. Dabei gäbe es sie durchaus, wie etwa: Im Nebenerwerb / stundenweise selbstständig machen. Für andere arbeiten, statt gleich mit eigenem Geschäft starten. Von zuhause arbeiten, statt im eigenen Büro. Nebenbei noch jobben. Und vieles andere mehr.

    aber ich brauche mir wenigstens
    nicht den Rest meines Lebens
    selbst die Ohren vollzujammern
    mit der Frage ob es denn geklappt
    hätte wenn ich es versucht hätte.

    Noch ein guter Punkt. Das fände ich auch ganz schlimm: Mich ewig zu fragen “was wäre gewesen, wenn”. Nicht wenigstens mein Möglichstes versucht zu haben. Die meisten von uns halten sich instinktiv für unsterblich (und das ist wohl auch normal ;-) ) und glauben deshalb, dass sie noch genug Zeit für ihre Träume haben. Nur irgendwann wacht man auf und stellt fest, dass die Zeit an einem vorbeigelaufen ist.

    Schöne Zitate auch.

    Und danke für Dein Lob. :-)

    LG Heike

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