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Suchen Sie sich mentale Vorbilder

Wir alle haben Grenzen, leiden an Betriebsblindheit, suchen nach Antworten auf unsere Fragen und Probleme. Der Rat und das Vorbild von anderen Menschen kann helfen. Aber nicht immer sind andere Menschen greifbar. Oder sie engen uns im Gegenteil sogar ein.

Vor allem Teilnehmer meines Lebensgeschichte-Kurses wünschen sich immer wieder jemanden, der sie an die Hand nimmt. Jemanden, der ihre Probleme löst, sie vor falschen Entscheidungen bewahrt, hilfreich mit seinem Wissen zur Seite steht, und und.

Gleichzeitig wollen sie aber – zu Recht – genau das nicht: Sich von so einer „Über-Figur“ bevormunden lassen.

Warum mentale Vorbilder suchen?

Das Problem ist, dass wir alle in unseren beschränkten Köpfen feststecken. Uns fehlt ein solches „Über-Wissen“, das uns die Antwort auf alle Probleme liefert und uns vor Fehlern bewahrt. Und natürlich müssen wir das Risiko eingehen, uns zu entscheiden. Denn auch keine Entscheidung zu treffen oder diese einem anderen zu überlassen, ist eine Entscheidung.

Was ein bisschen helfen kann, sind zusätzliche Sichtweisen und Perspektiven. Der Rat eines Freundes, die Meinung eines Fremden.

Aber manchmal sind vielleicht gerade keine Freunde oder Fremden greifbar. Oder sie meinen es zwar gut, helfen uns aber nicht, wenn sie ehrliche Kritik verweigern. Oder wir fühlen uns durch den Rat anderer gegängelt. Oder wir stecken in Rollenmustern fest, die es uns schwer machen, die Hilfe von anderen anzunehmen. Zum Beispiel, weil wir Eltern, Vorgesetzten, Partnern gegenüber nicht schwach und hilflos wirken wollen. Und anderes mehr.

Dann können Sie beispielsweise Ihr „Inneres Team“ aktivieren und zu Wort kommen lassen.

Oder Sie verlagern die Sache „nach außen“ und erschaffen sich in Gedanken „externe Ansprechpartner“, die Ihnen helfen, Ihrem eigenen Ich weitere Facetten hinzuzufügen. Mit anderen Worten: Suchen Sie sich mentale Vorbilder.

Verschiedene Formen von mentalen Vorbildern

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.

Eine Leserin war zum Beispiel auf der „Mission“, einige Baustellen in ihrem Leben angehen und beheben zu wollen. Folgerichtig besprach sie alle Probleme mit einem mentalen „Missionar“. Also einem Persönlichkeitsanteil, den sie auf diese Weise ausgelagert und dem sie eine eigene Gestalt gegeben hatte, so dass er immer für sie greifbar war.

In einem Buch, das ich als Kind heiß und innig geliebt habe, war die Rede von einer „Fensterfreundin“. Also dem eigenen Spiegelbild, mit dem man sich in Spiegeln, Fenstern und so weiter unterhielt und sich „Rat holte“. Sprich, durch Rede und Gegenrede seine Gedanken prüfte und verfestigte.

Oder Sie greifen zu realen Vorbildern, also Menschen, die Sie für irgendetwas bewundern. Nicht umsonst hängen in den Zimmern vieler Teenager Poster von Stars und Sternchen, die den Kids das vorspiegeln, was diese auch gern hätten: Schönheit, Ruhm, gute Schulnoten, wovon auch immer sie träumen.

Oder Sie arbeiten mit fiktiven Vorbildern, also Gestalten, Figuren, Charakteren aus Büchern, Film, Fernsehen und so weiter. Figuren, die Sie wieder für bestimmte Eigenschaften, Wesenszüge oder auch Rollen, Positionen pp. bewundern.

Mentalen Vorbildern nacheifern und sie um Rat bitten

Und dann fragen Sie sich zum Beispiel: Was würde Captain Kirk jetzt in dieser Situation tun? Was würde die berühmte Sängerin X mir raten? Zu welcher Lösung würde der „Missionar“ greifen?

Sie können Ihre Fragen und Probleme entweder allgemein Ihrer Clique von Vorbildern stellen. Oder Sie überlegen gleich, welches Vorbild wohl für welches Problem besonders berufen wäre.

So können Sie alles gezielt aus einer anderen Perspektive betrachten und weitere Ideen und Lösungen finden. Und Sie können sogar Ihre Persönlichkeit um weitere Facetten bereichern, indem Sie sich Stück für Stück Ihren Vorbildern annähern und deren Eigenschaften übernehmen.

Das halte ich auf jeden Fall für eine „gesündere“ Art, sich an Vorbildern zu orientieren, als sich wirklich an diese zu klammern und von ihnen lenken zu lassen.

Holen Sie Rat ein oder lassen Sie sich von dem, was Ihre Vorbilder tun würden, inspirieren. Aber bewahren Sie sich Ihre Freiheit, indem Sie entscheiden, was Sie davon übernehmen wollen und was nicht. Mentale Vorbilder machen es uns manchmal sogar leichter als die realen Menschen in unserem Leben, uns diese Freiheit zu bewahren.

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 12.03.10

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