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Mit Kaizen zum Ziel: In kleinen Schritten verändern

Das Problem mit Zielen, Plänen und Veränderungen ist, dass sie uns oft groß und unheilvoll erscheinen. Deshalb gehen wir ihnen gern aus dem Weg. Kleine Veränderungen würden uns viel leichter fallen. Und sie würden uns weniger abschrecken. Hier setzt die japanische Management-Methode Kaizen an. Denn Kaizen legt Wert auf kontinuierliche kleine Schritte und Verbesserungen, nicht auf den großen Wurf.

Ein Teilnehmer war gerade im „Januarblues“. Sprich, er war unsicher, welche Richtung sein Lebensweg und sein Geschäftsweg in diesem neuen Jahr nehmen sollen. Was sollte er als nächstes angehen? Was würde ihm helfen, seine Ziele zu erreichen?

Ein anderer Teilnehmer arbeitete mit mir an seiner Selbstmotivation. Eines seiner größten Probleme waren Langzeitprojekte, die wie ein Berg drohend vor ihm aufragten und seiner Motivation und seiner Ausdauer einen ziemlichen Dämpfer aufsetzten.

Beiden könnte es helfen, ihre Ziele mit Kaizen zu verfolgen.

Das Problem mit Zielen, Plänen und Veränderungen

Das Problem mit Zielen, Plänen und Veränderungen ist, dass sie uns oft groß und unheilvoll erscheinen. Sie machen Angst. Sie sehen nach Arbeit und Schweiß aus. Sie laden dazu ein, sich zu verzetteln oder planlos herumzufuhrwerken, weil es keine festen Größen gibt, an denen man sich orientieren kann.

Kleine Veränderungen würden uns viel leichter und machbarer erscheinen. Und sie würden uns weniger abschrecken.

So gehe ich zum Beispiel bei meiner Wohnungssuche vor. Den Umzug selbst habe ich zwar aus Arbeitsgründen auf nächstes Jahr verschoben. Aber bis dahin bin ich rege mit kleinen Veränderungen beschäftigt und bereite so die große Veränderung „Umzug“ vor.

  • Ich mache zum Beispiel Fotos von meiner Wohnung, um sie zu dokumentieren und mich später besser an sie zu erinnern.
  • Ich miste aus, was ich in der neuen Wohnung nicht mehr bei mir haben will.
  • Ich habe mir überlegt, was ich minimal und optimal für eine Wohnung haben möchte.
  • Ich erzähle überall rum, dass ich auf Suche bin. Ich sage zwar gleich dabei, dass es erst im nächsten Jahr ernst wird, aber falls mir eine „Perle“ vor die Füße fallen sollte, würde ich meinen Zeitplan vielleicht ändern.
  • Ich studiere potenzielle Wohnviertel und Lagen.
  • Und so weiter.

Wenn es dann soweit ist, werde ich nicht nur gut vorbereitet sein. Ich werde auch innerlich längst Abschied genommen haben und mit der Veränderung leichter fertig werden.

Kaizen ist anders: In kleinen Schritten verändern

Die japanische Management-Methode Kaizen ist anders: Bei ihr geht es nicht um große Ziele oder Pläne oder gar um umwälzende Veränderungen. Kaizen legt Wert auf kontinuierliche kleine Schritte und Verbesserungen, nicht auf den großen Wurf.

Nicht selten sind es aber genau diese kleinen Schritte, die die großen Veränderungen erst möglich machen.

Denn während unser „emotionales Gehirn“ bei den großen Zielen und Aufgabenbergen schon mal mauert und gern kneifen möchte, erscheinen ihm die schrittweisen Verbesserungen oder Veränderungen relativ harmlos und machbar. Auch die ersten Erfolge geben zusätzlichen Schwung. Bis es sich schneller vor der Zielgeraden wiederfindet, als ihm bewusst ist. 😉

Wie erreichen Sie jetzt mit Kaizen Ihre Ziele?

Bei mir funktioniert folgende Vorgehensweise.

Schritt 1: Machen Sie als erstes Bestandsaufnahme

Checken Sie Ihr Leben oder Ihren Beruf, Ihr Business: Was läuft gut? Was läuft weniger gut? Wovon wollen Sie mehr? Was wollen Sie loswerden?

Hören Sie auch auf Ihre Gefühle.

Wobei verspüren Sie zum Beispiel schon lange unterschwelligen Ärger? Was würden Sie am liebsten ändern, wenn … (Beliebig zu ergänzen: Wenn genug Geld da wäre. Wenn Sie die und die Fähigkeiten hätten. Wenn Sie zehn Jahre jünger wären. Was auch immer.)

Was fühlt sich andererseits richtig gut an? Was hätten Sie am liebsten um sich? Oder was würden Sie gern den ganzen Tag tun, wenn das nur möglich wäre? (Beispiel: Sie würden gern den ganzen Tag lang Kuchen backen. Haben Sie dann schon daran gedacht, ob und wie Sie damit Geld verdienen können?)

Konzentrieren Sie sich auf das, wovon Sie mehr haben wollen. Wenn Sie das fokussiert verfolgen, werden Sie oft von ganz allein auf das, was Sie nicht mehr haben wollen, verzichten können.

Denkfrage: Wovon will ich mehr?

Schritt 2: Legen Sie als nächstes die Prioritäten fest

Überlegen Sie jetzt, wie dringend das ist, was Sie mehr haben wollen. Denn meistens gibt es mehrere Dinge, die wir haben oder ausbauen wollen.

Wir wollen vielleicht öfter in Urlaub fahren. Oder wir wollen endlich das Buch schreiben, von dem wir schon als Teenager geträumt haben. Oder wir wollen eine neue Wohnung haben. Mehr Geld haben. Den Job wechseln. Und so weiter, und so fort.

Nun wird sich nur selten alles auf einmal machen lassen. Entweder werden Sie sich dabei übernehmen oder die Qualität wird leiden. Sprich, Sie werden mit dem, was Sie bekommen, weniger zufrieden sein, als Sie es hätten sein können.

Entscheiden Sie deshalb, was Sie als nächstes angehen wollen. Setzen Sie Prioritäten.

Nehmen wir an, Sie wollen mehr Geld verdienen, öfter in Urlaub fahren und umziehen.

Gibt es etwas, was sich gegenseitig bedingt oder aber behindert?

Beispiel: Wenn Sie mehr Geld haben, können Sie öfter in Urlaub fahren. Wenn Sie länger arbeiten müssen, um dieses „mehr Geld“ zu verdienen, haben Sie aber vielleicht nicht die Zeit, die neue Wohnung in Ruhe umzubauen und zu renovieren. Wenn Sie andererseits mehr Geld haben, könnte ein externer Dienstleister diese Umbauten übernehmen. Und Ähnliches mehr. Sie sehen die Abfolge von Bedingungen und Zusammenhängen?

Sie müssen jetzt nicht auf den Umzug oder den Urlaub verzichten, und sich auf die Arbeit konzentrieren. Sie sollen nur die Prioritäten vergeben.

Demnach wäre die Arbeit vielleicht Priorität 1. (Am wichtigsten.) Der Urlaub vielleicht Priorität 2. (Als Erholung zwischendurch.) Und die neue Wohnung etwa Priorität 3. (Als erstrebenswertes Ziel für die nähere Zukunft.)

Denkfrage: Wie sehen die Prioritäten für die Dinge aus, von denen ich mehr will? Was ist am wichtigsten? Was ist weniger wichtig? Was hängt vielleicht zusammen oder ergänzt sich? Was sollte ich zuerst angehen? Was hätte noch ein wenig Zeit?

Schritt 3: Überlegen Sie sich zum Schluss Ihre kleinen Schritte

Gut, Sie haben also Ihre Liste von erstrebenswerten Dingen, von denen Sie mehr oder weniger dringend mehr haben wollen.

Überlegen Sie jetzt, was Sie heute ganz konkret tun können, um diesen Dingen ein Stück näher zu kommen.

Beim Umzug hatte ich Ihnen das schon mit meinen kleinen Schritten von oben vorgemacht. Also: Überall rumerzählen, die Lage sondieren, alte Wohnung entrümpeln, und so weiter, und so fort.

Oder beim Thema Arbeit und mehr Geld: Eine Fortbildung machen und mich für besser bezahlte Aufgaben qualifizieren. Eine zusätzliche oder besser bezahlte Verantwortung übernehmen. Mich für bezahlte Überstunden melden. Als Selbstständiger neue Produkte entwickeln oder mein Marketing verbessern. Und mehr.

Brechen Sie das wieder in kleine Schritte runter. Was könnten Sie heute ganz konkret tun, wenn Sie, sagen wir, eine Fortbildung machen wollen?

  • Meinen Chef fragen, welche Fähigkeiten und Kenntnisse die Firma brauchen würde.
  • Meinen Chef fragen, ob die Firma sich vielleicht sogar finanziell beteiligen würde.
  • Überlegen, welches Know-how mir und meinem Leben weiterhelfen kann.
  • Und mehr.

Gehen Sie diese Schritte. Und wenn Sie vom Chef grünes Licht haben und wissen, welche Kenntnisse Sie sich aneignen wollen, überlegen Sie wieder: Welche kleinen Schritte kann ich heute ganz konkret gehen, wenn ich, sagen wir, Englisch lernen will?

  • Realistisch überlegen, was ich an Vorkenntnissen noch mitbringe.
  • Gegebenenfalls einen Sprachtest machen, um mich einstufen zu lassen.
  • Im Internet nach Kursangeboten passend zu meinen Vorkenntnissen suchen.
  • Und mehr.

Das Gleiche gilt übrigens auch für Ihre Vorhaben geringerer Priorität. Achten Sie hier nur darauf, ihnen weniger Zeit einzuräumen oder langfristig zu planen oder anderes mehr, um Ihren Vorhaben erster Priorität nicht in die Quere zu kommen.

Dennoch helfen Ihnen die kleinen Schritte auch hier, Ihre Vorhaben auf die eine oder andere Art schon ins Rollen und voran zu bringen.

So laufen Sie weniger Gefahr, einseitig zu arbeiten (nur alle Vorhaben mit Priorität 1) oder die Sache gar still und heimlich fallenzulassen. Und die vielen kleinen Erfolge (Gespräch mit Chef geführt, Wohnung fotografiert pp.) motivieren Sie, weiterzumachen.

Denkfrage: Wie sehen meine kleinen Schritte aus? Was kann ich heute ganz konkret tun, um von dem, was ich haben will, mehr zu bekommen?

In diesem Sinne: Ihnen viel Erfolg dabei, mit Kaizen ans Ziel zu gelangen. :-)

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 14.01.10

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