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Wie Sie mit Cliffhangern spannend schreiben

Romane, Krimis, Film, Fernsehen, die Werbebranche, aber auch Sachtexte profitieren von ihm: Vom Cliffhanger. Denn der Cliffhanger ist ein einfaches, kleines, gemeines, aber höchst wirksames Mittel, um für mehr Spannung zu sorgen. So geht’s.

In J.R.R. Tolkiens großer Fantasy-Trilogie „Der Herr der Ringe“ ist mir dieser Kniff zum ersten Mal aufgefallen. Ich war 12 Jahre alt und musste harte Wochen sparen, bis ich mir den jeweils nächsten Band der Reihe kaufen konnte.

Besonders hart war an der Sache, dass die Bücher jeweils an einer sehr spannenden Stelle abbrachen, bevor es im nächsten Buch weiterging. Auf das ich allerdings, wie gesagt, einige Zeit warten musste. 😉

Amerikanische Fernsehserien, die ich in meinen Teenie-Jahren sah, haben das Ganze zur Perfektion gebracht. Vor jeder Werbepause und jährlich zum Abschluss einer Staffel brach die Handlung an einer spannenden Stelle ab, um erst nach der Pause beziehungsweise im nächsten Jahr mit den nächsten Folgen fortgesetzt zu werden.

In beiden Fällen wurde dasselbe Prinzip eingesetzt: Ein Cliffhanger.

Was ist ein Cliffhanger?

Ein Cliffhanger ist eine Handlung, die genau dann abbricht, wenn es besonders spannend wird. Der Held muss nicht gerade an einer Klippe (cliff) hängen, so dass der Leser sich fragt, was aus ihm wird. Aber es sollten doch genug Fragen offen bleiben, damit der Leser die Antwort darauf wissen will.

Das Prinzip kam zuerst im 19. Jahrhundert bei Romanen auf, fand aber schnell Eingang in die Werbe- und später auch Fernsehwelt.

Manchmal nutzt man es nur zum Abschluss eines Buches oder Films, oft aber, wie man an den Werbepausen sieht, auch mitten drin. So ist es zum Beispiel bei Büchern mit mehreren Handlungssträngen ein beliebtes Vorgehen, den einen Strang an einer spannenden Stelle abzubrechen und im nächsten Kapitel mit einem anderen Strang fortzufahren.

Welche Wirkung hat ein Cliffhanger auf Leser und Texte?

Warum das Ganze? Nun, Sie werden es sich wahrscheinlich schon denken können.

Der Leser der Tolkien-Trilogie soll natürlich den nächsten Band kaufen. Der Fernsehzuschauer soll nach der Werbepause zurückkehren. Der Serienfan soll nach der Sommerpause die nächste Staffel einschalten, um zu erfahren, ob seine Helden alle noch da sind. Und die parallelen Handlungsstränge sollen mit ihrem jeweils abrupten Ende die Neugier der Leser das ganze Buch über hochhalten.

In Krimis ist so ein Cliffhanger zudem eine gute Möglichkeit, den Nervenkitzel zu bedienen. Wird der Held den Sprung in die Fluten überleben? Lesen Sie drei Kapitel weiter, und nach einigem Hakenschlagen der Ermittlungen erfahren Sie es. 😉

Die Wirkung auf die Leser ist gemischt.

Manche hassen es und wollen wissen, wie es weitergeht. Das sind in der Regel dieselben, die jeden Krimi am Ende anfangen, damit sie wissen, wer der Täter ist.

Manche genießen es und rätseln mit, wie es denn wohl weitergehen könne. Das sind oft die, die selbst verhinderte Autoren sind und munter am Plot mitstricken.

Und manche tolerieren es, wenn es nicht zu viel wird. Endet jedes Kapitel damit, dass der Leser im Unklaren gelassen wird, fliegt das Buch auch schon mal frustriert in die Ecke. 😉

Wie kann ich einen Cliffhanger schreiben?

Wie gesagt, ein Cliffhanger ist im Prinzip ein Abbruch. Sie führen eine Handlung zu etwas hin, bauen auch gern immer mehr Spannung auf – und brechen dann ab.

Der Held stürzt in die Fluten – wird er überleben?

Die Gefährten trennen sich und bestehen neue Abenteuer – werden sie sich wiedersehen?

Die Borg greifen an – wird die Erde sich wehren können?

Je mehr offene Fragen Sie für den Leser bereithalten, je dringender die Antwort herbeigesehnt wird, desto zugkräftiger ist Ihr Cliffhanger. Wenn Sie es nicht übertreiben. Nicht jeder Leser wird ja auf dieses Nägelkauen anspringen. Manche wollen die Antwort auch sofort haben.

Cliffhanger gibt es übrigens nicht nur bei Romanen, Film und Fernsehen. Sie können auch Ihre Sachtexte oder Artikel damit würzen. Das Prinzip ist schließlich immer dasselbe: Steigern Sie die Spannung und brechen Sie dann ab.

Das geht selbst bei einem simplen Kochbuch. Schildern Sie zum Beispiel eindrücklich Ihre Hetzjagd nach den diversen Zutaten. Endlich haben Sie alles zusammen und sitzen ermattet in der Küche. Aber wird Ihnen der Kuchen auch gelingen? Bei Ihren bekannten linken Händen? Sorgen suchen Sie heim, schwer stützen Sie Ihr Kinn auf die Hand. Schnitt.

Das nächste Kapitel: Das Fiasko am Ofen. Drohend ziehen Qualmwolken durch die Küche. Der Kuchen, der kostbare Kuchen. Schnitt.

Und so weiter, und so fort.

Schnitt. 😉

© 2010 Heike Thormann, Erstveröffentlichung 05.05.10

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