Kreativübung: Kreativ werden mit dem Inneren Team
22. Oktober 2009 von Heike Thormann ++ Mehr von mir: Besuchen Sie mein Download-Center ...
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Manchmal ist der Unterschied zwischen kreativ sein und nicht kreativ sein ganz einfach: Wer kreativ ist, kann in der Regel auch die Perspektive wechseln. Vielen fällt es aber schwer, die Perspektive zu wechseln. Dabei tragen wir alle ein ideales Instrument für diesen Perspektivwechsel mit uns herum. Oder genauer: Wir tragen es in uns herum. Es ist unser Inneres Team.
Manchmal ist der Unterschied zwischen kreativ sein und nicht kreativ sein ganz einfach: Wer kreativ ist, kann in der Regel auch die Perspektive wechseln.
Er kann sich von seinem eigenen Standpunkt frei machen und sich in die Lage anderer versetzen. Er kann ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Und deshalb kann er die unterschiedlichsten kreativen Lösungen beisteuern.
Vielen fällt es aber schwer, die Perspektive zu wechseln. Zu gefangen sind wir oft in unserer einseitigen Sicht der Dinge.
Dabei tragen wir alle ein ideales Instrument für diesen Perspektivwechsel mit uns herum. Oder genauer: Wir tragen es in uns herum.
Es ist unser Inneres Team.
Das Modell des Inneren Teams hat der Kommunikationsforscher Friedemann Schulz von Thun entwickelt. Im Grunde geht es darum, dass unser Ich kein kompaktes, abgeschlossenes Selbst ist. Es setzt sich vielmehr aus vielen einzelnen Teilpersönlichkeiten zusammen. Und es sind diese „Mitspieler“, die uns, je nach Situation, mal mehr, mal weniger deutlich prägen.
Damit veranschaulicht es sehr schön unsere ganze Widersprüchlichkeit, die verschiedenen Herzen, die in unserer Brust schlagen. Mal hat die Chaos-Queen in uns das Sagen, mal der Erzieher, die Einsiedlerin, der Besonnene, und andere mehr.
Wollen Sie sich zum Beispiel selbstständig machen?
Dann mag die Sicherheitsfanatikerin vielleicht energisch abwinken und mit den Risiken drohen. Die Angepasste mag Ihnen sagen, dass Sie lieber an Ihre Kinder denken sollten. Die Karrierefrau erzählt Ihnen, dass Sie nicht einfach berufliche Stellung und Status wegwerfen können. Die Freiheitsliebende will endlich ihr eigenes Ding durchziehen. Und und.
So entnervend ein solches Konzert im Leben auch sein kann, entkommen können Sie ihm nicht. Dafür schleppen wir alle zu unterschiedliche Wünsche, Ängste und Interessen mit uns herum. Wir wollen die Sicherheit, die Freiheit, und die Kinder sollen auch noch was von uns haben. Kein Wunder, dass uns dieses Innere Team oft schon mal lähmen kann.
Sie können es aber auch gezielt nutzen, um kreativer zu werden und Lösungen für Ihre Probleme zu erarbeiten.
Statt zum Beispiel freiheitsliebend wie wild vorzupreschen und alles auf eine Karte zu setzen, könnte die Sicherheitsfanatikerin Ihnen raten, für Notfälle vorzubeugen oder sich Stück für Stück in die Selbstständigkeit zu tasten.
Oder Sie könnten die Karrierefrau in sich fragen, was sie in die Selbstständigkeit mit rübernehmen will. Vielleicht ergeben sich so Anschlussmöglichkeiten an das bisher Erreichte.
Oder Sie interviewen die Mutter in sich, welche Momente mit den Kindern ihr besonders wichtig sind und was sie ihren Kindern unbedingt geben will. Vielleicht kristallisieren sich so Schwerpunkte heraus, auf die Sie bei Ihrer Selbstständigkeit achten wollen – während vieles andere reine Gewohnheit ist, für die auch andere Lösungen denkbar wären.
Sie sehen das Prinzip?
Verdrängen Sie diese Teilpersönlichkeiten in sich nicht. Folgen Sie nicht einfach der erstbesten „Stimme“. Lassen Sie möglichst jeden Mitspieler in sich zu Wort kommen. Hören Sie auf seine Argumente, lauschen Sie seinen Gefühlen, sammeln Sie Pros und Contras. Und dann setzen Sie sich hin, wägen ab und suchen nach Lösungen, um möglichst viel von sich selbst zu berücksichtigen.
Das gilt „im Kleinen“ genauso wie „im Großen“, privat wie in Unternehmen. Lassen Sie einfach die verschiedenen „Stimmen“ oder Sichtweisen einer Firma zu Wort kommen.
Nebenbei: Wenn Sie Ihr Inneres Team nach Herzenslust debattieren lassen, stehen die Chancen gut, auch ungewöhnlichere Perspektiven zu erwischen. Das ist vor allem bei Persönlichkeitsanteilen der Fall, die Sie für gewöhnlich unterdrücken.
Das könnte das kleine, verwirrte Kind sein. Oder der rücksichtslose Macho. Die Rebellin. Der Hausmann, der den Haushalt versorgen möchte. Eben alles, was gesellschaftlich oder persönlich eher ausgegrenzt wird, oder was man hinter sich lassen möchte.
Lassen Sie auch diese zu Ihrer Problemlösung beitragen. Und überraschen Sie sich selbst damit, wie Sie mit dem scheinbaren Chaos des Inneren Teams kreativer werden.
Wenn Sie möchten, habe ich hier eine Übungs-Anregung für Sie:
Greifen Sie zu Stift und Papier. Lassen Sie Ihr Inneres Team zu einem Thema nach Herzenslust debattieren. Und schreiben Sie fleißig mit.
Verwandeln Sie Ihre Problemlösung in ein Theaterstück, und lassen Sie den Helden Ihres Teams in Dialogen und Szenen freien Lauf. Personalisieren Sie sozusagen die Perspektiven. Und schauen Sie, wer die besseren Argumente hat. Oder lassen Sie im Dialog einen Kompromiss erarbeiten.
Das macht Spaß, trainiert Ihre Kreativität und verbessert zudem Ihr Kommunikationstalent. Schließlich: Wer sich friedlich mit sich selbst einigen kann, hat auch gute Karten, das mit anderen zu tun.
Lesetipp: Mehr zum Thema Kommunikation verrät Ihnen auch mein Spickzettel Kommunikation.
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